EU-Kommissionschef Juncker "Die Briten müssen bezahlen, sie müssen bezahlen."

Die EU pocht gegenüber Großbritannien weiter auf ihre Milliardenforderungen. Kommissionschef Juncker mahnt: "In der Kneipe Bier bestellen und nicht bezahlen - das geht einfach nicht."

EU-Kommissionschef Juncker, britische Premierministerin May (Archiv)
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EU-Kommissionschef Juncker, britische Premierministerin May (Archiv)


EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geht von Verzögerungen bei den Brexit-Verhandlungen aus. "Der Prozess wird länger dauern, als wir ursprünglich gedacht haben", sagte Juncker. Noch sei es nicht möglich, die zweite Phase der Gespräche zu beginnen und die künftigen Handelsbeziehungen mit Großbritannien auszuloten.

Als Grund nannte er fehlende finanzielle Zusagen Großbritanniens: "Wir können derzeit keinen echten Kompromiss bei den verbleibenden finanziellen Verpflichtungen des Vereinigten Königreichs finden", sagte er. Deshalb könne beim EU-Gipfel nächste Woche noch keine Entscheidung über die Ausweitung der Gespräche fallen.

"Wenn man in einer Kneipe sitzt und 28 Bier bestellt und dann geht einer der Kollegen und bezahlt nicht - das geht einfach nicht. Sie müssen bezahlen, sie müssen bezahlen", sagte Juncker. Dabei stelle er keine unmöglichen Vorgaben auf. "Ich bin nicht im Rache-Modus", fügte er hinzu.

Die EU pocht bei den Brexit-Verhandlungen auf anteilige Zahlungen für Entscheidungen, die während der britischen Mitgliedschaft gemeinsam getroffen wurden. Dabei kursieren Zahlen von bis zu 100 Milliarden Euro, was London für überzogen hält. Die britische Regierung will vorerst keine detaillierten Zusagen machen.

Mehr zum Stocken der Verhandlungen: Bitte warm anziehen

EU-Unterhändler Michel Barnier hatte bereits am Donnerstag nach der fünften Verhandlungsrunde mit Großbritannien festgestellt, dass noch nicht genug Fortschritte erzielt seien, um die nächste Verhandlungsphase zu starten. Auch Barnier nannte die Finanzfrage als Knackpunkt und sprach von einer Blockade.

Juncker äußerte sich auch zur Katalonien-Krise. Eine Ablösung der Region von Spanien könnte Nachahmer finden und müsse deshalb vermieden werden. "Wenn wir Katalonien die Loslösung erlauben, werden andere nachziehen. Ich will das nicht", sagte Juncker. Er sei sehr besorgt über die separatistischen Bewegungen in Europa und habe den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy ermuntert, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.

beb/dpa

insgesamt 116 Beiträge
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theodtiger 13.10.2017
1. Richtige Reihenfolge
Die Briten haben die Ausgaben der EU mit entschieden und werden noch weitere Jahre davon profitieren. Also sollen sie auch ihren Anteil bezahlen. Über die Berechnungsmethoden will die EU sprechen, die britische Regierung allerdings nicht. Es ist klar, dass man so noch nicht über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen sprechen kann.
akosia 13.10.2017
2. Da hilft auch kein "Tätscheln" mehr....
die EU hat keine Machthabe gegenüber GB....und der EU-Verfall wird weiter gehen. Selbst schuld, wenn man bei Gründung keine pacta sunt servanta Klauseln in die Verträge nimmt, die klären, was "im Scheidungsfall" zu tun ist und wie. Die EU ist eine einzige Katastrophe.
sibbi78 13.10.2017
3. Wenn man in der Kneipe
etwas bestellt und nicht bezahlt, hat man außer einem rabiatem Wirt auch noch ein Strafverfahren vor einem Amtsgericht am Hals, auch wenn der säumige Zahler damit argumentiert, er habe gegenüber seinen Kumpels geäußert, dass er auf keinen Fall zahlt, weil er ihnen das Geld spenden will.... Vor welchem Gericht will Herr Juncker denn die Schuldsumme einklagen? Außerdem: Ein Hauptargument der BREXIT-Befürworter war die enorme Geldersparnis beim Austritt aus der EU....
ladida1970 13.10.2017
4. Herr Juncker hat komische Ansichten
Da sind diverse südeuropäische Länder, die seit Jahr und Tag "bestellen un nicht bezahlen" und ihre Rechnungen von anderen bezahlen lassen. Oder sich nicht an die seitens EU beschlossene Migrantenverteilung halten -da verhindert derselbe Herr Juncker aktiv, dass diese EU-Länder seitens Brüssel bestraft werden.
skr72 13.10.2017
5. Realistischerweise ist nur noch ein Soft-Brexit möglich
Ein harter Brexit ohne unkontrolliertem Ausscheiden von GB ist nun vermutlich aufgrund der verkürtzen Verhandlungszeit unmöglich, d.h. es bleibt nur noch die Wahl zwischen eine Mega-Chaos bei einem unkontrollierten Ausscheiden oder einem Soft-Brexit alla Norwegen, da ist bereits alles ausgehandelt. Ich möchte das unkontrollierte Ausscheiden bei krankhaft angstgetriebenen Rechten--Aktionismus nie ausschließen, siehe Trump . Im Angstmodus funktionieren die Gehirnzellen nicht mehr. Aber da wird sich seitens der Wirtschaft jemand finden, der bei diesen Verrückten den Stecker zieht, bevor alles zu spät ist. Von daher ist nur noch der Softbrexit alla N realistisch. Wetten?
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