Mögliche Milliardenkosten für Deutschland IWF befürwortet EU-"Schlechtwetterfonds"

Mit einem Fonds soll die EU Wirtschaftskrisen vorbeugen. So lautet ein Vorschlag des IWF. Mitgliedstaaten sollen abhängig vom BIP in den Topf einzahlen. Deutschland würde das Milliarden kosten.

Christine Lagarde, Chefin des internationalen Währungsfonds (IWF)
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Christine Lagarde, Chefin des internationalen Währungsfonds (IWF)


Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, macht sich zur Stabilisierung der Eurozone für einen milliardenschweren "Schlechtwetterfonds" stark. Jedes Euroland solle pro Jahr 0,35 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) dort einzahlen, sagte sie. Für relativ geringe Kosten könnte damit die Gefahr unkontrollierbarer Verwerfungen um mehr als 50 Prozent reduziert werden.

Für Deutschland wären das bei zuletzt rund 3,26 Billionen Euro BIP rund 11,4 Milliarden Euro pro Jahr - bei zehn Jahren dann rund 114 Milliarden Euro. Zwar sei das Wachstum mit erwarteten 2,2 Prozent für die Eurozone im fünften Jahr stabil, sagte Lagarde. "Aber da sind andere starke Gegenwinde. Denken Sie an den Aufstieg des Populismus und die ertönenden Sirenen des Protektionismus."

Der IWF-Vorschlag für einen neuen Krisenfonds und eine bessere finanz- und steuerpolitische Zusammenarbeit sieht vor, dass der Fonds mit jährlichen Beiträgen - jenen 0,35 Prozent des BIP - finanziert wird, "um Rücklagen in guten Zeiten aufzubauen und Unterstützungstransfers für bestimmte Länder in schlechten Zeiten leisten zu können".

Top-Ökonomen forderten anderes Modell

Die Idee an sich ist nicht neu, wohl aber das konkrete Volumen. Im Januar hatten europäische Top-Ökonomen in einem gemeinsamen Papier unter anderem ebenfalls einen Schlechtwetterfonds für die Eurozone gefordert. Anders als bei dem Vorschlag des IWF sollten bei diesem Entwurf die Beiträge der Länder, die den Fonds stärker beanspruchen, vergleichsweise höher sein. Somit würde einem permanenten Transfer entgegengewirkt.

Lagarde erinnerte indes an Krisen wie den Zusammenbruch mehrerer Banken 2008 und die folgende Schaffung von Finanz-Stabilisierungsfonds in der EU wie den ESM. Sie betonte, Vorsorge sei immer günstiger.

Daher unterstütze sie zudem auch die Idee einer verbesserten Bankenunion in Europa mit klaren Regeln, um Zusammenbrüchen und Fehlmanagement besser vorzubeugen. Zuletzt hatte der Europäische Rechnungshof die zentrale Bankenaufsicht unter Leitung der Europäischen Zentralbank für den Mangel an objektiven Kriterien kritisiert.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 38 Beiträge
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BaMargera 26.03.2018
1. Der Vorschlag ist eine Frechheit sondergleichen
Ganz toll, Frau Lagarde! Deutschland soll sich an einer Versicherung beteiligen, bei der der Schadensfall bei Vertragsabschluss bereits eingetreten ist. Die europäischen Banken haben insgesamt über 1 Billion Euro an faulen Krediten in den Büchern, davon ca. 360 Milliarden alleine aus Italien. Die Einlage bei diesem Fonds sowie die Zusage zu einer vollständigen europäischen Bankenunion (bei der die deutschen Sparer mit ihren Einlagen für Schieflagen bei ausländischen Instituten mithaften) kann jemand, der noch bei Verstand ist, nur dann eingehen, wenn zuvor in den Ländern nationale Kraftanstrengungen zur Reduzierung der faulen Schulden unternommen worden sind. Ich sehe nicht ein, warum Schulden eines Landes in der EU sozialisiert werden sollen, wenn sich die jeweilige nationale Regierung vor den unpopulären aber leider notwendigen Maßnahmen ihm Rahmen einer nationalen Teillösung drückt.
tinnytim 26.03.2018
2.
Ein permanenter Transfer muss in der Tat unterbunden werden. Die EU tut gut daran, das bisherige Monitoringmodell zu Stichprobenprojekten, die durch EU-Gelder gefördert werden fortzusetzen, bzw auszubauen. Grundsätzlich finde ich einen europäischen Investitionsfonds für schlechte Zeiten aber eine gute Idee. So kann die EU wirtschaftsschwache Zeiten durch gezielte Investitionen überbrücken, ohne dass negative Konsequenzen allzu sehr durchschlagen.
Zukunft3.0 26.03.2018
3.
Frankreich muss ja wohl so schlecht dran sein, dass Frau Lagarde diesen Vorschlag unterbreitet. Der Dt. Steuerzahler leistet schon genug für die EU. Auch nicht zu vergessen, die Flüchtlinge, die hier versorgt werden müssen, was uns min. 20 Mrd. im Jahr kostet. Man solle sich genau überlegen, ob man Deutschland weiter auspressen will wie eine Zitrone. Wenn Dtschl. strauchelt, fällt ganz Europa.
zorngibel 26.03.2018
4.
Wir sollen sozusagen Geld auf die hohe Kante legen, damit die Banken noch leichtsinniger und unkontrollierter Schaden anrichten können. Wunderbar. Jetzt weiß ich wieder, wofür es sich zu arbeiten lohnt.
tanzindenmai 26.03.2018
5. das wettrennen
um die schönste verpackungsverblendung um den zugriff auf deutsche steuergelder hat fahrt aufgenommen. merkel und scholz werden uns alsbald verkaufen, daß man solchen guten vorschlägen folgen muß, da deutsche hochleistungsprodukte, die die welt gerne haben möchte und kauft ja (leider) zu überschüssen führt und man den guten kunden weltweit doch helfen muß. den naheliegenden gedanken der marktwirtschaft, daß sich leistung lohnen darf, haut man dafür in die tonne. unserem weg in den internationalen sozialismus hält diese regierung nicht auf sondern verkauft uns das als "alternativlos".
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