Bankenkrise Italiens Regierung plant milliardenschweres Rettungspaket

Italiens Staat ist bedrohlich verschuldet - dennoch will sich die Regierung 20 Milliarden Euro leihen, um notleidende Banken zu retten. Noch vor Jahresende könnte das erste Institut Geld brauchen.

Premier Paolo Gentiloni
AP

Premier Paolo Gentiloni


Angesichts der Bankenkrise in Italien will der neue Regierungschef Paolo Gentiloni ein Hilfspaket im Umfang von 20 Milliarden Euro schnüren. "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme", sagte Gentiloni nach einer Kabinettssitzung in Rom. Aus seiner Sicht sei es die Pflicht der Regierung, beim Parlament die Freigabe dieser Mittel zu beantragen, um Ersparnisse der Bürger zu schützen.

Der italienische Bankensektor ist schwer angeschlagen, die Geldhäuser ächzen unter einem Berg fauler Kredite. Besonders kritisch ist die Lage der Bank Monte dei Paschi di Siena. Das drittgrößte Institut des Landes kämpft darum, bis Jahresende neue Aktien im Wert von fünf Milliarden Euro auszugeben - anderenfalls droht die Pleite. Gentiloni hat mehrfach versprochen, der ältesten Bank der Welt notfalls zu helfen.

Am Montag startete der Verkauf von neuen Aktien, der Aktienkurs der Monte dei Paschi fiel um bis zu elf Prozent. Ob der Rettungsplan gelingt, ist ungewisser denn je.

Monte dei Paschi di Siena
DPA

Monte dei Paschi di Siena

Gelingt das Rettungsmanöver nicht, muss die Bank bald um Staatshilfe bitten - obwohl dies mit den Vorgaben der EU nur schwer vereinbar ist. Diese sehen vor, dass zunächst Eigentümer und Gläubiger von Banken zur Kasse gebeten werden, bevor die Steuerzahler einspringen. Das würde auch viele Kleinanleger treffen, die ihre Ersparnisse in diese Papiere gesteckt haben.

Italien hat noch ein weiteres Problem: Der Staat hat selbst kein Geld. Er hat nach den USA und Japan in absoluten Zahlen die dritthöchste öffentliche Verschuldung weltweit. Insgesamt beläuft sich der Schuldenstand auf rund 2,2 Billionen Euro. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt war Italiens Schuldenlast zuletzt mit 135,5 Prozent die zweithöchste in der Eurozone - nach Griechenland.

ssu/AFP/dpa-AFX

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grommeck 20.12.2016
1. Banken retten!
Wieder einmal....was für ein kaputtes System.
freudentanz 20.12.2016
2. Egal, Mehrwertsteuer hoch
Der dumme deutsche Sparer wurde von der EU und EZB schon geschröpft ... hmmm ... wo kommen denn die nächsten Moneten her ? In Form von Extrasteuern vom einzigsten Nettobeitragszahler ? Schäuble und die Linken lieben den Gedanken an eine Mehrwertsteuererhöhnung aber wer die EU toll findet ist das eine Mehrwertsteuererhöhnung von nur sehr wenigen Alternativen. Denn wie Meister Yoda sagte: Bezahlt werden muss!
Phildemos 20.12.2016
3. Wette
Was wollen wir wetten, dass die Politik auch hier wieder EU-Recht brechen oder bis zur Unkenntlichkeit dehnen wird. Unsere Kanzlerin wird keinen Finger krumm machen, dies zu verhindern.
ronald1952 20.12.2016
4. Nicht die Banken,
sondern die Menschen müssen vor den Banken und das was Sie tun gerettet werden. Hat sich doch bei der Bankenrettung eines mit aller Deutlichkeit gezeigt, die Banken machen genauso fröhlich wieter wie zuvor.Wie soll jemand einsehen das Er oder Sie unrecht getan haben, wenn keinen, wenn keine Strafe zu erwarten ist? Es wird immer so weitergehen bis es richtig knallen wird, dann werden wir alle nichts mehr haben dank den Politikern und den Bänkern! schönen Tag noch,
silenced 20.12.2016
5.
Mir erschließt auch nach all den Jahren noch nicht der echte Sinn einer Bankenrettung. Lasst die Bank pleitegehen, wickelt sie ab und fertig. Man redet doch immer von freier Marktwirtschaft und daß der Markt sich selbst reguliert. Firmen gedeihen, Firmen gehen pleite, eine Bank ist auch nur eine Firma. Immer hängen Existenzen daran. Nichts ist wirklich wichtig für das gesamte System. Es gibt vielleicht ein paar Erschütterungen, ein paar Wertverluste, aber es wird jedesmal besser werden nachdem wieder eine "faule" oder "kaputte" Firma vom Markt verschwunden ist.
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