Regierungsbildung in Italien Conte-Rückzug verschafft Mailänder Börse nur kurz Luft

Die italienische Börse ist skeptisch, dass sich die vertrackte Lage in dem Land auflöst: Einer ersten Euphorie über Guiseppe Contes Verzicht auf den Posten des Ministerpräsidenten folgte Ernüchterung.

Mailänder Börse
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Nach der vorläufig gescheiterten Regierungsbildung in Rom ist der italienische Aktienmarkt zunächst mit Kursgewinnen in den Handel gestartet. Der Leitindex FTSE MIB stieg im frühen Handel um 1,8 Prozent auf rund 22.800 Punkte und wurde dabei angeführt von festen Bankenwerten. Neben dem Aktienmarkt legten auch der Euro und italienische Staatsanleihen zu.

Der anfängliche Rückenwind für den italienischen Aktienmarkt verflog jedoch schnell. Einige zunächst stark gestiegene Finanzwerte büßten ihre Gewinne gänzlich ein. Unicredit-Aktien tauchten um mehr als vier Prozent in die Verlustzone ab. Intesa Sanpaolo rutschte nach zeitweisem Anstieg wieder um etwa drei Prozent ab.

"Die Politik sorgt für Wirbel in der Eurozone", schrieben die Experten von HSBC in einem Morgenkommentar. Wegen Feiertagen in London und New York hielten sich die Aktivitäten der Händler allerdings in Grenzen.

Am Wochenende war in Italien die Regierungsbildung zwischen den populistischen Parteien Lega und Fünf Sterne zuvor gescheitert. Der gemeinsame Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Giuseppe Conte, gab den Regierungsauftrag an Staatspräsident Sergio Mattarella zurück. Grund dafür war vor allem der Streit über die geplante Ernennung des Euro- und Deutschland-Kritikers Paolo Savona zum Finanzminister.

Italiens Staatspräsident Mattarella sucht nun nach einem Ausweg. Er sollte im Lauf des Vormittags den Wirtschaftsexperten Carlo Cottarelli empfangen. Der frühere IWF-Vertreter könnte an der Spitze einer Übergangsregierung das Land zu einer Neuwahl führen.

Mattarella gerät derweil weiter selbst in Bedrängnis: Die Fünf-Sterne-Bewegung und Lega kritisierten sein Vorgehen und pochen auf eine schnelle Neuwahl in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone.

apr/dpa



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