Euro-Krise IWF warnt Irland vor schnellem Rettungsschirm-Ausstieg

67,5 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm hat Irland erhalten, das Land hat die Krise weitestgehend überstanden und will ab Dezember auf Hilfsgelder verzichten. Jetzt warnt der IWF vor einem abrupten Ausstieg Irlands aus dem Programm.

IWF-Vizechef David Lipton: "Rettungsprogramm Schritt für Schritt verlassen"
REUTERS

IWF-Vizechef David Lipton: "Rettungsprogramm Schritt für Schritt verlassen"


Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt Irland davor, den Euro-Rettungsschirm ohne Sicherheitsnetz zu verlassen. "Wir würden es vorziehen, dass Irland das laufende Rettungsprogramm Schritt für Schritt verlässt", sagte der IWF-Vizechef David Lipton der Tageszeitung "Die Welt". Zwar habe Irland alles getan, um die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren, die Troika der internationalen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF sollte Irland aber mit vorsorglichen Maßnahmen zur Seite stehen.

Lipton habe dabei kein zweites Rettungspaket im Sinn. "Aber wir wünschen uns ein Paket, das Geld für den Notfall zur Verfügung stellt - auch wenn wir davon ausgehen, dass der Notfall nicht eintritt."

Irland hatte Mitte Oktober angekündigt, als erstes der von den Euro-Rettungsfonds gestützten Krisenländer von Mitte Dezember an ohne neue Hilfskredite auszukommen und den Rettungsschirm von EU und IWF verlassen zu wollen.

Ministerpräsident Enda Kenny hatte dabei versichert, die wirtschaftliche Notstandssituation sei vorüber - und das Land auch künftig nicht mehr unter den Rettungsschirm zurückkehren wolle. Die Ankündigung Kennys bedeutet, dass Irland ab dem 15. Dezember wieder selbst Schulden an den Kapitalmärkten aufnehmen wird.

Vorbeugende Kreditlinie möglich

IWF-Vize Lipton räumte ein, dass sich die Lage am Kapitalmarkt für Dublin so weit normalisiert habe, dass Irland weitaus weniger für frisches Geld zahlen müsse als Italien, Spanien oder Portugal. Aber niemandem sei geholfen, wenn eine neue Situation entstehe, in der Irland wieder um Hilfen bitten müsse - "möglicherweise aus Gründen, für die Irland selbst nichts kann". Es sei gut, einen Rettungsring zumindest in der Nähe zu haben, den man im Notfall greifen könne, sagte Lipton.

Mit einer Kreditlinie könnte laut Experten der Übergang zu einer vollen Finanzierung an den Märkten erleichtert werden. Mit Blick auf diese vorbeugende Maßnahme hatte EU-Währungskommissar Olli Rehn allerdings schon Mitte Oktober gesagt, das dies eine Möglichkeit sei: "Deshalb wurden vorbeugende Kreditlinien geschaffen." Auch Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte, dass alle Optionen offen seien und im November thematisiert würden.

Bisher laufen noch in Griechenland, Portugal und Zypern Unterstützungsprogramme von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) zur Finanzierung der Staatsschulden. Spanien erhielt Kredite zur Stützung des Bankensektors. Seit 2010 hat Irland 67,5 Milliarden Euro an Krediten erhalten, zum Jahresende wäre das Programm regulär ausgelaufen.

sun/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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mathildesch. 02.11.2013
1. Ein IWF
Ein IWF, der bis vor wenigen Tagen zugestandenermaßen illegitim von der U/NSA ausspioniert wurde, ist keine Autorität, auf die die Irländer hören müssten - stünde nicht das US-Militär dahinter.
bumminrum 02.11.2013
2. Urlaub in Irland
wäre jedem Politer zu empfehlen, um die dortigen Strukturen zu sehen und die Summe von über60
wibo2 03.11.2013
3. Hat Irland die Krise tatsächlich schon überstanden?
Wenn aber die Notenbanken weltweit ihr Gelddrucken wegen steigender Inflation reduzieren müssten, dann würde Irland vorhersehbar wegen der dann steigendem Zinsen wieder große Schwierigkeiten mit seiner Refinanzierung über die Kapitalmärkte bekommen. Im schlechtesten Fall sei die Schuldenlast nicht schon erst in einigen Jahren untragbar. Eine Refinanzierung über die Kapitalmärkte könne bald erneut wieder für Irland untragbar werden. Eine baldige Rückkehr unter den Rettungsschirm erscheine deshalb - im ungünstigen Fall - als sehr wahrscheinlich. Diese Warnung des IWF zeigt außerdem, dass der IWF möglicherweise bald aus der Troika aussteigen wolle und könne. siehe Die große Irland-Erfolgsshow | Telepolis (http://www.heise.de/tp/artikel/40/40185/2.html)
provinzialer 03.11.2013
4. leider muss man wohl dem IWF Recht ...
geben, denn der EUR Zone braucht dringend eine Erfolgsmeldung. Nun ja, hier eine, aus meiner Sicht realistische Analyse über den Zustand in Irland ... http://www.heise.de/tp/artikel/40/40185/1.html ... hier kommen die anderen EUR Problemstaaten gleich mit vor
systemmirror 03.11.2013
5. Natürlich
Zitat von sysopREUTERS67,5 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm hat Irland erhalten, das Land hat die Krise weitestgehend überstanden und will ab Dezember auf Hilfsgelder verzichten. Jetzt warnt der IWF vor einem abrupten Ausstieg Irlands aus dem Programm. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-warnt-irland-vor-schnellem-ausstieg-aus-euro-rettungsschirm-a-931467.html
soll Irland weiterhin an deutschen und französischen Bankenrettungen beteiligt werden. Schließlich hat man den Iren nur deswegen Zwangskredite auferlegt. Zu diesen Banken gehören u.a. die Deutsche Bank und Volksbanken, die angeblich nie etwas mit diesen Machenschaften zu tun hatten. Die Iren wären blöd genug dieses Spiel weiter mitzumachen.
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