"Patrioten-Anleihen": Italiener leihen Staat 18 Milliarden Euro

Der italienische Regierungschef Monti kann sich über finanzielle Solidarität seiner Landsleute freuen: Mit sogenannten Patrioten-Anleihen für Privatanleger nahm die Regierung innerhalb von einer Woche 18 Milliarden Euro ein. Auch ausländische Investoren kehren zurück.

Italiens Regierungschef Monti: Geld von den Bürgern Zur Großansicht
DPA

Italiens Regierungschef Monti: Geld von den Bürgern

Rom - Der Appell der italienischen Regierung an die Bürger war erfolgreich. Über sogenannte Patrioten-Anleihen haben Privatanleger dem Staat allein in dieser Woche 18 Milliarden Euro geliehen. Die Papiere wurden extra für Privatinvestoren aufgelegt.

Normalerweise versteigern Staaten ihre Anleihen ausschließlich unter ausgewählten Geschäftsbanken. Es war bereits das dritte Mal, dass Italien in diesem Jahr an das Pflichtgefühl der eigenen Bevölkerung appellierte, um diese bei der staatlichen Schuldenfinanzierung am Kapitalmarkt anzupumpen. Insgesamt hat die Regierung auf diese Weise 2012 bereits 27 Milliarden Euro eingesammelt.

"Es ist ein Zeichen dafür, wie groß das Vertrauen der Italiener in ihr Land ist", sagte Vermögensverwalter Mario Spreafico von der Fondsgesellschaft Schroders. Luca Cazzulani von der Großbank Unicredit bezeichnete die Auktion als "großen Erfolg", der den Finanzierungsdruck bis zum Jahresende deutlich lindere. Mittlerweile hat Italien fast 90 Prozent seines Kapitalbedarfs in diesem Jahr gestillt.

"Mit einer solchen Nachfrage habe ich nicht gerechnet"

Die Chefin der italienischen Schuldenagentur, Maria Cannata, schloss weitere Anleihe-Versteigerungen für Kleininvestoren bis Ende 2012 bereits aus. Sie zeigte sich überrascht von der großen Kauflaune der Kleinsparer. Der Optimismus sei wohl darauf zurückzuführen, dass die Rating-Agentur Moody's Spanien nicht weiter herabgestuft habe, sagte sie. "Trotzdem habe ich mit einer solchen Nachfrage ehrlich gesagt nicht gerechnet."

Bis Mitte des Jahres flohen internationale Großinvestoren noch in Scharen aus dem italienischen Anleihemarkt, was auch Kleinsparer verunsichert haben dürfte. Doch nun sei der Anteil ausländischer Investoren erstmals seit über einem Jahr wieder gestiegen, sagte Schuldenmanagerin Cannata. Die Anleger kehrten zurück, und das "in allen Laufzeiten". Dieser Trend werde durch die aktuellsten verfügbaren Daten der Zentralbank belegt, die sich auf den Juni beziehen.

Als Hauptgrund für das wieder erstarkte Vertrauen der Finanzmärkte gilt die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Anleihen kriselnder Euro-Länder aufzukaufen. Seit diesem Hilfsversprechen sind die Risikoaufschläge für italienische Staatspapiere massiv zurückgegangen. Bei Papieren mit zehn Jahren Laufzeit ist die Rendite seit Ende Juli von mehr als 6,5 auf zuletzt 4,7 Prozent gesunken.

mmq/dpa-AFX

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Fußball begeistert Deutschland
spontifex 19.10.2012
Zitat von sysopDPADer italienische Regierungschef Monti kann sich über finanzielle Solidarität seiner Landsleute freuen: Mit sogenannten "Patrioten-Anleihen" für Privatanleger nahm die Regierung innerhalb von einer Woche 18 Milliarden Euro ein. Auch ausländische Investoren kehren zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-buerger-leihen-staat-milliarden-durch-patrioten-anleihen-a-862386.html
Die Deutschen sollten mit Matrioten - oder Idiotenanleihen Muttis Verelendungsprogramme unterstützen.
2. Eine gute Nachricht
Europa! 19.10.2012
Zitat von sysopDPADer italienische Regierungschef Monti kann sich über finanzielle Solidarität seiner Landsleute freuen: Mit sogenannten "Patrioten-Anleihen" für Privatanleger nahm die Regierung innerhalb von einer Woche 18 Milliarden Euro ein. Auch ausländische Investoren kehren zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-buerger-leihen-staat-milliarden-durch-patrioten-anleihen-a-862386.html
Vielleicht ein Anlass, die Vorurteile über Italien und Italiener zu überprüfen?
3. griechische Patrioten Fehlanzeige
realpolitiker 19.10.2012
Daran sollten sich gefälligst die griechischen reichen Eliten ein Beispiel nehmen. Doch diese sind offensichtlich nur Patrioten auf den Titelseiten der "Klatschpresse". Also wo sind die griechischen Patrioten mir ihren geschätzten 200 Milliarden Euro auf Auslands-Bankkonten und die griechischen Immobilien-Anleger, die in Deutschland Objekte kaufen? Für diese Superreichen wären die 11 Milliarden Euro, um die sich Troika und Samaras seit Wochen quälen doch leicht zu schultern - oder nicht?
4. Alternativlose Welt?
spontifex 19.10.2012
Zitat von Europa!Vielleicht ein Anlass, die Vorurteile über Italien und Italiener zu überprüfen?
Wer hat Vorurteile über die ItalienerInnen? (http://astrologieklassisch.files.wordpress.com/2011/10/libero140811.png?w=500) Die sehen die Welt doch so, wie sie ist. (http://m.blottr.com/sites/default/files/styles/150/public/berlusconi-newspaper-calls-merkel-quarto-reich.png)
5.
DerKritische 19.10.2012
Zitat von sysopDPADer italienische Regierungschef Monti kann sich über finanzielle Solidarität seiner Landsleute freuen: Mit sogenannten "Patrioten-Anleihen" für Privatanleger nahm die Regierung innerhalb von einer Woche 18 Milliarden Euro ein. Auch ausländische Investoren kehren zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-buerger-leihen-staat-milliarden-durch-patrioten-anleihen-a-862386.html
Tolle Wirtschaftspolitik, betteln beim Volk. So wird man international auf Dauer trotzdem nicht wettbewerbsfähig. Seit bald hundert Jahren pumpt der ital. Norden Geld in seinen Süden. Hat sich da was geändert? Nö
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Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,783 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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Steckbrief Italien
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission