Sorge wegen Haushaltsstreit Italienische Banken sollen Staatsanleihen offenlegen

Die italienische Notenbank will sich offenbar einen Überblick über die Krisenanfälligkeit der Kreditinstitute verschaffen. Laut einem Bericht sollen sie offenlegen, welche Staatsanleihen in ihren Beständen sind.

Rom
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Die italienische Notenbank überprüft einem Bericht zufolge die Staatsanleihenbestände der heimischen Kreditinstitute. Sie habe die italienischen Banken in den vergangenen Wochen auf Bitte der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgefordert, Einblick in ihre Bestände zu geben, berichtete die Zeitung "La Stampa" ohne Angabe von Quellen. Besonders im Blick stünden die Anleihen im Handelsbuch, deren Wert durch Marktbewegungen beeinflusst werde.

Der Haushaltsstreit der Regierung in Rom mit der EU hat die Renditen der italienischen Staatsanleihen zuletzt nach oben getrieben. Zeitweise war die Rendite für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bis auf 3,8 Prozent gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit 2014. Zum Vergleich: Im Frühjahr lag die Rendite noch unter der Marke von zwei Prozent. Italienische Banken sind in der Regel stark in heimische Staatsanleihen investiert und leiden daher unter einem Anstieg der Renditen.

Salvini sichert Banken Unterstützung zu

Innenminister Matteo Salvini hatte am Donnerstag gesagt, die Regierung sei bereit, den Banken finanziell unter die Arme zu greifen. "Wenn eine Bank oder ein Unternehmen in Not ist, dann sind wir da", sagte der Vize-Premier laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Die Zeitung "La Stampa" berichtete über einen Fonds der italienischen Regierung, der im Krisenfall zur Stützung von Problembanken zur Verfügung stehen würde. Demnach könnte die Regierung für Fälle, in denen Banken wegen ihrer hohen Bestände an italienischen Staatsanleihen in Schwierigkeiten geraten, auf etwa 15 Milliarden Euro zurückgreifen.

Die Vorgängerregierung in Rom hatte dem Bericht zufolge insgesamt 20 Milliarden Euro zur Unterstützung von Banken bereitgestellt. Von diesem Geld seien aber nur fünf Milliarden Euro zur Stützung von Problembanken, darunter die Monte dei Paschi di Siena, ausgegeben worden. Die restlichen 15 Milliarden Euro seien nicht abgerufen worden und stünden derzeit noch zur Verfügung, hieß es.

Draghi mahnt Regierung in Rom

EZB-Chef Mario Draghi hatte mit Blick auf den Haushaltsstreit zwischen der EU-Kommission und Italien auf eine strikte Einhaltung der europäischen Regeln gepocht. Besonders für Länder mit hohem Schuldenstand sei die volle Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakts entscheidend für die Sanierung der Staatsfinanzen, sagte Draghi am Donnerstag. Daher müsse das von der EU gesetzte Rahmenwerk "transparent und konsequent" umgesetzt werden, um die Währungsunion zu stärken. Der gebürtige Italiener zeigte sich zugleich optimistisch, dass Rom und Brüssel zueinanderfinden werden: "Ich bin persönlich zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden wird."

mmq/Reuters/dpa

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Listkaefer 26.10.2018
1. Wahnsinn, was in Italien läuft.
Malvini macht den starken Mann. Angesichts von 3,8 % Zinsen braucht er jetzt eine Menge Verschwörungstherien über äußere Feinde, die den Wohlstand der Italiener bedrohen. Sein Wahlgeschenk an seine Wähler ist die Ruinierung des Landes. Seine Beliebtheit in Umfragen wächst.
mantrid 26.10.2018
2. Salvini, der große Illusionist
Es ist ja nett von Herrn Salvini, dass er strauchelnden Banken helfen möchte. Nur woher will er das Geld dafür bekommen? Staatsanleihen an itanlienische Banken zu verkaufen, die dafür das Geld eben nicht haben, wird nicht funktionieren. Und ausländische Banken und Investoren werden sich wohl keine Hochrisiko-Papiere in die Bücher holen wollen. Direkt bei der EZB Kredit aufnehmen geht auch nicht.
hannesmann 26.10.2018
3.
Geht sehr wohl. Die italienischen Banken können Staatsanleihen als Sicherheit bei der EZB hinterlegen und bekommen Geld zu 0%. Eigenkapital wird auch nicht benötigt. Bei 3,8% Zinsen auf die Anleihen ist das ein gutes Geschäft. Bis der Refinanzierungssatz auf 3,8% ansteigt ist ein weiter Weg. Draghi hat`s angerichtet und alle freuen sich auf die guten Renditen.
biesi61 26.10.2018
4. Die Zinsen für erworbene Anleihen fließen der EZB zu.
Zitat von hannesmannGeht sehr wohl. Die italienischen Banken können Staatsanleihen als Sicherheit bei der EZB hinterlegen und bekommen Geld zu 0%. Eigenkapital wird auch nicht benötigt. Bei 3,8% Zinsen auf die Anleihen ist das ein gutes Geschäft. Bis der Refinanzierungssatz auf 3,8% ansteigt ist ein weiter Weg. Draghi hat`s angerichtet und alle freuen sich auf die guten Renditen.
Außerden nominieren die allermeisten Altanleihen zu erheblich niedrigeren Zinssätzen. Also nix mit gutem Geschäft!
hannesmann 26.10.2018
5.
Zitat von biesi61Außerden nominieren die allermeisten Altanleihen zu erheblich niedrigeren Zinssätzen. Also nix mit gutem Geschäft!
Auch die Altanleihen können zu 0% refinanziert werden. Die kurzlaufenden Anleihen mit geringem Negativzins hat die Notenbank im Rahmen des QE mit erheblichen Gewinnen für die verkaufenden Banken aufgekauft. Der Rest hat positive Renditen. Eine Form von Bankensanierung 2.0.
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