Rumänen und Bulgaren Deutschland profitiert vom Akademiker-Ansturm

Nützen Zuwanderer aus Südosteuropa der deutschen Wirtschaft? Ja, sagt das arbeitgebernahe IW-Institut in einer Studie. 25 Prozent der ankommenden Rumänen und Bulgaren haben demnach einen akademischen Abschluss - mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung.

Warten auf die Abfahrt nach Deutschland: Rumänen am EuroLine-Bus in Bukarest
DPA

Warten auf die Abfahrt nach Deutschland: Rumänen am EuroLine-Bus in Bukarest


Hamburg - Kaum ein Thema wird derzeit kontroverser diskutiert als die Zuwanderung aus den EU-Staaten Rumänien und Bulgarien. Seit Anfang des Jahres dürfen die Bürger aus diesen Ländern vollkommen legal in Deutschland arbeiten. Der Fokus der Debatte lag jedoch vor allem auf der Frage, ob sie Sozialleistungen beanspruchen dürfen.

Nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sollte sie jedoch auf den Aspekt Qualifikation gelenkt werden. In einer aktuellen Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die überwiegende Zahl der Zuwanderer gut ausgebildet ist.

Sie trügen dazu bei, den Fachkräftemangel in Deutschland einzudämmen. Zum Teil seien die Zuzügler sogar besser qualifiziert als die einheimische Bevölkerung. So besitzen laut der IW-Untersuchung knapp 25 Prozent der erwachsenen Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien einen akademischen Abschluss - unter den Zuwanderern insgesamt sind es 29 Prozent, innerhalb der Gesamtbevölkerung hierzulande aber nur 19 Prozent.

Rente mit 69 ohne ausreichende Zuwanderung

Besonders positiv für die Innovationskraft der Bundesrepublik wirke sich aus, dass rund zehn Prozent aller erwachsenen Zuwanderer Hochschulabschlüsse in den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) verfügen. Unter den Rumänen und Bulgaren liege der Anteil der MINT-Qualifizierten bei gut acht Prozent, während es in der Gesamtbevölkerung nur sechs Prozent sind.

Die IW-Untersuchung will belegen, dass Zuwanderung die negativen Effekte des demografischen Wandels abmildern könnte. Durch die neu hinzugekommenen Arbeitskräfte steige die Wirtschaftskraft Deutschlands, was sich wiederum positiv auf die öffentlichen Haushalte und die Kommunen auswirke.

Das IW hat mit einem interaktiven Tool auch simuliert, welche Auswirkungen es hätte, wenn kaum Zuwanderer kämen (Um auf das Tool zu kommen, klicken Sie bitte hier). Bliebe es beispielsweise bei der Rente mit 67, bei einer Teilzeitquote von knapp 25 Prozent und einem Berufseinstiegsalter von 24 Jahren, würden bis zum Jahr 2030 über alle Wirtschaftsbereiche hinweg etwa 2,4 Millionen Fachkräfte fehlen - trotz der Annahme, dass jährlich 100.000 Fachkräfte zuziehen. Erhöhte sich diese Zahl auf 400.000 jährlich, fehlten bis 2030 trotzdem noch etwas mehr als eine Million Fachkräfte. Wollte man diesen Wert mit nur 100.000 Zuzüglern jährlich erreichen, müsste man alternativ das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre erhöhen.

Die IW-Forscher weisen darauf hin, dass Deutschland im Wettbewerb um ausländische Fachkräfte noch Nachholbedarf habe. Es gelte, eine Willkommenskultur zu etablieren. Ferner müssten Zuwanderer bereits in ihren Heimatländern mit Informations- und Qualifikationsangeboten unterstützt werden.

jat



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 258 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 20.01.2014
1. ach was ?
gestern war noch zu lesen, das unsere Akademiker für´n Appel un´ Ei hier arbeiten müssen. Mangels adäquater Verwendungsmöglichkeiten vermutlich. Nun müssen ausländische Akademiker her? Zum Flureputzen? Schwachsinn!
GerhardFeder 20.01.2014
2. Deutschland profitiert?
Zitat von sysopDPANützen Zuwanderer aus Südosteuropa der deutschen Wirtschaft? Ja, sagt das arbeitgebernahe IW-Institut in einer Studie. 25 Prozent der ankommenden Rumänen und Bulgaren haben demnach einen akademischen Abschluss - mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. IW-Studie: Ein Viertel der Rumänen und Bulgaren sind Akademiker - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iw-studie-ein-viertel-der-rumaenen-und-bulgaren-sind-akademiker-a-944110.html)
Wer den Profit einstreicht, das hat SPON doch gerade berichtet: Neue Studie: Hunderttausende Akademiker arbeiten zu Niedriglöhnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/neue-studie-hunderttausende-akademiker-arbeiten-zu-niedrigloehnen-a-944311.html) . Vielleicht wäre ein zweiter Mindestlohn angemessen, für Akademiker, die von den langen Ausbildungszeiten des deutschen Bildungsföderalismus benachteiligt sind.
regensommer 20.01.2014
3.
Hoffentlich fahren sie alle an Bayern vorbei
george.dashwood 20.01.2014
4. Tatsachenverdrehung
Zitat von sysopDPANützen Zuwanderer aus Südosteuropa der deutschen Wirtschaft? Ja, sagt das arbeitgebernahe IW-Institut in einer Studie. 25 Prozent der ankommenden Rumänen und Bulgaren haben demnach einen akademischen Abschluss - mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. IW-Studie: Ein Viertel der Rumänen und Bulgaren sind Akademiker - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iw-studie-ein-viertel-der-rumaenen-und-bulgaren-sind-akademiker-a-944110.html)
Erstmal werden die Deutschen mal wieder als ungebildet hingestellt und dann wird so getan als ob hier Akademikermangel herrsche. Dabei sind viele Akademiker hier in unterqualifizierten Tätigkeiten beschäftigt oder mussten das Land verlassen um nicht arbeitslos zu sein. Daher ist diese Eloge auf die Zuwanderung aus Osteuropa eine Tatsachenverdrehung sondergleichen. Offensichtlich soll das nun das Volk ruhiggeschrieben werden. Aber die Diskrepanz zwischen der Propagenda und der Realität ist zu groß. Da wird man wohl größere Geschütze auffahren müssen um die Menschen ruhigzustellen.
01099 20.01.2014
5.
Zitat von sysopDPANützen Zuwanderer aus Südosteuropa der deutschen Wirtschaft? Ja, sagt das arbeitgebernahe IW-Institut in einer Studie. 25 Prozent der ankommenden Rumänen und Bulgaren haben demnach einen akademischen Abschluss - mehr als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. IW-Studie: Ein Viertel der Rumänen und Bulgaren sind Akademiker - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iw-studie-ein-viertel-der-rumaenen-und-bulgaren-sind-akademiker-a-944110.html)
Genau wie gut ausgebildete Deutsche anderen Ländern nutzen. So ist das nun mal. Aber vielleicht verbreitet hier das "arbeitgebernahe IW-Institut" auch gezielt die Unwahrheit, um mehr ausländische Arbeitnehmer abzulocken, die dann wenig Lohn beziehen und die Preise für Arbeit niedrig halten.
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