Neue Regierung in Italien Ökonomen fürchten neue Finanzkrise

Verschwenderische Steuergeschenke, EU-feindliche Slogans: Die vermutlich künftige italienische Koalitionsregierung erschreckt deutsche Top-Ökonomen. Manche fürchten gar eine neue Finanz- oder Eurokrise.

Michael Hüther

Michael Hüther


Die künftige italienische Koalitionsregierung aus Fünf-Sterne-Partei und fremdenfeindlicher Lega stellt aus Sicht des Münchner ifo-Instituts die Grundlagen der Eurozone in Frage. Das sagte Ifo-Chef Clemens Fuest am Dienstag. "Der Eurozone droht eine neue Krise. Die EZB sollte überprüfen, ob sie weiterhin italienische Staatsanleihen kaufen kann", sagte Fuest.

Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft sagte im Gespräch mit dem ZDF, er befürchte, dass "Italien eine Finanzkrise neu hervorbringt", falls die angekündigten Steuersenkungen kommen sollten.

Die europakritische Koalition will trotz hoher Staatsverschuldung weniger sparen und stattdessen Steuern senken. Die Pläne sorgen seit Tagen für Unruhe. Das Land hat mit knapp 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eine der weltweit höchsten Staatsverschuldungen. Auch Präsident Sergio Mattarella macht sich mit Blick auf die Staatsfinanzen "Sorgen wegen der Alarmzeichen", wie es aus seinem Umfeld hieß.

Rekordzustimmung bei Bürgern zur EU

Während in Italien die Populisten auf dem Vormarsch sind, hat die Zustimmung der Bürger zur Europäischen Union einer Umfrage zufolge ein Rekordhoch erreicht. Mehr als zwei Drittel der EU-Bürger und 75 Prozent der Deutschen sind demnach der Ansicht, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert.

Das geht aus dem "Eurobarometer" hervor, das am Mittwoch in Brüssel veröffentlicht wurde. Das ist demnach der höchste Wert in Europa seit 1983. Zu diesem Zeitpunkt hatte die EU (damals EG - Europäische Gemeinschaft) noch deutlich weniger Mitgliedstaaten.

Der Umfrage zufolge übersteigt zudem die Zahl derer die davon überzeugt sind, dass ihre Stimme in der EU etwas zählt (48 Prozent), die Zahl der Skeptiker (46 Prozent). Diese Entwicklung begann demnach in der zweiten Jahreshälfte 2016, nach dem Votum der Briten, aus der EU auszutreten. Dies habe zu einem "Weckruf" innerhalb der EU geführt, heißt es in der Umfrage. In Deutschland sind sogar 72 Prozent der Befragten der Meinung, dass ihr Wort in Europa Gewicht hat.

Mit Blick auf die politische Gesamtentwicklung in Europa überwiegt allerdings nach wie vor Skepsis. 32 Prozent der Befragten sind demnach davon überzeugt, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Im Vergleich zu den Vorjahren zeichnet sich allerdings auch hier ein leichter Aufwärtstrend ab.

ssu/dpa-AFX



insgesamt 110 Beiträge
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joG 23.05.2018
1. Es ist meines Erachtens.....
....unverantwortlich von Politikern oder gar Ökonomen jetzt mit einer eventuellen Euro Krise anzufangen. Wenn man unvoreingenommen an die Verträge heranging, wußte man von Anbeginn, dass der Euro ein rein politisches Projekt war, das wirtschaftlich katastrophal entworfen und konstruiert worden war und zu zyklisch wiederkehrende Krisen führen musste. Einige der Probleme sah man sofort, als Deutschland die DM zu stark in den Euro einbrachte, zum “Kranken Mann von Europa” wurde und seither die Stabilitätskriterien jährlich riss. Was sich dann über zwei Jahrzehnte entwickelte bestätigte die traurige Prognose mit Verarmungen von Bevölkerungen, Missachtung von Gesetzen sowie politische Extremisierung und einem wachsenden Zweifel, ob die EU haltbar ist. Wer jetzt also warnt ist dreißig Jahre zu spät und daher entweder ein schlechter Ökonom oder unverantwortlich.
Actionscript 23.05.2018
2. Verschiedene Gründe
Ein Hauptgrund für die Zustimmung zur EU ist vermutlich Trump zu danken. Ohne EU hätte kein EU Land echtes Gewicht bei irgendwelchen Verhandlungen. Auch das Reisen innerhalb der EU und Bezahlung mit derselben Währung und der Handel haben die EU stark gemacht. Die Folgen des Brexit haben klar gezeigt, wohin Austritt führt, und das werden auch die Italiener lernen müssen, falls sie sich nicht einfügen.
dirk.resuehr 23.05.2018
3. Die Krise
ist schon da, der Eurokurs ist schon mal um 6,x Cent gefallen. Es ist zu befürchten da kommt noch mehr, wenn man die Target-Salden ansieht Italien hat als souveränes Land das Recht zur Narretei. Unsere Linken finden das wahrscheinlich noch toll, bis es an ihren Geldbeutel geht!
neuesd 23.05.2018
4. Na ja, das war zu erwarten,
die Ideologen bringen sich in Stellung. Nichts dazugelernt, am deutschen Austeritätswesen soll Europa genesen.
kraus.roland 23.05.2018
5. Europa schuldet sich grösste Offenheit!
In Italien treibt der schlimmste Steuerbetrüger, Berlusconi, sein Unwesen auf allen Ebenen. Schon viel zu lange und noch immer! Er hat vermeintliche Gegener kontaminiert wie eine Schmierinfektion. Seine Anhänger, kleinkarierte, aber rücksichtslose Egoisten, träumen davon, wie Berlusconi zu sein. All das gehört leider zu einer antieuropäischen Stimmungsmache, die längst nicht auf Ialien beschränkt ist. Wir brauchen an der Spitze sämtlicher Eu-Institutionen endlich (wieder) Persönlichkeiten mit klarem Kopf und klarer Sprache, die der kriminellen und destruktiven Bande egozentrischer EU-Gegener den Kampf auf allen Ebenen ansagen. Umgekehrt ist die Zersetzungsarbeit längst im Gange - siehe Brexit ! Dazu gehört aber auch EU-Selbstkritik: die EU-Erweiterung ist bisher zu lasch und vorschnell betrieben worden. Wir brauchen ein Innehalten der Erweiterungsmaschinerie. Der Konsolidierungsprozess nach innen muss zu besser konturierten ( und zu respektierenden) Beitrittskriterien führen. Und - der EURO braucht endlich eine Harmonisierung seiner wirtschaftspolitischen Grundlagen bei allen Beteiligten. Die Schlamperei von Maastricht muss aufgearbeitet werden. Fakt ist, das diese Schlamperei eine Einladung an die Sekulanten war und ist, sich zu bereichern!
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