Markenrecht abgelehnt "Je suis Charlie"-Logo kann man nicht schützen lassen

"Je suis Charlie": Nach dem Attentat auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" bekundeten Menschen auf der ganzen Welt so ihre Solidarität. Geschäftemacher beantragten Markenschutz für das Logo. Die Behörden wiesen das Ansinnen jetzt ab.

Demonstranten mit "Je suis Charlie"-Schildern: Markenrecht nicht möglich
AFP

Demonstranten mit "Je suis Charlie"-Schildern: Markenrecht nicht möglich


Paris - In Frankreich wird es kein Markenrecht für die Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" ("Ich bin Charlie") geben, die seit dem blutigen Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" weltweit kursiert. Entsprechende Anträge seien abgewiesen worden, weil sie nicht die notwendigen Kriterien erfüllten, teilte das französische Institut zum Schutz geistigen Eigentums (INPI) am Dienstag mit. Der Slogan könne nicht von einem Marktteilnehmer kommerziell verwendet werden, weil er bereits kollektiv massiv verwendet werde.

Dem INPI zufolge wurden seit dem Anschlag am Mittwoch vergangener Woche zahlreiche Anträge auf Markenrecht für das Logo "Je suis Charlie" oder Anspielungen darauf eingereicht. Sie seien aber nicht registriert worden, weil sie nicht der Anforderung entsprechen, wonach Markenrecht einen "unterscheidenden Charakter" voraussetzt.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte Montagabend aus informierten Kreisen erfahren, dass bereits über 50 Anträge eingereicht worden waren. Ein Antrag wurde laut dem Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise von einem Industriellen eingereicht, der unter anderem Waagen, Feuerlöscher und Brillenetuis herstellt.

T-Shirts, Aufdrucke und Anhänger

Geschaffen wurde das Logo wenige Minuten nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" von Joachim Roncin, dem künstlerischen Leiter des Gratis-Magazins "Stylist". Die drei Worte sind in weiß und grau mit den typischen Schriftzeichen der Satirezeitschrift auf schwarzem Grund gedruckt. Roncin teilte in einem Tweet mit, jeder könne die Solidaritätsbekundung frei verwenden, er würde aber eine "merkantile Nutzung" bedauern.

Das zu traurigem Ruhm gelangte Logo prangt bereits auf zahlreichen T-Shirts, Aufklebern und Anhängern, die seit dem Anschlag am vergangenen Mittwoch auf den Markt kamen. Solche Produkte wurden während der Massendemonstrationen vom Sonntag von fliegenden Händlern angeboten. Außerdem wurden bereits am Tag des Anschlags Websites wie jesuischarlie.fr, jesuischarlie.com und jesuischarlie.org geschaffen. Laut Twitter France wurde es außerdem bereits auf mehr als fünf Millionen Kurznachrichten abgebildet.

Marken können beim französischen Institut zum Schutz geistigen Eigentums online angemeldet werden - für bis zu drei Arten von Produkten oder Dienstleistungen kostet dies 200 Euro. Ein Sprecher des Instituts sagte, er könne die Angaben derzeit nicht bestätigen. Die Anträge würden vier Wochen nach ihrer Registrierung auf der Website der Behörde veröffentlicht.

100.000 Euro für ein Exemplar "Charlie Hebdo"

Die Anträge auf Markenschutz sind nicht der einzige Hinweis darauf, dass die Terrorakte von Paris auch Geschäftemacher auf den Plan gerufen haben. Bereits kurz nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" war im Internet ein reger Handel mit der aktuellen Ausgabe der französischen Satire-Zeitung entstanden - zu teils astronomischen Preisen.

Exemplare der Wochenzeitung - nach dem Anschlag am Mittwoch vergangener Woche rasend schnell an den Kiosken ausverkauft - wurden auf der Auktionsplattform Ebay in der Rubrik "Sofort-Kaufen" für teilweise 100.000 Euro angeboten.

Bei Versteigerungen lagen die Gebote für das "Charlie Hebdo"-Heft Nummer 1177 am Donnerstagnachmittag in einem Fall bei 75.000 Euro. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeitung letztlich tatsächlich zu dem Preis verkauft wurde, weil der Höchstbietende noch einen Rückzieher machen konnte.

Auflage verhundertfacht

Der Verkauf der Zeitungen im Netz sorgte teilweise für Unmut bei Internetnutzern, die den Handel als verwerflich brandmarkten. Ein Twitter-Nutzer schrieb etwa: "Business ist business, das ist traurig."

Auch der Verlag des Satire-Magazins wird kommerziell profitieren. Am Mittwoch dieser Woche wird die neue Ausgabe an die Kioske kommen. Das Titelblatt wurde bereits am heutigen Dienstag bekannt. Es zeigt erneut einen karikierten Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält. Darüber die Zeile: "Alles ist vergeben."

Zum Vergleich: In der vergangenen Woche - vor dem Anschlag - war "Charlie Hebdo" mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren in den Handel gekommen. In der Regel wurden von jeder Ausgabe etwa 30.000 Exemplare verkauft.

Die aktuelle Ausgabe soll drei Millionen Mal gedruckt werden - in 16 Sprachen. Man habe Anfragen aus aller Welt bekommen, so der Vertrieb der Zeitschrift. Üblicherweise werden pro Ausgabe nur rund 4000 Exemplare ins Ausland verkauft, diesmal sollen rund 300.000 Hefte in 25 Länder geliefert werden.

mik/AFP



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