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IWF-Schätzung: Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden

Die erste Zahl ist raus: Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass Spanien mindestens 40 Milliarden braucht, um seine Banken zu stützen - allerdings könnte auch das Doppelte fällig werden. Für den Nachmittag haben sich die Euro-Finanzminister zu einer Telefonkonferenz verabredet.

Caixa-Zentrale in Barcelona: Mindestens 40 Milliarden Euro für spanische Banken Zur Großansicht
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Caixa-Zentrale in Barcelona: Mindestens 40 Milliarden Euro für spanische Banken

Washington - Spanien hat mit einer massiven Bankenkrise zu kämpfen - das Land wehrt sich aber bisher dagegen, unter den europäischen Rettungsschirm EFSF zu schlüpfen. Jetzt hat der Internationale Währungsfonds (IWF) ausgerechnet, dass die spanischen Banken mindestens weitere 40 Milliarden Euro benötigen, um in der aktuellen wirtschaftlichen Lage überleben zu können. In dem IWF-Stresstest sind allerdings keine zusätzlichen Kapitalanforderungen enthalten, die als Puffer für Umstrukturierungskosten und faule Kredite empfohlen werden.

Wie der IWF am Freitagabend mitteilte, wäre der Kapitalbedarf für eine erfolgreiche Rekapitalisierung der Banken, die einen - von den Experten empfohlenen - zusätzlichen Puffer einschließt, bis zu doppelt so groß. Nur dann wären die Märkte zu überzeugen, dass Spanien weitere Schocks im Finanzsystem sicher abfedern könne.

Demnach würde sich die gesamte Kapitalmenge, die zur Stabilisierung des spanischen Bankensystems nötig ist, auf bis zu 80 Milliarden Euro addieren. Der IWF gab in seiner Bewertung des spanischen Finanzsektors aber keine konkrete Zahl für den insgesamt benötigten Kapitalbedarf der spanischen Banken an.

Wirtschaftsweiser plädiert für direkte Bankenhilfen

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte unterdessen davor, Spanien mit Hilfe des EFSF beizustehen. "Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen", sagte Bofinger der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. "Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren."

Bofinger plädierte für direkte Hilfe an die Banken. "Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers", sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euro-Raums in eine Schieflage bringen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Probleme der spanischen Banken dagegen als lösbar. Spanien habe ein ganz spezifisches Problem mit den Banken, die nach dem Zusammenbrechen des Immobilienbooms in einer schwierigen Phase seien, sagte der Minister der "Passauer Neuen Presse": "Aber das lässt sich Schritt für Schritt lösen."

Rating-Agentur Moody's droht mit Herabstufung

Nach Wochen, in denen Spanien an den Finanzmärkten immer mehr Vertrauen verlor, wird damit gerechnet, dass das Land schon am Wochenende beim Euro-Rettungsschirm EFSF um Milliardenhilfen zur Stabilisierung seiner Banken bitten wird. Einzelheiten wollen die Euro-Finanzminister am Samstagnachmittag in einer Telefonkonferenz besprechen.

Auch der frühere deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) plädiert dafür, dass Spanien den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nimmt. Mit den Finanzmitteln solle das Land dann "seinen Bankensektor restrukturieren", sagte der als SPD-Kanzlerkandidat gehandelte Bundestagsabgeordnete dem "Focus". Die Forderung der spanischen Regierung nach einer direkten Hilfszahlung aus dem Rettungsfonds ESM an ihren notleidenden Finanzsektor lehnte Steinbrück dagegen ab: "Die verabredete Spielregel lautet, dass der ESM Banken nicht direkt - also ohne Auflagen gegenüber dem Sitzland - rekapitalisieren darf."

Mit Blick auf die anhaltenden Probleme in der Euro-Zone hat die US-Rating-Agentur Moody's damit gedroht, die Kreditwürdigkeit weiterer Länder herabzustufen - auch Deutschland wäre betroffen. Sollten die Euro-Länder Finanzhilfen für Spanien bewilligen, stiegen die Risiken für die Gläubiger des Landes, teilte Moody's mit. Im schlimmsten Fall könnten auch die "AAA"-Länder Deutschland, Österreich, Frankreich, Finnland, Luxemburg und die Niederlande ihre Bestnoten verlieren. Für den Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone austrete, warnte die US-Rating-Agentur, müsse die Kreditwürdigkeit aller Euro-Staaten neu bewertet werden.

nck/Reuters/dpa/afp

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insgesamt 408 Beiträge
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1. HRE war teurer
paretooptimal 09.06.2012
Die Rettung der Hypo Real Estate hat uns mehr gekostet.
2. Mit dem Euro...
ak-73 09.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie erste Zahl ist raus: Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass Spanien mindestens 40 Milliarden braucht, um seine Banken zu stützen - allerdings könnte auch das Doppelte fällig werden. Die Rating-Agentur Moody's droht unterdessen auch Deutschland die Bonitätsnote "AAA" zu entziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,837868,00.html
...haben wir uns an ökonomische Versagerländer gekettet. Wir brauchen stattdessen Verbündete, die wissen wie man wirtschaftet. Alex
3. Die deutsche Bonität wird Not leiden.
wibo2 09.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie erste Zahl ist raus: Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass Spanien mindestens 40 Milliarden braucht, um seine Banken zu stützen - allerdings könnte auch das Doppelte fällig werden. Die Rating-Agentur Moody's droht unterdessen auch Deutschland die Bonitätsnote "AAA" zu entziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,837868,00.html
Deutsche Banken sind in Spanien sehr stark engagiert. Mit mehreren hundert Milliarden Euro. Deshalb retten wir uns einmal mehr selbst, wenn wir spanische Banken retten.
4. Euro nur als Zweitwährung
whitemouse 09.06.2012
Es müsste Zeit für die Politiker sein, endlich einzusehen, dass ihr Euro-Projekt gescheitert ist. Den Euro kann man als Zweitwährung behalten, aber die nationalen Währungen müssen wieder her.
5. Steigerung von Korrupt
lichtderaufrechten 09.06.2012
Korrupt-> Grüne , SPD ,CDU/CSU,FDP->Korruptesten Liebe Foristen , wollt ihr die totale Bankenrettung? Ob EFSF oder ESM , beide werden das Geld direkt in marode Privatbanken , Geschäfts - banken stecken . Anbei werden dann noch 68 Posten im ESM geschaffen mit dicken Boni für Niebel und co. Übrigens , die europäische Entwicklungsbank wird schon von einem lobotomierten FDP - Penner geleitet !
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.
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