Krise der Banken: IWF warnt Europa vor instabilem Finanzsektor

Zentrale der angeschlagenen Bankia in Madrid: "Entschlossene Anstrengungen notwendig" Zur Großansicht
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Zentrale der angeschlagenen Bankia in Madrid: "Entschlossene Anstrengungen notwendig"

Der Internationale Währungsfonds richtet deutliche Worte an Europas Bankenretter: Die EU müsse mehr für die Stabilität des Finanzsektors unternehmen, die Geldhäuser seien weiterhin anfällig für Krisen. Bislang bremst dabei vor allem die Bundesregierung.

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnt Europa zu größeren Anstrengungen bei der Stabilisierung des Finanzsystems. Zwar habe die EU deutliche Fortschritte gemacht und viel erreicht. Sie müsse aber noch mehr unternehmen, denn es gebe nach wie vor Probleme in der Euro-Zone, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten IWF-Studie. "Finanzstabilität ist noch nicht gesichert", warnt der Währungsfonds. Vor allem mangele es an einem effektiven europäischen Überwachungsmechanismus.

Der IWF hatte die EU bereits in der Vergangenheit zu mehr Engagement in der Bankenkrise gedrängt. Besondere Brisanz erhält die aktuelle Warnung dadurch, dass es sich bei der nun vorgelegten Studie nach Angaben des IWF um die erste umfassende Einschätzung der Organisation über Gesundheit und Krisenanfälligkeit des EU-Finanzsektors handelt.

"Es ist viel erreicht worden, um der Finanzkrise in Europa zu begegnen, aber es bestehen weiter Anfälligkeiten, und entschlossene Anstrengungen auf breiter Front sind notwendig", heißt es darin. Eindringlich fordert der IWF weitere Fortschritte in Richtung eines einheitlichen Kontrollmechanismus für den europäischen Finanzsektor. "Ein solcher Fortschritt ist entscheidend, um Finanzstabilität und ein laufendes Krisenmanagement in der Euro-Zone zu verankern."

Vehement spricht sich der IWF für eine schnelle Umsetzung der Bankenunion in der EU aus. Für die europäischen Banken müssten starke Kapitalpuffer garantiert und entsprechende Angabepflichten gestärkt werden, fordert die Organisation. Zwar müssten die nationalen Behörden die Qualität der Kapitalanlagen prüfen, dies müsse aber von EU-Behörden zentral koordiniert werden.

IWF fordert, was die Bundesregierung ablehnt

Ausdrücklich machen die Experten des IWF die Effektivität der Bankenunion davon abhängig, dass auch ein gemeinsames europäisches Einlagensicherungssystem etabliert werde - genau in diesem Punkt tritt allerdings Deutschland seit Monaten auf die Bremse. Eine gemeinsame Bankenaufsicht in der EU ist zwar bereits beschlossen. Sie soll bei der EZB angesiedelt sein und Anfang 2014 an den Start gehen. Doch alles, was in Richtung gemeinsamer europäischer Haftung für Banken geht, ist der Bundesregierung suspekt.

So beharrt sie etwa darauf, dass zunächst die jeweiligen Nationalstaaten für strauchelnde Banken einspringen, bevor der europäische Rettungsfonds ESM den Instituten frisches Kapital zuschießt. Exakt dies kritisiert der IWF in der Studie allerdings. Die Verbindung zwischen Staatsfinanzen und Banken habe für große Probleme in einigen europäischen Staaten gesorgt.

