Bonität nahe Ramschniveau Italien empört sich über Rating-Abstufung

Italiens Ministerpräsident Letta ärgert sich über die Rating-Agentur Standard & Poor's: Die Kreditbewertung seines Landes knapp über Ramschniveau nennt er falsch und kleinlich. Doch die wirtschaftlichen Aussichten Italiens sind tatsächlich düster.

Italiens Ministerpräsident Letta: Italien wird "besonders überwacht".
REUTERS

Italiens Ministerpräsident Letta: Italien wird "besonders überwacht".


Rom - Italiens Regierung hat die Senkung der Kreditbewertung des Euro-Krisenlandes durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) als falsch und kleinlich kritisiert. Die Analysten der Agentur berücksichtigten die bereits vorbereiteten Maßnahmen der neuen Regierung unter Enrico Letta nicht, teilte das Wirtschaftsministerium in Rom nach der Herabstufung der Bonität Italiens mit. S&P hatte das Rating für das Land wegen der schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung von "BBB+" auf "BBB" gesenkt.

Mit der Senkung liegt die Kreditbewertung für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone jetzt nur noch zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau, mit dem gemeinhin spekulative Anlagen gekennzeichnet werden. Außerdem setzte die Agentur den Ausblick auf "negativ", so dass in den kommenden Monaten weitere Herabstufungen möglich sind. Rating-Abstufungen können die Folge haben, dass das Land höhere Zinsen bieten muss, um sich Geld bei Investoren zu leihen.

Letta, Chef einer großen Koalition, sprach von "engherzigen Bewertungen". Seine Regierung bereitet eine Reihe von Maßnahmen vor, darunter Steuersenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dem TV-Sender RAI sagte Letta, wer gedacht hätte, dass auf internationaler Ebene alles gelöst sei, habe sich getäuscht. Italien werde weiterhin "besonders überwacht". Die liberale Turiner "La Stampa" schrieb, der unerwartete Pessimismus in dem Urteil der Agentur sollte Italien aber nicht sehr schaden, denn alle drei großen Rating-Agenturen hätten sich durch Fehlurteile in den vergangenen Jahren selbst diskreditiert.

Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht

Nach Einschätzung der Experten von S&P haben sich die Aussichten für Italiens Wirtschaft zuletzt erneut verschlechtert. Die Wirtschaftsleistung sei im ersten Quartal weiter gesunken und sie befinde sich derzeit unverändert in einem Abschwung. S&P senkte daraufhin die Prognose für das italienische Bruttoinlandsprodukt.

Die Experten gehen von einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,9 Prozent in diesem Jahr aus, nachdem sie zuvor nur einen Rückgang um 1,4 Prozent erwartet hatten. Ein weiteres Problem sehen die S&P-Experten in den vergleichsweise hohen Zinsen, die italienische Firmen für Kredite zahlen müssen.

ade/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.