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Weltweites Wirtschaftswachstum: IWF senkt zum vierten Mal Prognose

Düstere Aussichten für die Weltkonjunktur: Schon zum vierten Mal in diesem Jahr hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose für die globale Wirtschaft zurückgefahren. Sollte die Haushaltskrise in den USA noch länger dauern, droht eine weitere Verschlechterung der Lage.

Hamburger Hafen: Dämpfer für die globale Konjunktur Zur Großansicht
REUTERS

Hamburger Hafen: Dämpfer für die globale Konjunktur

Washington - Die Weltwirtschaft wird nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) von gravierenden Zukunftssorgen ausgebremst. Die hohe Arbeitslosigkeit in Europa, Ungewissheit über die Folgen einer strengeren US-Geldpolitik und schwächelnde Schwellen- und Entwicklungsländer gehörten zu den wesentlichen Wachstumshemmern, berichtete der IWF am Dienstag in Washington. Die Institution senkte als Konsequenz zum vierten Mal innerhalb dieses Jahres ihre Konjunkturprognose.

In diesem Jahr steigt das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach nur noch um 2,9 Prozent, heißt es in dem neuen Weltwirtschaftsausblick des internationalen Krisenhelfers. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als zuletzt erwartet wurde. Auch 2014 werde das Wachstum mit 3,6 Prozent geringer ausfallen. Im Juli hatte der Währungsfonds noch mit 3,8 Prozent gerechnet. In früheren Prognosen waren die Werte noch höher gewesen.

Besonders Schwellen- und Entwicklungsländer wie Indien, Mexiko oder Russland, aber auch China und Brasilien wachsen langsamer als erwartet. Vor allem wahrscheinliche Ausstieg der US-Notenbank Fed aus der ultralockeren Geldpolitik macht den Schwellen- und Entwicklungsländern zu schaffen. Wenn die Zinsen in den USA stiegen, dürften die Investoren ihr Kapital aus den aufstrebenden Staaten abziehen - weil sie es wieder gewinnbringend in den USA anlegen können.

Die Prognose für die Euro-Zone revidierten die IWF-Ökonomen dagegen sogar leicht zum Positiven. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr werde nur 0,4 Prozent betragen, heißt es in dem Bericht. Bislang hatte der IWF ein Minus von 0,6 Prozent vorhergesagt. 2014 kehre die Eurozone mit einem Plus von 1,0 Prozent in den Wachstumsbereich zurück - bislang lag die Prognose bei 0,9 Prozent.

Sorgen um USA

Auch für Deutschland fällt die Schätzung ein wenig besser aus: Dieses Jahr erwartet der IWF ein um 0,5 Prozent höheres BIP (bislang plus 0,3 Prozent). 2014 soll die Bundesrepublik um 1,4 Prozent zulegen, statt wie bislang prognostiziert um 1,3 Prozent.

Sorgenvoll blickt der Währungsfonds auf die USA. Dort schaffe die Erholung der privaten Nachfrage, des Immobilienmarktes und des Finanzsektors zwar gute Voraussetzungen für Wachstum. Aber massive Einsparungen im Staatsetat schwächen die Konjunktur. Der IWF reduzierte seine Prognose daher auf 1,6 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 2,6 Prozent im kommenden.

Sollte der Stillstand der Verwaltung (Government Shutdown) länger andauern, könnte sich die Prognose sogar noch weiter verdüstern, warnte der IWF. Werde die Schuldengrenze des Landes nicht rechtzeitig erhöht, "könnte das der Weltwirtschaft ernsthaft schaden".

ssu/dpa-AFX/Reuters

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1.
marthaimschnee 08.10.2013
Also auf der einen Seite wächst die Wirtschaft praktisch nicht mehr, auf der anderen Seite werden die Reichsten explosionsartig reicher. Nein, da gibt es bestimmt keinen Zusammenhang!
2. optional
Mark_Fallas 08.10.2013
Eigentlich könnten sie auch ein Wetterfähnchen aufstellen, die prognostitierten Zahlen sind in etwa so genau wie die 3 Kommastelle hinter den Temperaturen des täglichen Wetterberichts. Trendangaben krigt man leichter per Unternehmensumfragen raus. Was für ein überflüssiger haufen diese IWF Analysten.
3. Wäre
liborum 08.10.2013
Wäre lesen aus dem Kaffeesatz nicht auch eine sinnvolle und dazu viel preiswertere Methode?
4. Expertenprognosen des IWF
Absurdistan-Veteran 09.10.2013
Die Wachstumsprognosen des IWF müssen offensichtlich immer wieder nach unten revidiert werden. Betrachtet man folgenden Chart, drängt sich einem der Begriff "Gesundbeterei" förmlich auf. Hilarious Charts Of The Day: IMF's "Growth Forecasts" Over Time | Zero Hedge (http://www.zerohedge.com/news/2013-10-08/hilarious-charts-day-imfs-growth-forecasts-over-time)
5. In Norddeutschland ist der Hirte der Volksmediziner & Gesundbeter des Volkes ...
wibo2 09.10.2013
Zitat von Absurdistan-VeteranDie Wachstumsprognosen des IWF müssen offensichtlich immer wieder nach unten revidiert werden. Betrachtet man folgenden Chart, drängt sich einem der Begriff "Gesundbeterei" förmlich auf. Hilarious Charts Of The Day: IMF's "Growth Forecasts" Over Time | Zero Hedge (http://www.zerohedge.com/news/2013-10-08/hilarious-charts-day-imfs-growth-forecasts-over-time)
Was hat man von dem Volksglauben und der Volksmedizin zu halten? . Das bleibt jedem selbst überlassen. In den USA ist der IWF derweil unbestritten der alternativlose und systemrelevante Gesundbeter der Weltwirtschaft. Wenn auch der weltweite Warenverkehr stets ansteigt, so ist doch als Folge der neoliberalen Ideologie die Kaufkraft des gemeinen Volkes weltweit im Sinkflug. Mit Ausnahme von China, wo die Kräfte des Humanismus wohl stärker sind als die Profit-Gier der Reichen und Banker sowie als die Korruption der Verwaltungsbeamten. siehe File:Volume of world merchandise exports.png - Wikimedia Commons (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Volume_of_world_merchandise_exports.png)
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.

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Der IWF: Struktur des Währungsfonds

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