Rom - Die Comeback-Pläne des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi scheinen die Finanzmärkte nicht nachhaltig erschüttert zu haben. Nach einer erfolgreichen Auktion am Mittwoch hat sich Italien am Donnerstag weitere Mittel bei Investoren besorgt. Trotz der anhaltenden politischen Turbulenzen gelang es dem Land, zwei Anleihen zu niedrigen Zinsen zu verkaufen.
Mit einer dreijährigen Anleihe sammelte Italien demnach knapp 3,5 Milliarden Euro ein. Die Zinsen gingen gegenüber der letzten Auktion am 14. November von 2,64 auf 2,5 Prozent zurück. Das ist der niedrigste Wert seit Ende Oktober 2010.
Mit der erfolgreichen Versteigerung hat das hoch verschuldete Land nun seinen kompletten Refinanzierungsbedarf für 2012 gedeckt. Im nächsten Jahr muss Italien rund 420 Milliarden Euro am Markt aufnehmen.
Noch zu Wochenbeginn hatte die Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Mario Monti einen Ausverkauf am Anleihemarkt ausgelöst. Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte dem Technokraten-Kabinett des parteilosen Monti das Vertrauen entzogen und ihn einer "deutschen Sparpolitik" zum Nachteil Italiens beschuldigt. Im Februar 2013 kommt es zu vorgezogenen Parlamentswahlen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mahnte Berlusconi in einem Telefongespräch, Italien dürfe den "Pfad der Stabilität und der Reform" nicht verlassen. Berlusconi hat bislang offen gelassen, ob er antreten wird. Die besten Aussichten auf einen Wahlsieg hat allerdings die gemäßigt-linke Demokratische Partei unter ihrem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani. Der spricht sich dafür aus, dass Monti auch nach der Wahl eine Rolle in der politischen Arena spielen sollte. Zugleich bekennt sich Bersani zu den Grundzügen der mit den europäischen Partnern abgesprochenen Reformpolitik, die Haushaltsdisziplin und Sparwillen erfordert: "Bei Disziplin und Glaubwürdigkeit können wir keine Abstriche machen." Monti betonte in Brüssel, die künftige Regierung - welcher Couleur auch immer - werde den europäischen Integrationskurs beibehalten.
Auch die Ratingagentur Moody's glaubt, dass die politische Krise in Italien nur begrenzte Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit des Landes hat. Ein Sieg Bersanis würde voraussichtlich zu einer Fortsetzung von Montis Reformen führen, erklärte Moody's. "Wir erwarten, dass er die reformorientierte Politik-Agenda beibehält."
stk/dpa/Reuters
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