Weltwirtschaft IWF warnt vor zunehmenden Risiken

Der Internationale Währungsfonds sieht die Weltwirtschaft in einem weiterhin kräftigen Aufschwung. Das liegt zum Teil an Maßnahmen von US-Präsident Trump. Gleichzeitig warnt das Institut vor Risiken.

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Ungeachtet eines weiterhin starken weltweiten Wirtschaftswachstums warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor erheblichen Risiken für die globale Konjunktur. "Die im Moment guten Zeiten werden nicht lange halten", sagte der IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld in Washington. Der gegenwärtige Handelsstreit, vor allem zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China, sei ein großes Risiko und könne Wachstum früher als nötig abwürgen.

In dem in Washington veröffentlichten Bericht sagt das Institut für dieses und das kommende Jahr ein globales Wachstum von jeweils 3,9 Prozent voraus. Allerdings steht die Prognose unter dem Vorbehalt, dass sich die Handelsstreitigkeiten nicht weiter verschärfen. In diesem Fall sieht der IWF deutliche Risiken für die globale Konjunktur.

Derzeit profitiert die Weltwirtschaft dem Konjunkturbericht zufolge vor allem von dem Schub durch die Steuerreform in den USA. Diese aktuelle Dynamik veranlasste das Institut, seine günstige Konjunkturprognose für 2018 und 2019 aus einem früheren Bericht vom Januar unverändert zu lassen. Allerdings werde der stimulierende Effekt der US-Steuerreform im kommenden Jahr auslaufen, erwartet der Währungsfonds.

Rückgang von Investitionen befürchtet

Schon kurzfristiger sieht der IWF die Gefahr, dass die Handelsstreitigkeiten das Marktvertrauen schwächen und zu einem Rückgang der Investitionen führen. Dass große Volkswirtschaften "in einer Zeit der breiten wirtschaftlichen Expansion mit einem Handelskrieg flirten, mag absurd erscheinen - besonders wenn die Expansion so stark auf Investitionen und Handel angewiesen ist", sagte Obstfeld.

Die US-Regierung hatte im März Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängt. Davon ließ sie dann allerdings die EU und andere Partner vorläufig bis zum 1. Mai ausnehmen, um Zeit für Verhandlungen zu geben. Parallel überzogen sich Washington und Peking mit gegenseitigen Ankündigungen von Strafzöllen auf zahlreiche Produkte.

Allerdings gab es zuletzt auch zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt Signale der Entspannung. US-Präsident Donald Trump begrüßte vor einigen Tagen die Ankündigung des chinesischen Staatschefs Xi Jinping, die Wirtschaft seines Landes stärker zu öffnen.

Prognose für Deutschland heraufgesetzt

Nicht nur wegen einer möglichen Zunahme des Protektionismus sieht der IWF jedoch auf längere Sicht zunehmende Risiken für die Weltwirtschaft. Besonders an Industriestaaten wie Deutschland richtet das Institut die Warnung, dass sie über 2019 hinaus nicht mit einer Fortdauer des robusten Aufschwungs rechnen könnten. Die mittelfristigen Perspektiven dieser Länder beschreibt der IWF als "gedämpft".

Zu den zentralen Problemen der Industriestaaten zählt der IWF die Zunahme des Altersdurchschnitts und das damit verbundene Absinken des Anteils der arbeitenden Bevölkerung. Der neuen Bundesregierung empfiehlt er deshalb, die gestiegenen Steuereinnahmen unter anderem in die Kinderbetreuung und die Ausbildung von Flüchtlingen zu investieren. Ein verstärkter Zugang von Frauen und Ausländern zum Arbeitsmarkt könne das Wachstum stärken.

Für das laufende Jahr setzte der IWF seine Konjunkturprognose für Deutschland allerdings nach oben. Er sagt eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,5 Prozent voraus; seine Prognose vom Januar schraubte er damit um 0,2 Punkte hinauf. Die Vorhersage für das deutsche Wachstum im kommenden Jahr 2019 beließ das Institut unverändert bei 2,0 Prozent.

Auch für die die USA setzte der IWF seine Prognose für 2018 hinauf, um 0,2 Punkte auf 2,9 Prozent. 2019 erwartet das Institut dort ein Wachstum von 2,7 Prozent - ebenfalls 0,2 Punkte mehr als noch im Januar vorhergesagt. Mittelfristig erwartet der Fonds allerdings, dass sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten deutlich abschwächt, auf etwa 2,3 Prozent.

brt/AFP/dpa

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