Umfrage Mehr als 60 Prozent der Deutschen gegen Euroaustritt Italiens

In Italien regieren nun die Euro-Skeptiker. Die meisten Deutschen hielten einen Austritt Italiens aus der Währungsunion dennoch für falsch, wie eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE zeigt. Nur eine Wählergruppe ist für den Exit.

Neuer Premierminister Giuseppe Conte
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Mehr als 60 Prozent der Deutschen halten einen möglichen Austritt Italiens aus der Eurozone für einen Fehler. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE.

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Heft 23/2018
Italien zerstört sich selbst - und reißt Europa mit

Demnach hielten 61,5 Prozent der Befragten ein Euro-Aus Italiens für einen Schritt "eindeutig in die falsche Richtung" oder "eher in die falsche Richtung". 31,4 Prozent würden es dagegen begrüßen, wenn Italien die Währungsunion verließe (siehe Grafik). Insgesamt 7,1 Prozent der Befragten stimmten unentschieden oder lieferten ungültige Antworten.

Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Befragten die Folgen eines Austritts für Deutschland, für die EU oder für Italien selbst einschätzen sollen. Bei alle drei Fragstellungen stimmten mehr als 60 Prozent der jeweils über 4500 Befragten gegen einen Euro-Austritt des Landes.

Am Sonntag wurde in Italien ein neues Regierungsbündnis beschlossen - nach fast dreimonatigen Verhandlungen. Bündnispartner sind die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega. Beide Parteien vertreten europakritische Positionen - und stehen auch dereuropäischen Währungsunion skeptisch gegenüber. Auch ein Euro-Austritt wurde bereits diskutiert, er ist aber kein offizielles Ziel des Regierungsbündnisses.

Bei der Umfrage zeigten sich deutliche Unterschiede, in den Einschätzungen der Teilnehmer, wenn man sie nach Parteipräferenz sortiert. So gaben knapp 75 Prozent der befragten AfD-Wähler gaben an, ein Ausscheiden Italiens aus dem Euro sei ein eher oder eindeutig richtiger Schritt für Deutschland. Demgegenüber schätzten nur 12 Prozent der Grünen-Wähler, 13,5 Prozent der SPD- und 19 Prozent der CDU/CSU-Wähler das Austritts-Szenario positiv ein.

Die aktuelle Umfrage zeigt auch: Je höher die berufliche Stellung der Befragten war, desto negativer beurteilten sie einen möglichen Euro-Austritt. Während knapp 67 Prozent der leitenden Angestellten den Schritt eher negativ einschätzten, bewerteten 58,5 Prozent der befragten Arbeiter ihn als "eindeutig" oder "eher" positiv. Zwischen weiblichen und männlichen Befragten ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

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