Konjunktur Währungsfonds senkt Prognose für deutsche Wirtschaft

Die Probleme der Autoindustrie belasten die Wirtschaft hierzulande: Der IWF hat vor dem Treffen der Wirtschaftselite in Davos seine Wachstumsvorhersage für 2019 von 1,9 auf 1,3 Prozent gesenkt.

Für den Export bestimmte VW-Autos im Hafen von Bremerhaven (Archiv)
AFP

Für den Export bestimmte VW-Autos im Hafen von Bremerhaven (Archiv)


Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit "abschwächendem globalen Wachstum": Angesichts ungelöster Handelskonflikte und eines drohenden ungeregelten Brexits hat der Fonds seine Wachstumsprognose erneut nach unten korrigiert.

2019 werde die weltweite Wirtschaftsleistung nur noch um 3,5 Prozent steigen, heißt es in der Fortschreibung des Weltwirtschaftsberichtes des IWF, die zum Auftakt der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt wurde. Dort treffen sich ab Dienstag rund 3000 Teilnehmer aus der Politik- und Wirtschaftselite, um über Herausforderungen und Entwicklungen der globalen Konjunktur zu diskutieren.

Für die deutsche Wirtschaft wurde die Vorhersage für das laufende Jahr von 1,9 auf 1,3 Prozent gesenkt, während für 2020 nach wie vor 1,6 Prozent erwartet werden. Bereits im Oktober hatte der IWF seine Wachstumsprognose für die Wirtschaft der Bundesrepublik nach unten korrigiert.

Deutschland schlechter als die USA

"Produktionsschwierigkeiten in der Autoindustrie und eine geringere externe Nachfrage belasten das Wachstum 2019", hieß es dazu. Hinzu kämen die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens und eine Haushaltsschieflage in Italien, die die Konjunktur in Europa gefährden könnten.

"Eine Eskalation von Handelskonflikten über die bisher bereits in der Prognose berücksichtigten hinaus bleibt eine der wesentlichen Risikoquellen für den Ausblick", schreibt der IWF. Aber auch in der Eurozone wird die Stimmung schlechter. In Deutschland habe auch die Diskussion um Dieselfahrverbote das Wirtschaftsklima abgeschwächt.

Für die USA werden für 2019 weiter 2,5 Prozent Wachstum prognostiziert, während es 2020 nur noch 1,8 Prozent sein sollen. "Die Expansion in den USA hält an, aber die Prognose geht von einer Abschwächung nach dem Auslaufen der fiskalischen Anreize aus", erklärte der Fonds. 2018 dürfte die weltgrößte Volkswirtschaft nicht zuletzt wegen der Impulse durch die Steuerreform noch um 2,9 Prozent zugelegt haben. Zu den Gefahren für die amerikanische Konjunktur zählt der IWF einen länger anhaltenden Haushaltsstreit, durch den Hunderttausende Staatsbedienstete derzeit kein Geld erhalten.

Schiffe im Hamburger Hafen (Archiv)
DPA

Schiffe im Hamburger Hafen (Archiv)

Für China sagt der IWF für 2019 und für 2020 ein Plus von 6,2 Prozent voraus. 2018 war das Wachstum mit 6,6 Prozent so gering ausgefallen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr. "Chinas Wachstumsverlangsamung könnte stärker ausfallen als erwartet, besonders wenn die Handelsspannungen anhalten." Die USA und China haben sich im vergangenen Jahr gegenseitig mit Strafzöllen überzogen und suchen nach einem Ausweg aus dem Konflikt.

Plädoyer für Freihandel und Kooperation

Der IWF mahnte zur internationalen Zusammenarbeit. Der Spielraum der Länder für Gegenmaßnahmen im Falle eines deutlichen weltweiten Abschwungs sei geringer als vor der Finanzkrise 2008. "Multilaterale Kooperation wird daher wichtiger."

"Die hauptsächliche politische Priorität für alle Staaten ist nun, ihre Handelsstreitigkeiten und die daraus resultierende politische Unsicherheit gemeinsam und schnell zu lösen, statt schädliche Barrieren hochzuziehen und eine sich bereits abschwächende Weltwirtschaft weiter zu destabilisieren", heißt es in dem Bericht des IWF. Unter anderem rief der IWF angesichts eines weltweiten Rekordhochs an Schulden und steigender Zinsen auch dazu auf, die finanziellen Puffer zu vergrößern.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
panzerknacker 51 21.01.2019
1. Das ...
liegt eindeutig am US-Shutdown.
MtSchiara 21.01.2019
2. Die Planwirtschaft der Merkel-Politik belastet die Autoindustrie
Der Spiegel schreibt immer "Die Probleme der Autoindustrie", wenn der tatsächliche Verursacher der Probleme die Politik ist. Aus den Erfahrungen mit DDR 1.0 wissen wir bereits, daß dieses Land sich mit Mauern und Selbstschußanlagen vor der harten Konkurrenz westlicher Länder schützen mußte, weil es nicht konkurrenzfähig war. Merkel und Linksgrün sind gerade dabei, ihre Erfahrungen aus der Jugend zum Aufbau einer neuen sozialistischen Heimat alias DDR 2.0 einzubringen - und fahren damit unsere Wirtschaft erneut an die Wand. Das Problem der Autoindustrie ist das Problem der Autoindustrie mit der planwirtschaftlichen Politik von Merkel und Co.. Erst wenn das letzte Kraftwerk abgeschaltet und die letzte Firma geschlossen ist, werden wir begreifen, daß dann kein Strom mehr aus der Steckdose kommt und daß man sich dann mit dem Geld aus dem Automaten nichts mehr kaufen kann.
phantasierender... 21.01.2019
3. Na und ?
Wir sind doch selbst schuld wenn wir uns vom Export so abhängig machen. Wer bitteschön soll den daran schuld haben außer wir selbst. Das hat nichts mit den handelszöllen / Showdown / brexit oder sonst was Zutun. Das ist die Ernte unseres wirtschaftlichen erfolgs der letzten Jahrzehnte. Das ist auch garnicht schlimm, aber es ist schlimm oder besser gesagt dumm wenn man die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkennt und umschwenkt. Siehe elektromobilität oder Digitalisierung
katapultoffel 21.01.2019
4. Puh,
Zitat von panzerknacker 51liegt eindeutig am US-Shutdown.
glück gehabt. Ich dachte schon es läge an Putin, der AFD, dem Brexit oder Ostdeutschland im allgemeinen.
m_zimmer 21.01.2019
5. ... und damit es weiter in Kasse klingelt :
... alle Diesel raus und bitte neue Mogelmobile kaufen.
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