Offensichtlich mit Blick auf säumige Krisenländer heißt es in der Studie weiter, es müsse gewährt werden, dass EU-Entscheidungen in den jeweiligen Mitgliedsländern auch tatsächlich umgesetzt werden. "Eine rasche Verabschiedung und Umsetzung der verschiedenen EU-Richtlinien ist notwendig", heißt es. Aber auch die diversen übernationalen Organisationen und Behörden müssten stärker als bisher zusammenarbeiten.

fdi/stk/dpa-AFX

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insgesamt 109 Beiträge
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    Seite 1    
1. Einfach super...
doc 123 15.03.2013
Zitat von sysopDer Internationale Währungsfonds richtet deutliche Worte an Europas Bankenretter: Die EU müsse mehr für die Stabilität des Finanzsektors unternehmen, die Geldhäuser seien weiterhin anfällig für Krisen. Bislang bremst dabei vor allem die Bundesregierung. IWF fordert EU auf, mehr für Finanzstabilität zu tun - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-fordert-eu-auf-mehr-fuer-finanzstabilitaet-zu-tun-a-889195.html)
... dieser IWF mit seiner hochbezahlten Bürokratie, dem die Absurdität des mafiösen Finanzmarktes doch einmal tatsächlich auffällt und diese tatsächlich auch noch beanstandet.... :-). Meine Wenigkeit und zahreichste weitere Foristen weisen hier seit Jahren vollständig kostenfrei auf diesen Umstand hin und das trotzdem man aus eher fachfremden Gebieten kommt und nicht gerade Betriebswirtschaft oder Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Um diesem geradezu absurden Gesockse beizukommen reicht ganz sicherlich jedenfalls auch der gesunde Menschenverstand aus... Politiker aller Farben sind hier eh vollständig sicher ausgenommen, denn die gehören aus medizinischer Sicht allenfalls in psychiatrische Behandlung, so dämlich kann man sich als normaler und einigermaßen gesunder Mensch einfach nicht anstellen! Ausgenommen ist hier dabei explizit Frau Merkel, deren eigentlich er Auftrag es ist, Deutschland und seiner Bevölkerung maximalst zu schaden und vollständig ungebremst in den Abgrund zu führen!
2. Zeit zum Widerstand
jürgenjoost 15.03.2013
Wieder einmal gilt es entschiedenen Widerstand gegen die Begehrlichkeiten zu leisten. Selbstverständlich läge eine Bankenunion mit übergreifender Haftung im Interesse des IWF sowie der Südlander. Genauso selbstverständlich liegt es nicht im Interesse Deutschlands und der deutschen Bankkunden. Die Regierungskoalition wird aber nur dann hart bleiben, wenn ihr ein massiver Verlust an Macht und Mandaten droht. Der Widerstand muss von uns Bürgern ausgehen, damit wir nicht zur Manövriermasse von Bankenrettungsprogrammen werden. Zum Glück gibt es ja neuerdings eine politische Alternative.
3. Bankenunion
ton.reg 15.03.2013
Die Bankenunion ist wahrscheinlich keine Brandmauer um Krisen der überschuldeten Banken in Spanien (die Abschreibungen über Immobilien laufen erst an) usw. abzuwehren, sondern eine Brandrinne, welche die Krise auf alle Eurostaaten übertragen wird. Ohne Abschottungsregeln wird das nicht funktionieren, aber dann bräuchten wir keine Bankenunion. Auf den deutschen Einlagensicherungsfonds sollte nicht spekuliert werden. Den haben die Sparer sich durch entspr. Zinsabschläge bereits selbst verdient.
4. Aha! Diegemeinsame Bankenhaftung soll her !
peritrast 15.03.2013
Klarer Fall: Über die gemeinsame Bankenhaftung sollen deutsche Sparkassen auch für zypriotische Rotlicht- und Schwarzgeldbankenverluste direkt zahlen. Ohne ESM, ohne Bundestagsbeschluss und ohne grosses Aufsehen. Hier stehen 1 Billion Euro Risiken locker im Raum. Und die deutschen Medien berichten in aller Bierruhe darüber ...
5. die krise kann nicht wegadministriert werden
micromiller 15.03.2013
die ursache der krise ist der versuch unterschiedlich produktive einheiten mit dem gleichen ergebnis zu belohnen, dass ist alternativlos falsch .. es hilft jedoch ..die alternative fuer deutschland...
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