Schuldenkrise Italien muss für Anleihen viel mehr Zinsen zahlen

Italien muss selbst für kurzfristige Kredite inzwischen hohe Zinsen bieten. Die Aufschläge für einjährige Staatspapiere haben sich seit Mitte Mai fast verdoppelt. Die EU-Kommission ist besorgt - und will Euro-Bonds gegen Deutschlands Willen vorantreiben.

Forum Romanum: Druck auf Italien steigt
Corbis

Forum Romanum: Druck auf Italien steigt


Rom - Die Zukunft des Euro entscheidet sich womöglich in Italien: Nach Angaben der US-Bank JP Morgan muss das hochverschuldete Land sich bis 2014 insgesamt 670 Millarden Euro an den Märkten leihen, um alte Schulden zurückzuzahlen. Ein Finanzbedarf, den kein Euro-Rettungsschirm mehr decken kann. Doch das Land nähert sich zusehends einem Bereich, in dem sich die Regierung ihre Schulden nicht mehr selbst finanzieren kann.

Bislang waren vor allem langfristige Staatsanleihen das Problem. Für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren muss der Staat inzwischen mehr als sechs Prozent Zinsen zahlen. Doch nun steigen auch die Zinsen für kurzfristigere Anleihen bedenklich.

Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangten Investoren am Mittwoch Zinsen in Höhe von 3,972 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 11. Mai hatten die Zinsen noch bei 2,34 Prozent gelegen. Sie haben sich also fast verdoppelt. Eine Verschnaufpause hat das Land nicht: Schon am Donnerstag muss sich Italien noch mehr Geld leihen. Dann werden Papiere mit Laufzeiten von bis zu acht Jahren versteigert.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti bemüht sich derzeit um Schadensbegrenzung. Am Dienstag traf er sich mit den Chefs der anderen Parteien im italienischen Parlament. Er habe sich "besorgt über die Alarmsituation" an den Anleihemärkten gezeigt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Und er bat die anderen Parteien um breite Unterstützung für seinen Sparkurs. Gleichzeitig betonte er: Das Land wolle keine Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds.

EU-Kommission will Euro-Bonds gegen Deutschlands Willen vorantreiben

Stattdessen fordert Monti Europa auf, zur Lösung der Schuldenkrise mehr für das Wirtschaftswachstum zu tun. Der EU-Gipfel Ende Juni müsse ein glaubwürdiges Signal für mehr Wachstum senden, sagte Monti am Mittwoch vor dem Parlament in Rom. Dann würden sich Risikoaufschläge bei den Staatsanleihen verringern und die Ansteckungsgefahren abnehmen. Die EU müsse ernsthafte Schritte unternehmen, um öffentliche Investitionen zu stärken, und müsse sich in Richtung der umstrittenen Euro-Bonds bewegen.

Unterstützung für diesen Kurs bekommt Monti von der EU-Kommission. Die will gegen den Widerstand Deutschlands die Einführung von Euro-Bonds vorantreiben. "Wir brauchen eine ernsthafte Diskussion über die Vergemeinschaftung nationaler Schulden in Form von Stabilitätsbonds", sagte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Mittwoch im Europäischen Parlament in Straßburg. Die Euro-Staaten sollten sich auf die Voraussetzungen und einen Zeitplan dazu einigen.

Euro-Bonds sind neben einer Bankenunion und einer Fiskalunion Bausteine des EU-Plans zu einer stärkeren Integration der Euro-Zone, mit dem die Schuldenkrise bekämpft werden soll. Barroso sagte, die Kommission könne im Herbst Gesetzentwürfe zu einer gemeinsamen Bankenaufsicht und Krisenfonds vorschlagen.

Griechenland darf indes auf eine Lockerung seines Sparprogramms hoffen: Laut einem Zeitungsbericht stellen sich EU-Vertreter auf entsprechende Verhandlungen ein - obwohl das Land offenbar schon wieder die Auflagen für seine Reformen verletzt.

ssu/dpa/Reuters

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Seite 1
JohannWolfgangVonGoethe 13.06.2012
1. Zahlmeister
"Die EU-Kommission ist besorgt - und will Euro-Bonds gegen Deutschlands Willen vorantreiben". Ich dachte immer wer zahlt schafft an. Nicht? Wenn wir Deutschen also nur zum bezahlen in der EU sind und sonst nix zu melden haben - wieso bleiben wir dann in diesem, pardon, Scheissverein?
bode1211 13.06.2012
2. Ungeheuerlich
Die einen machen hemmungslos Schulden; die anderen sollen bezahlen, in Form von Euro-Bonds und Lockerung der Sparprogramme. Das ist ungeheuerlich. Eine solche EU war nie angedacht. Der Euro ist tot; die EU aber noch nicht. Die EU braucht den Euro nicht, schafft ihn wieder ab.
Grafsteiner 13.06.2012
3. Europa heute
Eine kriminelle Vereinigung, die sich auf Kosten der deutschen Bürger sanieren will. Weil die Deutschen allmählich die niedrigsten Sozialstandards haben, die höchsten Steuern + Abgaben bezahlen, ist bei denen noch was zu holen. Obwohl sie die Sozialschwachen der anderen EU-Länder schon jahrzehntelang mit durchfüttern.
katerramus 13.06.2012
4. ade, Grundgesetz und Verfassungsgericht....
Zitat von sysopCorbisItalien muss selbst für kurzfristige Kredite inzwischen hohe Zinsen bieten. Die Aufschläge für einjährige Staatspapiere haben sich seit Mitte Mai fast verdoppelt. Die EU-Kommission ist besorgt - und will Euro-Bonds gegen Deutschlands Willen vorantreiben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,838596,00.html
Die ganzen Eurovorschläge sind nicht mehr durch das GG gedeckt, der ESM vermutlich auch nicht (Verfassungsbeschwerde) Die Opposition wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie sich durch irgendwelche Versprechungen (Finanztransaktionssteuer) zur Ratifizierung des ESM und des Fiskalpaktes vor der Sommerpause drängen liesse..... Liebe Wähler von CDU/CSU, was haltet Ihr denn unter diesen Umständen davon ?
kantundco 13.06.2012
5. Eurobonds finde ich gut!
Aber nur wenn Deutschland nicht mitmacht. Deutschland kann dann ja später einsteigen, wenn alles funktioniert und alle Staaten ihre Verpflichtungen erfüllt haben.
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