Börsenrallye in Tokio Anleger in Japan erwarten Geldflut

Die japanische Notenbank erwägt laut einem Medienbericht, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Die Hoffnung auf weitere Milliarden für die Wirtschaft und fast zinslose Kredite hat die Anleger an der Tokioter Börse schon beflügelt: Der Leitindex Nikkei legte um fast drei Prozent zu.

Japanerinnen an der Tokioter Börse: Hoffnung auf Geldflut
REUTERS

Japanerinnen an der Tokioter Börse: Hoffnung auf Geldflut


Tokio - Zwei Tage werden sich die japanischen Währungshüter in der kommenden Woche zusammensetzen und über die Geldpolitik beraten. Allein die Erwartungen an eine weitere Milliardenspritzen für die Wirtschaft hat an der japanischen Börse schon eine kleine Rallye befeuert: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe sich die Bank of Japan und die Regierung in Tokio darauf geeinigt, das Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln - und so lange Staatsanleihen zu kaufen, bis das Ziel in Sicht sei.

In Erwägung werde zudem gezogen, die Zinsen, die die Zentralbank auf die Reserveeinlagen von Banken zahlt, zu kassieren. Sollte die Notenbank hinter diesen Erwartungen zurückbleiben, dürfte das allerdings für Enttäuschung bei Investoren sorgen. Vize-Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura sagte der Nachrichtenagentur, es sei aber noch unklar, ob die Notenbank künftig die Förderung des Jobmarktes in ihr Mandat aufnehme.

Die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte nach der Machtübernahme den Druck auf die Währungshüter deutlich erhöht, die Geldpolitik weiter zu lockern. Erwartet wird auch, dass die Notenbank ihr bereits auf umgerechnet rund 900 Milliarden Euro angewachsenes Programm zum Anleihe-Kauf und zur Kreditvergabe aufstockt.

Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik treibt den japanischen Leitindex Nikkei Chart zeigen schon seit Wochen an. In den vergangenen zwei Monaten legte er um ein Viertel zu. Auch am Freitag ging der Leitindex mit einem satten Plus von 2,9 Prozent mit 10.913 Punkten aus dem Handel. Auch die anderen großen asiatischen Märkte verbuchten Gewinne - wenn auch nicht so deutlich wie in Tokio. Der MSCI-Index für die Region Asien-Pazifik unter Ausschluss von Japan legte um 0,8 Prozent zu.

Wegen der wahrscheinlichen Lockerung der Geldpolitik zählten exportorientierte Unternehmen in Tokio zu den Gewinnern. So verteuerten sich die Papiere des Mischkonzerns Panasonic Chart zeigen um 5,3 Prozent. Beim Kamerahersteller Nikon Chart zeigen waren es sogar 5,8 Prozent. Exportunternehmen könnten nach Hoffnung der Anleger von einer lockeren Geldpolitik profitieren, weil ein schwächerer Yen dafür sorgt, dass sich im Ausland erzielte Gewinne stärker in den Unternehmensbilanzen niederschlagen. Der Yen bewegte sich nahe dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

nck/Reuters



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insgesamt 2 Beiträge
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dapmr75 18.01.2013
1. Erde an Mars
Der Glaube an den Weihnachtsmann scheint immer noch stark ausgeprägt, sonst würden trotz all der schlechten Wirtschaftsdaten nicht die Kurse steigen. Auch ein totes Pferd kann noch Rennen gewinnen, man muss nur alle Glauben machen, dass die Auferstehung unmittelbar bevorsteht. Und so geht der globale Währungskrieg und mit ihm die nominale Bereicherung der schon Besitzenden auf Kosten der restlichen Bevölkerung weiter.
hansschulze 18.01.2013
2. optional
Durch die faktische Geldentwertung werden die schon Besitzenden, also die Gläubiger von Anleihen und Bargeldbesitzer faktisch teilenteignet. Diese treten die Flucht aus der Währung an und kaufen damit Aktien, Gold, Immobilien, Land oder Konsumgüter.
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