Chef der italienischen Sozialversicherung Italien braucht Migranten für sichere Renten

Der Vorsitzende der italienischen Sozialversicherung hat Migration nach Italien für eine Notwendigkeit erklärt - sonst werde das Land in fünf Jahren "die Bevölkerung einer Stadt wie Turin verlieren".

Rettungsschiff mit Flüchtlingen im Mittelmeer
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Rettungsschiff mit Flüchtlingen im Mittelmeer


Der Chef der italienischen Sozialversicherung INPS, Tito Boeri, hat vor den Auswirkungen eines drastischen Rückgangs der Migration auf das Rentensystem seines Landes gewarnt. Sollte die Einwanderung stark beschränkt werden, "würden wir innerhalb von fünf Jahren die Bevölkerung einer Stadt wie Turin verlieren", sagte Boeri vor dem Parlament in Rom. Italien hat eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit.

Angesichts des Bevölkerungsrückgangs, über den "sich in Italien niemand Sorgen zu machen scheint", sprach sich Boeri für legale Einwanderung aus. Nur so könne ein Loch in den Rentenkassen verhindert werden. Außerdem brauche Italien die Arbeitskraft von Einwanderern, da bestimmte Aufgaben etwa in der Pflege und in der Landwirtschaft bei den Italienern zu unbeliebt seien, sagte Boeri.

Salvini: Bedürfnis der Italiener zu arbeiten und Kinder zu machen

Boeri zog mit seinen positiven Aussagen zur Einwanderung den Zorn des italienischen Innenministers und Chefs der fremdenfeindlichen Lega, Matteo Salvini, auf sich. Boeri "macht weiterhin Politik und ignoriert dabei das Bedürfnis vieler Italiener zu arbeiten (und Kinder zu machen)", schrieb Salvini in einer Mitteilung. Der Wirtschaftswissenschaftler Boeri war von der vorherigen Mitte-links-Regierung zum Chef des INPS ernannt worden.

Seit dem Antritt der Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega fährt Italien in Migrationsfragen eine harte Linie. So schloss die Regierung unter anderem italienische Häfen für NGO-Schiffe mit Flüchtlingen an Bord. Der INPS-Chef kritisierte auch die geplante Rentenreform der Regierung als zu teuer; durch die Reform soll der Renteneintritt erleichtert werden.

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Valencia und die Flüchtlinge: Ein Schiff wird kommen

ans/AFP



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