Chinas Aufstieg IWF wertet Yuan zur fünften Weltwährung auf

US-Dollar, britisches Pfund, Euro, japanischer Yen - und der Yuan: Der IWF hat das chinesische Geld zur Weltwährung ab Herbst 2016 aufgewertet. Was genau bedeutet das?

Dollar und Yuan: Fünfte Weltreservewährung
REUTERS

Dollar und Yuan: Fünfte Weltreservewährung


Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den chinesischen Yuan als fünfte Währung in den Weltwährungskorb aufgenommen. Der Yuan - auch als Renminbi bekannt - spielt damit ab Oktober 2016 in einer Liga mit dem US-Dollar, dem britischen Pfund, dem Euro und dem japanischen Yen. Die Aufnahme hat zunächst nur Symbolwert. Der Handel muss in den folgenden Jahren zeigen, ob der Schritt auch tatsächlich nachhaltig ist. Die wichtigsten Fragen zur Aufnahme in den Währungskorb des IWF und die jeweiligen Antworten:

Was bedeutet die Aufnahme des Yuan konkret?

Mit der Entscheidung des IWF-Exekutivrats wird der Yuan die fünfte Weltreservewährung. Alle zusammen bilden - gewichtet nach der Bedeutung der jeweiligen Währung in der Weltwirtschaft - eine Art Kunstwährung, das sogenannten Sonderziehungsrecht (SZR). Es wird an keiner Börse gehandelt, dient dem Währungsfonds aber als Berechnungsgrundlage, etwa für internationale Finanzhilfen. Bei der Gewichtung geht die Aufnahme des Yuan zulasten der anderen vier Währungen, vermutlich vor allem auf Kosten des japanischen Yen.

Wird es Veränderungen an den Finanzmärkten geben?

Vorerst nicht. Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollars sehen. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es jedenfalls nicht schnell passieren. Die Aufnahme des Yuan ist zwar verkündet worden, tritt aber erst im Oktober 2016 in Kraft. Die Märkte haben nun lange Zeit, sich darauf einzustellen. Schon jetzt buhlen internationale Finanzmärkte darum, Handelszentrum für den Yuan zu werden, etwa London und Frankfurt. In der Londoner City gehören Chinesischkurse schon seit geraumer Zeit zu den am meisten nachgefragten Angeboten im Fremdsprachenunterricht.

Wie will China den Yuan zur Weltwährung machen?

Ähnlich wie im globalen Handel verfolgt China auch auf den Finanzmärkten das Ziel, den USA ihre Vormachtstellung streitig zu machen. Den Aufbau des Yuan zu einem ernstzunehmenden Dollar-Konkurrenten treibt Peking deshalb schon seit Jahren generalstabsmäßig voran. Seit 2009 hat die Volksrepublik mehr als 30 sogenannte Swap-Abkommen mit Nationen vor allem in Asien und Afrika geschlossen, mit denen sie nun ihren Handel direkt in den Landeswährungen abwickeln kann.

Wie wichtig ist der Yuan bereits für den Zahlungsverkehr?

In den vergangenen Jahren hat die Währung eine rasante Aufholjagd hingelegt: Im August 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft er es auf Platz vier der international am meisten gehandelten Währungen, noch vor dem japanischen Yen. Im Vergleich zum Top-Trio ist der Yuan allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent der internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt - gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

Was fehlt dem Yuan noch für den großen Durchbruch?

Damit der Yuan tatsächlich eines Tages auf Augenhöhe mit dem US-Dollar stünde, sind in China noch viele Reformen notwendig. Genau wie der Dollar und der Euro muss auch der Yuan völlig frei handelbar sein. Das ist bisher nur bedingt der Fall. Wie sehr der Kurs der Währung schwanken darf, darüber entscheidet noch immer maßgeblich der Staat und nicht der freie Markt. Allerdings hat Peking angekündigt, das ändern zu wollen. Einige Experten gehen davon aus, dass China schon im anstehenden Fünfjahresplan, der 2016 in Kraft tritt, einen komplett freien Handel des Yuan festlegen könnte.

