Athen - Griechenland braucht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zusätzliche Milliardenhilfen seiner europäischen Partner. Ansonsten bekommt es sein Schuldenproblem bis 2016 nicht unter Kontrolle. Nach ersten Prognosen gebe es 2015/2016 eine Lücke von bis zu 9,5 Milliarden Euro, sagte Poul Thomsen, Chef der IWF-Mission in Griechenland, am Freitag.
Es ist das erste Mal, dass der IWF Angaben zum Finanzierungsbedarf über 2014 hinaus macht. Die Europäische Kommission hatte die Lücke im Dezember mit 5,6 Milliarden Euro angegeben. Brüssel habe aber bereits signalisiert, dass es Griechenland weiter unterstützen wolle, sagte Thomsen.
Der IWF-Verwaltungsrat hatte am Mittwoch der Auszahlung einer weiteren Kredittranche von 3,2 Milliarden Euro zugestimmt. Die Summe war mehrere Monate lang eingefroren gewesen. Der Währungsfonds hatte daran gezweifelt, dass die Maßnahmen der griechischen Regierung zum Abbau der enormen Staatsverschuldung wirksam sein könnten.
Die Freigabe sei nun nur erfolgt, weil die europäischen Partner versichert hätten, das Geld zur Verfügung zu stellen, welches Griechenland künftig brauche, sagte Thomsen. Der IWF drängt die Europäische Union seit längerem, mehr zu tun, um die griechische Schuldenkrise zu lösen.
Erst Ende dieser Woche wurde bekannt, dass ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlaments prüft, ob die Immunität des früheren griechischen Finanzminister Giorgios Papakonstantinous wegen eines Steuersünder-Skandals aufgehoben werden soll. Der Politiker wird verdächtigt, Namen eigener Verwandter von einer Liste mutmaßlicher Steuerflüchtlinge in der Schweiz gestrichen haben zu lassen. Der frühere sozialistische Minister bestreitet die Vorwürfe.
Als Reaktion auf die strengen Sparmaßnahmen, die Griechenland einhalten muss, rufen die Gewerkschaften des Landes massiv zu Streiks auf. Mittlerweile brechen die Proteste alle Rekorde. Ganze Internetseiten sind der Frage gewidmet, wo gerade mal wieder gestreikt wird.
Griechenlands Gewerkschaftsführer sehen sich als letzte Instanz gegen immer neue Einschnitte, mit denen die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF das Land in die Knie zwinge wolle.
kha/Reuters/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH