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Schwaches Wachstum: IWF warnt vor neuer Weltwirtschaftskrise

Baustelle in Nordrhein-Westfalen: IWF rät Deutschland zu Investitionen Zur Großansicht
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Baustelle in Nordrhein-Westfalen: IWF rät Deutschland zu Investitionen

Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum gekappt - und warnt vor einer neuen globalen Krise. Auch für Deutschland sieht der Fonds die Zukunft trüber und rät zum Geldausgeben.

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor der Gefahr einer neuen globalen Wirtschaftskrise. Die Risiken für die Weltkonjunktur seien in den vergangenen Monaten wieder größer geworden, teilte der IWF am Dienstag mit. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr korrigierte der Fonds im neuen Weltwirtschaftsausblick erneut nach unten.

Statt wie im April mit 3,7 Prozent rechnet er für dieses Jahr nun nur noch mit 3,3 Prozent Wachstum der Weltwirtschaft. Im Jahr 2015 soll sie mit 3,8 Prozent wieder etwas stärker wachsen, allerdings liegt auch dieser Wert unter der Prognose aus dem April. Damit musste der Fonds zum wiederholten Male in Folge seine Erwartungen reduzieren.

Auch die Schätzung für das Wachstum in Deutschland fällt erheblich skeptischer aus als bisher. Der Fonds rechnet nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,4 Prozent und im nächsten Jahr von 1,5 Prozent - das ist für 2014 eine Absenkung um einen halben Prozentpunkt und für 2015 um 0,2 Prozentpunkte.

Für die trüberen Aussichten nennt der Bericht folgende Hauptgründe:

  • In der Eurozone bestehe die Gefahr einer Stagnation statt des erhofften Aufschwungs nach der jahrelangen Wirtschaftskrise. In diesem Jahr werde der gemeinsame Währungsraum um 0,8 Prozent und im kommenden Jahr mit 1,3 Prozent wachsen. Beide Werte wurden deutlich gesenkt.
  • Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine oder in Nahost könnten weit über die betroffenen Gebiete hinaus ökonomischen Schaden anrichten, etwa durch steigende Energiepreise.
  • Riskant sei zudem eine mögliche Überhitzung der Finanzmärkte. Die hohen derzeitigen Börsenkurse würden nicht die Zerbrechlichkeit der wirtschaftlichen Erholung widerspiegeln.
  • Vor allem in großen Volkswirtschaften werde trotz niedriger Zinsen zu wenig investiert und zu wenig für die Nachfrage getan.
  • Zudem gebe es in zahlreichen Nationen den dringenden Bedarf an Strukturreformen. Die Spätfolgen der großen Rezession vor rund sechs Jahren seien hartnäckiger als bislang gedacht.

Einzig die USA stehen dem IWF zufolge künftig auf der ökonomischen Sonnenseite. Für sie rechnet er in diesem Jahr mit einer um 2,2 Prozent höheren Wirtschaftsleistung, ein halber Prozentpunkt mehr als im Juli vorausgesagt. Im kommenden Jahr dürfte sich der Zuwachs noch auf 3,1 Prozent steigern.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, China, werde in diesem Jahr mit 7,4 Prozent und im kommenden Jahr 7,1 Prozent wachsen, sagt der Fonds voraus. Das sind zwar an sich für chinesische Verhältnisse keine sehr guten Wachstumsraten - immerhin musste der IWF seine Prognose aber nicht senken. Auch Indien habe sich nach einer Schwächephase wieder gefangen.

Deutschland solle vor allem mehr Geld ausgeben, um gegen die Wachstumsschwäche vorzugehen, raten die IWF-Volkswirte, etwa durch öffentliche Investitionen in Infrastruktur, vor allem für die Instandhaltung und Modernisierung. Die Bundesrepublik habe seinen Staatshaushalt saniert und könne sich solche Ausgaben leisten, ohne Defizitvorschriften des Stabilitätspakts zu verletzen, schreiben die Experten.

Teuerung bis 2019 unter Zielmarke

In der Eurozone senkte der Fonds außer für Deutschland vor allem die Prognosen für Italien und Frankreich. Die spanische Wirtschaft sieht er dagegen auf einem stabilen Weg.

Die gegenwärtig sehr niedrige Teuerungsrate in der Eurozone von 0,3 Prozent sehen die IWF-Experten für die kommenden Jahre quasi als Normalzustand: Der Europäischen Zentralbank (EZB) werde es wohl bis mindestens 2019 nicht gelingen, ihr Preissteigerungsziel von knapp unter zwei Prozent zu erreichen. Sollten die Inflationserwartungen weiter fallen, dann sollte die EZB ihre Geldpolitik noch weiter lockern, raten die IWF-Ökonomen.

Große Schwierigkeiten sieht der IWF wegen der Sanktionen in der Ukraine-Krise für die russische Wirtschaft. Der einstige Wachstumsmotor Brasilien kämpfe ebenfalls mit einer noch schwächeren Konjunktur als zuletzt erwartet.

fdi/dpa/Reuters

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insgesamt 94 Beiträge
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1. Ach iwo
pennywise 07.10.2014
Merkel macht die Alternativlos Raute und alles wird gut
2.
kdshp 07.10.2014
Geldausgeben! Sorry hahahaha das können unsere reichen und schönen doch garnicht denn deren gier besteht darin das geld zu horten. Na ja wenns knallt werden die meisten alles davon verlieren das ist wie mit dem boot und gold da.
3. Keine gute Idee?
SanchosPanza 07.10.2014
Vielleicht waren ja die westlichen Sanktionen gegen Russland auch keine so gute und vor allem nicht konjunkturfördernde Idee? Jetzt müssen wir die Supp' halt auslöffeln, die wir uns selbst eingebrockt haben.
4. Schwaches Wachstum ?
RogerRabit1962 07.10.2014
Schwaches Wachstum ist ein Euphemismus für das, was sich gerade in der Investitionsgüterindustrie abspielt. Da die prozyklischen Branchen immer traditionell die Wirtschaftsentwicklung vorwegnehmen, haben wir entsprechend reagiert. Die Ruhe, die momentan an den Märkten ist, erinnert fatal an 2009. Eigentlich logisch. Die Probleme sind ja nur verschoben, und nicht gelöst worden. Grosse Teile der Weltwirtschaft fallen aktuell in eine synchronisierte Rezession, dies haben wir der Geldmengenexpansion zu verdanken. Wen es interessiert, möge Berichte der BIS lesen. Ich befürchte, dass das Wenige sind.
5.
RioTokio 07.10.2014
IWF Chefin ist Frau Lagarde - ehem. französ. Wirtschaftsministerin. Das Frankreich von uns mehr Geldausgeben, also höhere Neuverschuldung, höhere Löhne, mehr Infrastrukturprojekte, mehr Subventionen fordert ist ja bekannt. Wenn wir Schulden machen dürfen die auch. Wenn unsere Produkte teurer und unsere Industrie weniger wettbewerbsfähig ist, ist es für Frankreich von Vorteil. So die Logik....
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Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.

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