Wirtschaft

Untersuchung des Arbeitgebers

Japanerin nach 159 Überstunden gestorben

Mit nur 31 Jahren wurde eine japanische Reporterin tot in ihrem Bett gefunden. Vier Jahre später räumt ihr Sender ein, dass die Ursache massive Überarbeitung war.

DPA

Japaner in Tokio auf dem Weg zur Arbeit

Freitag, 06.10.2017   11:42 Uhr

Der tödliche Herzanfall einer jungen Reporterin in Japan ist nach Angaben ihres Arbeitgebers auf Überarbeitung zurückzuführen. Das gab der öffentliche Sender NHK bekannt und kündigte zugleich an, seine Arbeitskultur zu ändern. Die 31-jährige Politik-Reporterin hatte 159 Überstunden in einem Monat gemacht und war im Juli 2013 tot in ihrem Bett gefunden worden.

Ein Jahr danach stellten die japanischen Behörden fest, dass der Tod mit Überarbeitung zusammenhänge. Die Frau hatte in dem Monat vor ihrem Tod nur zwei Tage frei gehabt. NHK machte den Fall erst vier Jahre später öffentlich.

Der Tod der jungen Frau schockierte die japanische Öffentlichkeit besonders, denn ausgerechnet NHK hatte immer wieder das hohe Arbeitspensum in Japan angeprangert und über Fälle von Überarbeitung in anderen Unternehmen berichtet.

Tod durch Überarbeitung ist in Japan so verbreitet, dass dafür eigens das Wort "karoshi" geprägt wurde. In einer Regierungsstudie aus dem Jahr 2016 gaben 23 Prozent der befragten Firmen an, dass manche ihrer Mitarbeiter auf mehr als 80 Überstunden pro Monat kommen. Ein Jahr zuvor wurden 93 Fälle von Selbstmord oder versuchtem Suizid infolge von Überarbeitung offiziell anerkannt.

dab/AFP/dpa

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