SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. Juli 2012, 19:23 Uhr

Sorge in Italien

Monti warnt vor Pleite Siziliens

In Italien wächst die Sorge vor einer Pleite Siziliens. Ministerpräsident Monti warnte, die Region stehe vor dem finanziellen Kollaps. Auch Griechenland braucht dringend Geld und will bei seinen Partnern einen Überbrückungskredit heraushandeln. Gute Nachrichten kommen dagegen aus Portugal.

Rom/Athen - Die italienische Regierung fürchtet ein Eskalieren der Finanzkrise in Sizilien. Der Region drohe der finanzielle Kollaps, sagte Ministerpräsident Mario Monti am Dienstag in Rom. Es gebe erhebliche Sorgen vor einer Pleite Siziliens. Für die Finanzkrise der Insel macht die Regierung auch die lokalen Behörden verantwortlich.

Monti erklärte, er erwarte von Gouverneur Raffaele Lombardo eine Bestätigung, dass dieser bis zum Monatsende zurücktrete. Sizilien gilt als Armenhaus des südeuropäischen Euro-Landes.

Auch in Griechenland gibt es Sorgen über die Finanzierung des Landes. Denn die nächste Tranche aus dem aktuellen Hilfspaket kommt wohl erst im September zur Auszahlung - falls die Kontrolleure von Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission dies befürworten. Allerdings droht dem Land bereits vorher das Geld auszugehen.

Darum bemüht sich Griechenland bei seinen internationalen Geldgebern um eine finanzielle Überbrückung, mit der das klamme Land über den nächsten Monat kommen kann. "Wir kämpfen um einen Überbrückungskredit bis September", sagte ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums am Dienstag.

EZB, IWF und EU-Partner haben Griechenland zwar grundsätzlich Hilfe bei der Deckung seines kurzfristigen Finanzbedarfs im August zugesagt, doch die genauen Umstände sind noch unklar. Laut Medienberichten ist im Gespräch, dass die EZB Verzögerungen bei der Rückzahlung einer fälligen Milliarden-Anleihe akzeptieren könnte.

IWF traut Portugal 2013 Rückkehr an Finanzmärkte zu

Gute Nachrichten gab es zumindest aus dem Krisenland Portugal. Der IWF bescheinigt der Regierung dort deutliche Fortschritte bei der Umsetzung der Spar- und Reformauflagen. Die Behörden hätten eine überzeugende Bilanz vorgelegt, teilte der IWF am Dienstag mit. Die Chancen für einen Erfolg des Hilfsprogramms seien relativ hoch. IWF, EZB und die EU-Länder haben für Portugal ein 78 Milliarden Euro schweres Hilfspaket geschnürt.

Sollte Portugal die Reformen weiter strikt umsetzen, könne das Land bis Ende kommenden Jahres wieder Zugang zu den Finanzmärkten haben, erklärte der IWF. Allerdings warnte der Fonds vor Risiken durch die schlechte Konjunktur in der Euro-Zone. Für dieses und das kommende Jahr werde deshalb nicht mit einer Verbesserung der Situation auf dem portugiesischen Arbeitsmarkt gerechnet, hieß es. Besonders die Schuldenkrise im benachbarten Spanien könne sich negativ auf Portugal auswirken.

mmq/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH