Wintersaison Arbeitslosigkeit steigt auf mehr als drei Millionen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist saisonbedingt wieder leicht angestiegen. Für Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise kein Drama. Volkswirte erkennen jedoch bereits die ersten Auswirkungen des Mindestlohns.

Jobcenter in Frankfurt am Main: Hauptsächlich Mini-Jobs betroffen
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Jobcenter in Frankfurt am Main: Hauptsächlich Mini-Jobs betroffen


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Nürnberg - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar um 268.000 auf 3,032 Millionen gestiegen. Das sind 104.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,6 Punkte auf 7,0 Prozent.

Saisonbereinigt sank die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Januar um 9000 auf 2,836 Millionen. Volkswirte hatten einen Rückgang um 10.000 erwartet. Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl ging im Westen Deutschlands um 5000 zurück, im Osten sank sie um 4000.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sagte: "Der Arbeitsmarkt knüpft an die gute Entwicklung des letzten Jahres an. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar hat vor allem jahreszeitliche Gründe." Eine Zunahme sei im Zuge der Winterpause üblich, das Plus fiel in diesem Januar aber geringer aus als in den vergangenen Jahren.

Konjunkturschub erwartet

Ohne die zum Jahreswechsel in Kraft getretene Mindestlohn-Regelung wäre die Winter-Arbeitslosigkeit aber wahrscheinlich noch geringer ausgefallen, betonten Arbeitsmarktexperten. "Der Mindestlohn hat die Entwicklung im Januar sicher etwas gedämpft", ist etwa Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut überzeugt. Bisher dürften allerdings hauptsächlich niedrig vergütete Mini-Jobs davon betroffen sein, glaubt er.

Auch Commerzbank-Volkswirt Achim Tuchtfeld geht davon aus, dass "der Mindestlohn Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen wird. Es scheint in manchen Betrieben schon scharf gerechnet zu werden." Das habe er bei Gesprächen mit Unternehmern festgestellt.

Wegen des niedrigen Ölpreises und des schwachen Euro, von dem vor allem exportorientierte Firmen profitieren, erwarten die meisten Volkswirte für das Jahr 2015 einen etwas stärkeren konjunkturellen Schub. "Das wirkt ja alles wie ein kleines Konjunkturprogramm", sagt Tuchtfeld. Davon dürfte auch der Arbeitsmarkt profitieren.

Nachfrage nach Arbeitskräften steigt

Unterdessen hat der wachsende Konjunkturoptimismus in vielen Unternehmen zum Jahresbeginn die Nachfrage nach Arbeitskräften auf ein Rekordhoch klettern lassen. Noch nie seit dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen habe es mehr freie Stellen in deutschen Betrieben gegeben, wie die Bundesagentur mitteilte.

Der seit 2004 ermittelte monatliche Stellenindex BA-X ist im Januar auf 183 Punkte gestiegen - das sind zwei Punkte mehr als im Dezember und 18 mehr als vor einem Jahr. Inzwischen ist die Nachfrage nach Beschäftigten sogar größer als im Boom-Jahr 2011, wie aus der BA-Statistik hervorgeht.

Zusammengefasst: Die Wintersaison wirkt sich nicht so stark auf den Arbeitsmarkt aus wie in den vergangenen Jahren. Doch es könnte alles viel besser sein, wenn der Mindestlohn nicht wäre.

