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"Abenomics": Japan plant 38-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket

Japans Regierungschef Abe: Spagat zwischen Wachstum und Schuldenstopp Zur Großansicht
REUTERS

Japans Regierungschef Abe: Spagat zwischen Wachstum und Schuldenstopp

Japan forciert die "Abenomics": Der Regierungschef der hochverschuldeten Industrienation will die Wirtschaft mit einem 38 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket ankurbeln. Im Gegenzug soll die Mehrwertsteuer drastisch steigen.

Tokio - Mit einem riesigen Konjunkturpaket will die japanische Regierung verhindern, dass eine geplante Steuererhöhung die Wirtschaft des Landes abwürgt. Ministerpräsident Shinzo Abe werde an diesem Dienstag ein Paket im Volumen von umgerechnet 38 Milliarden Euro bekanntgeben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen endgültigen Entwurf der Regierungspläne. Gleichzeitig wolle Abe ankündigen, die Mehrwertsteuer im April 2014 von fünf auf acht Prozent zu erhöhen.

Die als "Abenomics" bekannt gewordene Wirtschaftsphilosophie des japanischen Ministerpräsidenten fußt vor allem auf drei Komponenten: einer ultralockeren Geldpolitik der Zentralbank, massive schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme und Strukturreformen. Damit will Abe das Land aus der seit Jahren andauernden Deflation führen.

Erste Erfolge sind bereits sichtbar. So wuchs die Wirtschaft Japansim zweiten Quartal überraschend stark um 3,8 Prozent. Allerdings trage sich der Aufschwung noch nicht selbst, sagte ein Regierungsberater Anfang September.

Unternehmen sollen weiter entlastet werden

Die Konjunkturpakete sind auch deshalb ein Risiko, weil Japans Staatsverschuldung mit fast 200 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ohnehin gigantisch ist. Im Vergleich: Deutschland ist mit rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet. Zudem kämpft Japan wegen der Überalterung seiner Gesellschaft mit steigenden Kosten für die Sozialsysteme.

Regierungschef Abe versucht daher den schwierigen Spagat zwischen Wachstum und Dämpfung der Neuverschuldung. Daher soll eine Anhebung der Verbrauchssteuer mehr Geld in die Staatskasse spülen. Wenn der Schritt Erfolg bringt, soll die Steuer 2015 erneut steigen, dann auf zehn Prozent. Sie hätte sich dann binnen zweier Jahre verdoppelt.

Die Regierung plant außerdem die Abschaffung einer Sondersteuer für Unternehmen, die für den Wiederaufbau der Tsunamigebiete eingeführt wurde. Im Gegenzug erhofft sich die Politik, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern höhere Löhne zahlen. Abe will die Privatwirtschaft dazu drängen, eine Schlüsselrolle bei der Wiederbelebung der Wirtschaft zu spielen. Höhere Löhne gelten dafür als ein entscheidender Faktor.

Allerdings enthält der Reuters vorliegende Entwurf keinen Hinweis auf weitere mögliche Senkungen der Unternehmenssteuer. Offenbar konnte sich das Finanzministerium mit seinen Bedenken gegen das Wirtschaftsressort durchsetzen.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Blaupause
NochNeMeinung 30.09.2013
So wie Japan jetzt wirtschaftet ist es völlig unvermeidlich, dass am Ende eine Währungsreform, also Geldentwertung, stehen muss. Japan wird damit der erste große Industriestaat sein, der unter seiner Schuldenlast fiskalisch zusammenbricht und damit die Sparvermögen seiner Bürger verbrennt. Da die Japaner uns auch in der Vergreisung voraus sind, sollten wir diese Blaupause für die eigene Politik gut studieren.
2. schwer zu finden dieser Artikel..schade, sehr schade
ProDe 30.09.2013
beschreibt er doch eine Alternative zu Merkels alternativlosem Sparwahn, der Europa von einer Krise in die andere treibt und der Milliarden Steuergelder an Banken umverteilt. Auch der letzte Satz ist wieder typisch. Kein Hinweis auf Senkung von Unternehmenssteuern. Das ist alte liberale und gescheiterte Denke. Niedrige Unternehmenssteuern führen nicht zu investitionen in Unternehmen sondern nur (kurzfristig) zu mehr Gewinn oder wie in DE zu höherem Export. Die Exportüberschüsse DEs sind aber sowas wie die Fäulnis in der EU. Sie führen zu permanenter Verschuldung in den anderen EU Staaten - entweder zur Verschuldung des Staates oder des Privatsektors. Das Ergebnis ist gleich... DE wird sein Geld nicht wiedersehen, um die Gewinne dennoch zu sichern zahlt der Steuerzahler. Doppelte Subvention. Abenomics kann nur funktionieren, wenn die Löhne steigen und die Unternehmen steuern zahlen. Die Löhne werden die Nachfrage ankurbeln und so für die Investitionen sorgen, die Steuern die Investitionprogramme finanzieren. Die Frage ist einfach - werden die Löhne wirklich ausreichend steigen? Selbst in DE sind die Arbeitnehmer Dank der H4-geschwächten Gewerkschaften nicht auf Augenhöhe mit den Arbeitgebern und dem Geld-adel, der zudem noch die Medien und Politk bestimmt.
3. Das Problem koennte,...
DeutscherimAusland 30.09.2013
entstehen wenn die Absatzmaerkte fuer die, hochpreisigen, aber durchaus konkurrenzfaehigen japanischen Produkte, TV's, Kamera's, PKW nicht den erwarteten weltweiten Absatz finden, weil sie "etwas" hoeherpreisig" sind! Leider guckt die breite Masse, erst auf den Preis!! Da ist das koreanische Modell "etwas anders" strukturiert! Leider! Aber 4K ist genial!!! und von SONY!!!
4.
Edelweiß 30.09.2013
Zitat von NochNeMeinungSo wie Japan jetzt wirtschaftet ist es völlig unvermeidlich, dass am Ende eine Währungsreform, also Geldentwertung, stehen muss. Japan wird damit der erste große Industriestaat sein, der unter seiner Schuldenlast fiskalisch zusammenbricht und damit die Sparvermögen seiner Bürger verbrennt. Da die Japaner uns auch in der Vergreisung voraus sind, sollten wir diese Blaupause für die eigene Politik gut studieren.
Das sollten wir tatsächlich unbedingt. Das erste, was wir dabei lernen könnten, ist, dass wir dringend vermeiden müssen, in die Falle der Deflation zu geraten. Leider tun wir aber seit Jahren alles dafür, um mit Volldampf in diesen Schlamassel zu fahren, aus dem, wie man von Japan lernen könnte, nur ganz schwer wieder rauszukommen ist.
5.
james-100, 30.09.2013
Zitat von DeutscherimAuslandentstehen wenn die Absatzmaerkte fuer die, hochpreisigen, aber durchaus konkurrenzfaehigen japanischen Produkte, TV's, Kamera's, PKW nicht den erwarteten weltweiten Absatz finden, weil sie "etwas" hoeherpreisig" sind! Leider guckt die breite Masse, erst auf den Preis!! Da ist das koreanische Modell "etwas anders" strukturiert! Leider! Aber 4K ist genial!!! und von SONY!!!
Wer im Dumpinglohnbereich sein Geld verdient und auf ergänzendes H4 angewiesen ist, hat eben kein Geld übrig, um höherpreisige Produkte zu kaufen. Das gleiche gilt für Niedrigstlöhner und Geringverdiener. Logisch, oder?
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