Stabilitätsbericht IWF warnt vor abrupten Turbulenzen an den Finanzmärkten

Der IWF hat wegen zunehmender Risiken vor "abrupten Einbrüchen" an den Weltbörsen gewarnt. Regierungen sollten deshalb die Regulierung der Finanzmärkte nicht wieder lockern.

Bankenviertel in London
REUTERS

Bankenviertel in London


Der Internationale Währungsfonds (IWF) nährt die Furcht vor Turbulenzen an den Finanzmärkten. Eine Eskalation der Handelskonflikte und wachsende geopolitische Risiken könnten zu abrupten Einbrüchen führen, heißt es im Finanzstabilitätsbericht, der bei der IWF-Jahrestagung in Bali veröffentlicht wurde.

Wegen dieser Risiken könnten sich für Unternehmen und Staaten die Finanzierungsbedingungen verschlechtern. Aktuell schieben die günstigen Finanzierungskonditionen für Unternehmen und Verbraucher die Weltwirtschaft noch an. Das gelte aber für eine Reihe von Schwellenländern schon nicht mehr, so der IWF. Als Folge gebe es weltweit moderate Belastungen für die Finanzstabilität. Auf mittlere Sicht könnten die Risiken noch zunehmen.

Laut IWF ist für die Börsen vor allem die Normalisierung der Geldpolitik entscheidend. In den USA und Großbritannien steigen die Zinsen bereits wieder, in der Eurozone dürfte die EZB nach dem Sommer 2019 aktiv werden. Das kann dem IWF zufolge Schwachstellen aufdecken, die zuletzt von den niedrigen Zinsen kaschiert wurden.

Die Bilanzen der Banken hätten sich zwar verbessert. Es blieben aber Schwächen, etwa im Euroraum, China, Japan und Großbritannien. Der Fonds forderte die Politik auf, ihre Bemühungen zu verstärken, um das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen.

"Regulierung der Finanzmärkte nicht zurückfahren"

Der IWF warnte deshalb Regierungen in aller Welt davor, die nach der Finanzkrise gestraffte Regulierung der Finanzmärkte wieder zu lockern. Die Märkte und Finanzinstitute seien zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise stärker als zuvor, sagte Tobias Adrian, Direktor für Geld- und Kapitalmärkte beim IWF. In Ländern wie den USA hatte es zuletzt Bestrebungen gegeben, den Finanzmarktakteuren wieder mehr Spielräume zu lassen.

Allerdings seien neue Risiken hinzugekommen, etwa extrem hohe Immobilienpreise in Weltstädten wie London oder New York. "Kurzfristige Risiken haben sich vergrößert und mittelfristige Risiken bleiben erhöht", sagte Adrian.

Der IWF-Direktor rief die Entwicklungs- und Schwellenländer dazu auf, finanzielle Puffer gegen aufkommende Risiken zu bilden. Das größte seien der starke Dollar und die schnell anziehenden Zinsen in den USA, die zu Kapitalabflüssen aus Schwellenländern führen könnten.

Ein großes Problem auch für Industrieländer sei der hohe Schuldenstand, vor allem außerhalb des Bankensektors. "Das Niveau an Schulden, die Haushalte, Unternehmen und Staaten halten, ist hoch, und es steigt weiter." Gemeinsam wiesen 29 Länder mit großen Finanzsektoren einen Schuldenstand von 250 Prozent ihres zusammengerechneten Bruttoinlandsproduktes auf.

Der IWF hatte bereits am Vortag seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Im Vergleich zu seiner Vorhersage aus dem April erwartet der IWF für die Jahre 2018 und 2019 nun nur noch ein Wachstum von 3,7 Prozent statt 3,9 Prozent.

hej/Reuters/dpa



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th.diebels 10.10.2018
1. IWF und EZB
dürfen und werden wohl auch weiterhin (ungestraft) mit anderer Leute Geld "verspielen" dürfen ! Für mich sind diese Institutionen nichts weiter als "Monopoly-Spieler" anzusehen !
Quercus pubescens 10.10.2018
2. Das weltweit grösste Sorgenkind des IWF
wird in 10-15 Jahren Deutschland sein, denn dann beginnen die Zeitbomben der Merkelschen Chaospolitik zu explodieren. Deutachland hat bereits durch träge und innovationsfeindliche Politik den Weltanschluss verloren, und die überbordenden Kosten der naiven Flüchtlingspolitik werden die öffentlichen Haushalte implodieren lassen, da die Arbeitslosenquote in die Höhe schnellen wird. Dass diese absehbaren Trends auch von den Medien kaschiert werden, hat Paralellen mit autoritären Regimen à la Türkei. Good luck , ihr naiven deutschen Träumer.
Koana 10.10.2018
3. Geld kann man nicht .....
essen und wer so blöd ist, Geld zu brauchen um essen zu können, der soll weiter hetzten, sich seinen Lohn zugewiesen zu bekommen. Armut ist in der Tat relativ, ich hab keinen Groschen, doch ich fühl mich reich, vor allem, solange nicht alle Böden verseucht sind, werde ich niemals hungern müssen.
De facto 10.10.2018
4. Regulierung
Die beste Regulierung ist die Banken mit genug Kapital zu bestücken. Hier hat der Aufseher - schon wieder - versagt. Nach der Krise in 2008 wollte man alles besser machen aber ausgerechnet an den wichtigsten Punkt hat man kläglich versagt. Eine Eigenkapital Quote von ca. 8 - 10% ist viel zu wenig, es müsste mindestens 30% sein und eher 50%. Nur so können wir den Steuerzahler schützen.
hefe21 10.10.2018
5. Schatten an der Wand
"Ein großes Problem auch für Industrieländer sei der hohe Schuldenstand, vor allem außerhalb des Bankensektors. "Das Niveau an Schulden, die Haushalte, Unternehmen und Staaten halten, ist hoch und es steigt weiter." Echt, meinetwegen den Schattenbankensektor eingerechnet, wo "außerhalb" könnten die Genannten ihre Schulden halten? "Die Bilanzen der Banken hätten sich zwar verbessert. Es blieben aber Schwächen, etwa im Euro-Raum, China, Japan und Großbritannien. Der Fonds forderte die Politik auf, ihre Bemühungen zu verstärken, um das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen." Is es die Möglichkeit, da sind also "Schwächen" geblieben. Wieviel Brainstorming mag wohl in dieser Binse stecken? Die Aufforderung an die Staaten "ihre Bemühungen zu verstärken, um das Finanzsystem widerstandsfähiger zu machen." sind natürlich heldenhafter Natur. Bloss haben die ja gewöhnlich eher das Interesse, das Finanzsystem hochtourig fahren zu lassen - denn je höher die Drehzahl, umso mehr fällt für den steuermonopolausgestatteten Staat für sich ab. Aber es möchte sich heutzutage wohl keiner mehr dem späteren Verdacht aussetzen, er hätte vor dem Crash, Finanzkrise etc. nicht gewarnt. Blöd nur, wenn das aber eh schon alle blöken, dann wird aus dem Wolfs- doch nur Schafsgeheul.
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