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Flüchtlingskrise: IWF hält gelockerten Sparkurs in Griechenland für möglich

Können Griechenlands Haushaltsziele wegen der Flüchtlingskrise gelockert werden? Der Chefökonom des IWF sieht kurzfristig Spielräume, beharrt jedoch auf Reformen und einem von den Europäern ungeliebten Schuldenschnitt.

IWF-Chefökonom Obstfeld Zur Großansicht
Getty Images/IMF

IWF-Chefökonom Obstfeld

Wegen zusätzlicher Belastungen durch die Flüchtlingskrise könnten nach Ansicht des IWF-Chefökonomen Maurice Obstfeld die Sparforderungen an Griechenland vorübergehend gelockert werden. "Kurzfristig kann es wegen der Flüchtlingskrise sicher etwas Flexibilität bei den Haushaltszielen geben", sagte Obstfeld in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Dennoch blieben der Sparkurs und Strukturreformen in Griechenland unerlässlich. "Der Flüchtlingsstrom wird nicht ewig anhalten; die griechischen Staatsfinanzen dagegen sind ein langfristiges Problem."

In den nächsten Tagen soll die Überprüfung der griechischen Reformfortschritte durch die Europäische Zentralbank (EZB), die EU-Kommission und den Internationalen Währungsfonds (IWF) fortgesetzt werden. Von einem positiven Befund hängen weitere Milliardenzahlungen aus dem aktuellen Griechenland-Hilfsprogramm ab.

Obstfelds Äußerungen zeigen, dass es dabei weiterhin einen grundsätzlichen Konflikt zwischen dem IWF und den europäischen Geldgebern gibt: Neben Reformen fordert der Währungsfonds weitere Schuldenerleichterungen für Griechenland durch die Euro-Partner. Davon macht der IWF abhängig, ob er sich an dem neuen Hilfsprogramm finanziell beteiligt. Ein Schuldenerlass sei "genauso unerlässlich" wie Einsparungen und Strukturreformen sagte Obstfeld dem "Handelsblatt".

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte einen Schuldenschnitt kürzlich erneut abgelehnt. Er verwies darauf, dass Griechenland von seinen Euro-Partnern momentan ohnehin weitgehend von Schulden und Tilgungen auf Hilfskredite befreit sei. Wenn das Land weitere Einschnitte bei den Renten politisch nicht durchsetzen könne, müsse nach Ersatzmaßnahmen gesucht werden, um die Einsparziele zu erreichen. Obstfeld sagte, angesichts der hohen Kosten des griechischen Rentensystems sei schwer zu erkennen, wie das Land um eine weitere Reform herumkomme solle.

"Teuer ist billig, und billig ist teuer"

Obstfeld sprach auch über andere Aspekte der Euro-Rettung, darunter die Idee einer europäischen Einlagensicherung. "Ich weiß: Die Deutschen hassen diese Idee", so der Ökonom über die grenzüberschreitende Haftung, durch die Sparguthaben künftig in der gesamten Eurozone auf gleichem Niveau garantiert werden sollen. Die Einlagensicherung habe sich jedoch bei der Verminderung von Krisenrisiken als sehr wirksam und damit letztlich günstig erweisen.

"Teuer ist billig, und billig ist teuer", zitierte der US-Ökonom mit deutschen Wurzeln ein Sprichwort, das er von seiner Mutter gelernt habe. "Daran muss ich oft denken, wenn ich sehe, wie Europa sich zentimeterweise auf notwendige Reformen zubewegt - oft die teuerste Art."

dab/Reuters/dpa

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