Nach Europawahl Italien kommt so billig an Geld wie nie zuvor

Die Investoren ignorieren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Italiens - und überschütten den Staat mit frischem Geld zu rekordniedrigen Zinsen. Dabei sind gerade die Unternehmer des Landes skeptisch.

Darauf einen Espresso: Italiens Premier Renzi im Parlament
AP

Darauf einen Espresso: Italiens Premier Renzi im Parlament


Madrid/Rom - Italien hat offenbar das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewonnen. Das Land, das vor nicht einmal zwei Jahren nur noch zu sehr hohen Zinssätzen an frisches Geld kam, kann seine Schulden mittlerweile so günstig finanzieren wie nie zuvor.

Wie die italienische Notenbank am Donnerstag mitteilte, nahm der Staat bei einer Versteigerung von zwei Anleihen insgesamt 5,75 Milliarden Euro ein. Die Rendite eines fünfjährigen Papiers fiel dabei auf 1,62 Prozent, bei einer zehnjährigen Anleihe waren es 3,01 Prozent. Zum Vergleich: Mitte 2012 musste das Land noch mehr als 6 Prozent Zinsen bieten, damit die Investoren ihm zehnjährige Schuldpapiere abkauften.

Ein Grund für die Kaufbereitschaft der Anleger dürfte der überraschende Wahlerfolg des neuen Ministerpräsidenten Matteo Renzi sein. Seine Demokratische Partei (PD) hatte bei den Europawahlen mehr als vierzig Prozent der Stimmen erhalten. Das stärkt offenbar die Hoffnungen auf einen Reformkurs.

Von den ökonomischen Daten des Landes ist diese Hoffnung bisher allerdings kaum gedeckt. Im ersten Vierteljahr 2014 war die Wirtschaft überraschend um 0,1 Prozent geschrumpft. Die Wachstumsprognose der Regierung von 0,8 Prozent für das Gesamtjahr lässt sich damit kaum noch halten.

Der größte Arbeitgeberverband des Landes warnt sogar vor einer Stagnation; "Ich befürchte, dass wir auch in diesem Jahr nicht das Wachstum und die Jobs sehen werden, die wir sehen wollten", sagte Verbandspräsident Giorgio Squinzi am Donnerstag. Das Reden vom Ende der Krise in Italien habe er immer kritisch eingeschätzt.

Deutlich besser sieht dagegen in Spanien aus. Dort ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,4 Prozent gestiegen, wie das Nationale Statistikamt INE am Donnerstag bestätigte. Es war das dritte Quartalswachstum in Folge - und das stärkste seit Ende der Rezession. Allerdings kämpft das Land noch immer mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit von mehr als 20 Prozent.

stk/dpa/Reuters



insgesamt 18 Beiträge
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fritzyoski 29.05.2014
1. Der Rettungsdepp
Zitat von sysopAPDie Investoren ignorieren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Italiens - und überschütten den Staat mit frischem Geld zu rekordniedrigen Zinsen. Dabei sind gerade die Unternehmer des Landes skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-verkauft-staatsanleihen-mit-extrem-niedrigen-zinsen-a-972389.html
Solange es einen Rettungsdeppen gibt, wieso nicht? Wenn ein "Big Spender" in Schieflage geraet, dann darf der Rettungs-Michel ran.
hotgorn 29.05.2014
2. Die Welt dreht sich eben
auch ohne Deutschland.
elikey01 29.05.2014
3. Ökonomische Weisheiten?
Zitat von sysopAPDie Investoren ignorieren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Italiens - und überschütten den Staat mit frischem Geld zu rekordniedrigen Zinsen. Dabei sind gerade die Unternehmer des Landes skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-verkauft-staatsanleihen-mit-extrem-niedrigen-zinsen-a-972389.html
Von wegen "Stärkt die Hoffnung auf Reformkurs". Für mich stellt sich der "Erfolg des billigen Geldes für Italien" eher so dar: * Es vagabundiert extrem viel Geld um den Globus, das eine sichere Heimat sucht, während die solventen Schuldner weniger werden/wurden und die Zinsmargen ebenfalls. * Wo soll ein Wachstum herkommen, wenn darüber hinaus auch noch so billiges Geld durch den EZB-Anleihenkauf zu bekommen war, doch die Banken keine Kredite geben? Und dafür den Dax anheizen, die Hedgefonds "bedienen", denn irgendwoher müssen doch die dicken Bonis kommen, die ausgeworfen werden. * Nichts ist sicherer für Anleger wie Staatspapiere, die so verbürgt sind: Durch den ESM und den Anleihenkauf, und trotzdem mehr Zinsen bringen als z.B. der deutsche Altersvorsorgesparer für sichere Anlagen bekommt. Die Unternehmerskepsis - trotz Steuersenkungen - kommt nicht von ungefähr, wenn der Staat dafür neue Anleihen herausgibt, die Verschuldung weiter steigt und Reformen, die den Namen verdient hätten, offensichtlich unterbleiben. Auch Italien ist h.E. ein Bsp. von vielen, warum eien Gemeinschaftswährung für so unterschiedliche Wirtschafts-, Kultur- und Mentalitätsräume nicht funktionieren kann - außer evtl. unter einer autokratischen Zentralregierung. Doch die neuesten Wahlergebnisse mit insb. dem Erstarken der FN in F zeigt überdeutlich, dass dieses "Europa" nicht dafür bereit ist - wenn denn auch noch aus Nationen ohne €uro (DK, GB) ein kräftiger Rechtsruck (in GR linksradikal und rass.-rechtsnational, nicht weniger bedenklich) zu verzeichnen ist. Wenn die EU sich nicht ändert i.S.v. Korrekturen in Richtung EG, wird sie von solchen Strömungen verändert werden - was allerdings in einen Prozess ausarten könnte in einer eigenen, ungewollten Dynamik. Das muss h.E. Brüssel, das müssen die Nationalstaaten und deren etablierte Parteien endlich begreifen und gegensteuern, anstatt von Alternativlosigkeit zu schwadronieren und den Erhalt des €uro mit dem Erhalt von Frieden in Europa gleichsetzen, um so die (z.B. deutsche) Bevölkerung zu sedieren.
shardan 29.05.2014
4. und in ein paar Jahren...
... dürfen die EU-Bürger unter Kaiserin Merkel das alles wieder begleichen. Dann ist Italien wieder pleite, und der Bürger muss dank vieler Zusagen zahlen, zahlen und zahlen. Wann werden wir endlich lernen, diese Politiker mit dem Dreschflegel aus dem Amt zu jagen, statt "Die ist so nett und bäckt ihrem Mann immer Streuselkuchen" als Wahlargument zu betrachten?
Creedo! 29.05.2014
5. hm ...
Zitat von sysopAPDie Investoren ignorieren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Italiens - und überschütten den Staat mit frischem Geld zu rekordniedrigen Zinsen. Dabei sind gerade die Unternehmer des Landes skeptisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/italien-verkauft-staatsanleihen-mit-extrem-niedrigen-zinsen-a-972389.html
Wenn der italienische Staat den Bach runter geht, dann zahlt doch der Deutsche. Italien hat doch einen Bürgen mit Tripple-A Rating. Die Geldanlage dorten ist doch total risikolos. So lange es die Cashcow Germania gibt, ist doch Alles sorglos in der EU.
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