Schwenk in der Atompolitik: Japan kündigt Bau neuer Atommeiler an
Die Erholung der Konjunktur geht vor, die Atomangst nach dem Fukushima-GAU zählt weniger: Gleich nach der Amtsübernahme kündigt Japans neuer Premier an, bald wieder Atomkraftwerke ans Netz zu nehmen - und neue Meiler zu bauen. Er will teure Energieimporte vermeiden.
Tokio - Japans neuer starker Mann ist ein klarer Befürworter der Kernenergie. Schon im Wahlkampf hatte Shinzo Abe versprochen, den von seinem Vorgänger proklamierten Atomausstieg rückgängig zu machen. Bereits einen Tag nach seiner Wahl startet der Chef der Liberaldemokratischen Partei (LDP) durch.
Man werde in Kürze erste AKW wieder ans Netz nehmen, kündigte Industrieminister Toshimitsu Motegi am Donnerstag an. Zuvor müsse sich die unabhängige Regulierungsbehörde allerdings für die Sicherheit der Reaktoren verbürgen. Auch der Bau von Reaktoren werde nach eingehender Sicherheitsprüfung wieder aufgenommen, fügte Motegi hinzu. Gleichzeitig kündigte er den Ausbau erneuerbarer Energien an.
Abe und sein Kabinett sind seit Mittwoch im Amt. Der 58-Jährige vertritt die Ansicht, Japan könne sich aus wirtschaftlichen Gründen den Ausstieg aus der Atomkraft nicht leisten. Das Desaster in Fukushima und haarsträubende Berichte über veraltete, unsichere Reaktoren ignoriert er mehr oder weniger.
Die Mitte-links-Regierung von Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte hingegen langfristig für einen Verzicht auf die Atomkraft plädiert. Doch seine Demokratische Partei DPJ, die 2009 mit dem Versprechen an die Regierung gekommen war, die verkrusteten Führungszirkel Japans aufzubrechen und die Wirtschaft anzukurbeln, verlor massiv an Stimmen. Abes konservative LDP hatte bei der Parlamentswahl am 16. Dezember zusammen mit der verbündeten Komeito-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus errungen.
48 von 54 Reaktoren abgeschaltet
In Japan sind derzeit 48 von 54 Reaktoren abgeschaltet. Ihre Sicherheit soll eingehend überprüft werden. Japan muss derzeit im großen Stil fossile Energie importieren. Ein Ausstieg hätte größere Ausmaße als etwa in Deutschland, da die Atomkraft vor 2011 in Japan 30 Prozent der Energie lieferte.
Nach der Kernschmelze im AKW Fukushima, der folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl 1986, war weltweit die Kritik an der Kernenergie gewachsen. Auch in Japan gab es wochenlange massive Proteste gegen die Technologie.
Die LDP hatte Japan seit 1955 mehr als ein halbes Jahrhundert lang regiert, auch Abe selbst war schon zuvor am Ruder gewesen, er hatte das Amt des Regierungschefs von 2006 bis 2007 inne.
ssu/AFP
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Fläche: 377.944 km²
Bevölkerung: 126,536 Mio.
Hauptstadt: Tokio
Staatsoberhaupt: Kaiser Akihito
Regierungschef: Shinzo Abe
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