Bringt ein frei handelbarer Yuan auch Risiken mit sich?

Chinas Wirtschaft wäre ähnlich wie die amerikanische und europäische dem Spiel der Kräfte auf den weltweiten Finanzmärkten ausgesetzt. Sollten internationale Investoren nach einer Freigabe des Yuan massiv auf eine Wertsteigerung der Währung spekulieren, könnten so in kürzester Zeit riesige Mengen Geld ins Land fließen, was die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen würde. Andererseits könnte ein frei konvertibler Yuan auch dazu führen, dass aus Sorge um die chinesische Wirtschaft große Mengen Kapital aus dem Land abfließen, was die Gefahr eines Abschwungs noch verschärfen würde.

mik/apr/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Europa! 30.11.2015
1. Ein überfälliger Schritt
Die Währung der möglicherweise jetzt schon größten Volkswirtschaft der Welt hat Gewicht. Und das Gerede von der "freien Konvertierbarkeit" ist reine Propaganda. Als ob die FED, die EZB und alle anderen Player nicht an den Währungsrädchen drehen würden wie die Croupiers im Spielkasino!
Beat Adler 30.11.2015
2. Freie Konvertierbarkeit ist reine Propaganda?
Zitat von Europa!Die Währung der möglicherweise jetzt schon größten Volkswirtschaft der Welt hat Gewicht. Und das Gerede von der "freien Konvertierbarkeit" ist reine Propaganda. Als ob die FED, die EZB und alle anderen Player nicht an den Währungsrädchen drehen würden wie die Croupiers im Spielkasino!
Freie Konvertierbarkeit ist reine Propaganda? Bitte um eine ausfuehrliche Erklaerung, was daran "Propaganda" sein soll, bitte. Eine Festlegung des Wechselkurses durch eine Regierung fuehrt zu Ungleichgewichten. Das hilft der betroffenen Volkswirtschaft nicht mittelfristig, erst Recht nicht langfristig. So ist sie eben gestrickt die globalisierte Welt. mfG Beat
Melange 30.11.2015
3. Diese fünfte Leitwährung
wäre wenigstens durch Gold gedeckt. Nein, Gold kann man zwar nicht essen, aber es hat dennoch einen reelleren Wert (schon historisch bewiesen) als die restlichen vier Leitwährungen, deren fiktive Deckung nur auf leeren Versprechungen, untilgbaren Schulden und naiven Hoffnungen beruht. Die Chinesen haben fast alles verfügbare Gold der Welt aufgekauft und suchen krampfhaft nach Abnehmern ihrer wertlosen Dollar-Treasury-Bonds. Die behaupteten Goldreserven der anderen 4 Nationen sind minimal und nur noch Propaganda.
leonce2 30.11.2015
4. Wie soll das funktionieren ?
Eine nicht frei konvertierbare Währung als Weltwährung ??? Wo die Regierung die Wechselkurse nach Belieben festlegen kann ? Das ist sicher nur eine Zeitungsente, oder der IWF ist völlig gaga...Aber vielleicht ist das ja sogar unsere Zukunft ? Unserer Gelddruck-EZB kämen staatlich verordnete Wechselkurse sicher sehr gelegen.
Norbert1981 30.11.2015
5. ...
Zitat von Beat AdlerFreie Konvertierbarkeit ist reine Propaganda? Bitte um eine ausfuehrliche Erklaerung, was daran "Propaganda" sein soll, bitte. Eine Festlegung des Wechselkurses durch eine Regierung fuehrt zu Ungleichgewichten. Das hilft der betroffenen Volkswirtschaft nicht mittelfristig, erst Recht nicht langfristig. So ist sie eben gestrickt die globalisierte Welt. mfG Beat
China will seine bislang streng kontrollierte Währung spätestens bis 2020 frei konvertierbar machen: http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/yuan-china-gibt-seine-waehrung-bis-2020-fuer-den-handel-frei/12537772.html
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