Zögerliche Reformen IWF warnt Japan vor Vertrauensverlust

Der Internationale Währungsfonds kritisiert die japanische Wirtschaftspolitik. Der Regierung von Ministerpräsident Abe mangele es an konkreten Ideen, heißt es im Jahresbericht des IWF. Das Land drohe das Vertrauen der Anleger zu verlieren.

Japans Regierungschef Abe: IWF kritisiert Reformkurs
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Japans Regierungschef Abe: IWF kritisiert Reformkurs


Tokio - Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert Japan auf, seine Wirtschaft stärker zu reformieren. Zwar habe sich der Konjunkturausblick dank der aggressiven Lockerung der Geldpolitik für die nächste Zeit aufgehellt. Doch mangele es den bislang nur grob skizzierten Wachstums- und Fiskalplänen der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe an konkreten Maßnahmen und zeitlichen Vorgaben. "Unvollständiger Fortschritt bei Fiskal- und Strukturreformen könnte das Vertrauen belasten und den Erfolg des neuen politischen Rahmenwerks untergraben", heißt es in einem Jahresbericht zur Lage in Japan.

Unsicherheit bezüglich des Ehrgeizes bei Fiskal- und Strukturreformen führe zu erhöhten Risiken für Japan, beklagte der IWF. Zwar habe die Bank von Japan mit ihrer Lockerung der Geldpolitik die Führung beim Kampf gegen die jahrelange Deflation übernommen. Doch bedürfe es angesichts der gigantischen Staatsverschuldung Japans "so schnell wie möglich" eines mittelfristigen Fiskalplans, so der IWF. Die geplante Anhebung der Verbrauchssteuer in zwei Schritten von fünf auf zehn Prozent sei hierzu nur ein "erster Schritt". Die Regierung müsse konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Schuldenbelastung zu senken.

An den Märkten drohe sonst der Eindruck zu entstehen, die Käufe von Staatsanleihen durch die Bank von Japan dienten allein zur Monetarisierung der Staatsschulden. Dies könne die "inländische und globale Finanzstabilität untergraben" und zu einem Abfluss von Kapital führen mit negativen Folgen nicht nur für die Erholung Japans, sondern auch für seine Handelspartner in der gesamten Region, warnte der IWF. Als Folge der beispiellosen Lockerung der Geldpolitik durch die Bank von Japan und der schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme der Regierung zur Überwindung der jahrelangen Deflation erwartet der IWF in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum in Japan von zwei Prozent, gefolgt von einem Wachstum von 1,2 Prozent im kommenden Jahr.

Bisherige Reformen "nur erste Schritte"

Die beiden Maßnahmen sind Teil der "Abenomics" genannten Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe. Sie hatten dazu geführt, dass der Yen stark abwertete, wovon Japans Exportindustrie profitiert. Zudem legte die Börse stark zu. Als "dritten Pfeil" seiner Politik hat Abe Reformen zugesagt. Diese müssten jedoch "konkret und umfassend" sein, mahnte der IWF. Die Teilnahme an Verhandlungen für ein asiatisch-pazifisches Freihandelsabkommen sowie die geplante Anhebung der Beschäftigung unter Frauen seien nur erste Schritte.

Um dauerhaftes Wachstum zu erreichen, bedürfe es unter anderem auch einer Deregulierung des abgeschotteten Agrarmarkts und im Dienstleistungssektor, mehr Risikokapital für Unternehmen, einer Reform des Arbeitsmarktes sowie einer Lockerung der Einwanderungsbeschränkungen. Als Folge der rapiden Überalterung der Bevölkerung drohe in manchen Bereichen ein Arbeitskräftemangel.

Umfassende Reformen könnte die gegenwärtige Unterbewertung der Währung mit der Zeit beenden, wovon die ganze Weltwirtschaft profitieren würde, so der IWF. "Ein Scheitern bei der Umsetzung von Fiskal- und Strukturreformen könnte jedoch zu einer übermäßigen Abhängigkeit von der Geldpolitik führen mit negativen Konsequenzen für Japan und die globale Wirtschaft", warnt der Währungsfonds.

cte/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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Lurchfreund 05.08.2013
1. Iwf?
Wenn der IWF Japan kritisiert, sind die Japaner auf einem guten Weg. Einfach weiter so handeln und bald blüht die Wirtschaft. Gibt kaum ein Land, dass mit dem IWF gute Erfahrungen gemacht hätte. Ganz im Gegenteil scheinen die Länder zu prosperieren, die sich nicht um den IWF und seine Empfehlungen scheren.
Lupus39 05.08.2013
2. Egal
Japan kann das egal sein - ein Großteil der Investoren von japanischen Staatsanleihen sitzen im Inland, und die interessieren sich für das Geschwätz des IWFs nicht.
willi.mueller.1919 05.08.2013
3. Lächerlich
Da kann ich meinem Mitzkommentatoren "lupus39" nur beipflichten. Der IWF hat keine Ahnung und die Finanzlobby ärgert sich nur dumm und doof weil sie bei der Verschuldungsrate Japans nicht das Geschäft ihres Lebens machen können.
Taixinomee 05.08.2013
4. Fehler widerholt sich
Wie soll bitte eine Finanzpolitik den Durchbruch bringen, die vor allem jene Strategien in verstärkter Form weiterführt, die in den letzten 20 Jahren auch nicht geholfen haben. Andererseits war der jetzige Regierungschef früher auch schon Regierungschef und genauso unfähig. Immerhin sind die Japaner konsequent.
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