Das SPIEGEL-ONLINE-Wirtschaftsressort testet für eine Woche den "Zusammengefasst"-Absatz. Kritik, Feedback, Anregungen? Bitte hier.

mik/dpa-AFX



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maha kala 29.01.2015
1. Der Arbeitsmarkt ist kein Kartoffelmarkt
Bitte erklären Sie mir, weshalb eine steigende Nachfrage nach Arbeitskräften nicht mit einer entsprechenden Entlohnung korreliert. Wenn Unternehmen angeblich händeringend Leute suchen, wieso sind sie dann nicht in der Lage, den eh schon sehr niedrigen Mindestlohn zu zahlen? War es nicht auf einem funktionierenden Markt so, dass bei hoher Nachfrage der Preis steigt? Oder sollte der Arbeitsmarkt doch kein Markt sein?
JaguarCat 29.01.2015
2. Der arme Mindestlohn
Wir haben "jahreszeitenbereinigt einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 9000", und dieser Wert entspricht genau dem durchschnittlichen Rückgang der letzten 12 Monate (108000 / 12 = 8667). Aber nein, Volkswirte, Statistiker und andere Kaffeesatzleser sehen in den Zahlen bereits "Auswirkungen des Mindestlohns". Ja, Friseure werden im Schnitt etwas teurer werden, Erdbeeren und anderes in der Produktion aufwändige Obst auch. Aber hey, es gab in den letzten Jahren teils kräftige Lohnsteigerungen, und gerade die Mitarbeiter, die Mindestlohn verdienen, werden sich dank diesem künftig ebenfalls mal Spargel oder einen Haarschnitt leisten können.
DDM_Reaper20 29.01.2015
3. Genau! Dieser verdammte Mindestlohn!
dass Leute sich nicht entbloeden, fuer ihre Entlohnung ueberhaupt Geld zu verlangen, anstatt sich damit zufrieden zu geben, auf Kosten ihrer Arbeitgeber in kleinen Containern zu leben und Essensmarken zu beziehen. Ist doch 'ne Frechheit, ernsthaft! Die Arbeitslosigkeit waere doch glatt ausradiert, wenn wir dieses System einfuehren wuerden. So, und jetzt mal Schluss mit Sarkasmus. Ich kann dieses Gejaule nicht mehr hoeren. Auch von 8,50 Euro ist es nicht einfach, zu leben. Das ist der MINDESTlohn. Ein Hohn, darueber zu meckern. Ansonsten stockt der STAAT eben auf -- also mit STEUERGELDERN. Was, zum Henker, ist daran nochmal so gut? Arbeit muss sich lohnen, hiess es mal. Aber besser, man blaest Unternehmen Zucker in den Hintern und laesst den Staat bluten, denn der bleede Steuerzahler zahlt ja schon...
eisbaerchen 29.01.2015
4. Man fasst es nicht....
ich zitiere die Zusammenfassung..."Zusammengefasst: Die Wintersaison wirkt sich nicht so stark auf den Arbeitsmarkt aus wie in den vergangenen Jahren. Doch es könnte alles viel besser sein, wenn der Mindestlohn nicht wäre..." Kann man jetzt bitte endlich mal aufhören, das arbeiten zum Sklavenlohn wieder in Misskredit zu bringen? Unglaubliche Ignoranten die sowas schreiben...
in_peius 29.01.2015
5. Es war absehbar...
dass Arbeitgeber und diesen nahestehende Volkswirte in den nächsten Monaten und Jahren jedwede Verschlechterung des Arbeitsmarktes auf die Einführung des Mindestlohnes schieben würden. Dies entspricht einer mentalen Grammatik, die davon ausgeht, dass der Arbeitgeber einen gottgegebenen Anspruch auf maximale Gewinn und -damit unmittelbar verbunden- der Arbeitnehmer sich zu freuen habe, überhaupt bezahlt zu werden. Insgeheim reiben sich AG hierzulande die Hände bei jeder Pressemeldung, die negative Arbeitsmarkttrends andeutet. Wer kann es ihnen verübeln, bedeutet dies doch, dass die bereits angestellten angstbedingt von einer Anfrage nach Lohnerhöhung Abstand nehmen werden (selbiges gilt zwar für Gewerkschaften nicht, diese werden allerdings mit demselben Instrument als unverschämte Phantasten abgekanzelt), während Neubewerber sich mit erheblich schlechteren Einstiegsgehältern und kruden Befristungen abspeisen lassen, froh, überhaupt eine Stelle zu bekommen...
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