Studie Jeder zehnte Beschäftigte trotz Arbeit von Armut bedroht

Die deutsche Wirtschaft wächst. Doch immer mehr Menschen droht die Armut - obwohl sie arbeiten. Laut einer Studie ist fast jeder zehnte Beschäftigte armutsgefährdet. Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele.

Bettler in Köln
DPA

Bettler in Köln


In Deutschland droht immer mehr Menschen die Armut, selbst wenn sie einen Arbeitsplatz haben: Fast jeder zehnte Beschäftigte sei im Jahr 2015 von Armut bedroht gewesen, berichtete die "Passauer Neue Presse" unter Verweis auf Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat. Zwischen 2005 und 2015 sei diese Quote von 5,5 Prozent auf 9,7 Prozent gestiegen.

Für Vollzeitbeschäftigte stieg das Armutsrisiko gegenüber 2006 von vier auf 7,1 Prozent, wie dem Bericht zufolge aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht. Die Linksfraktion im Bundestag wertete die Zahlen aus. Am höchsten sei das Risiko für befristet Beschäftigte: Fast ein Fünftel der Menschen mit befristeten Verträgen sei von Armut bedroht.

"Nach wie vor sind viel zu viele Menschen in Deutschland arm trotz Arbeit", sagte Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann. "Die Bundesregierung versagt hier auf ganzer Linie." Die Linken-Politikerin forderte die Erhöhung des Mindestlohns von derzeit 8,50 auf 12 Euro pro Stunde. Zudem müsse die Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit abgeschafft werden.

Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt. In Deutschland lag die Schwelle 2015 bei einem Jahresnettoeinkommen von 12.401 Euro für eine Einzelperson.

hej/AFP



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seinedurchlaucht 22.11.2016
1.
Der teure Sozialstaat will eben finanziert werden. Das geschieht durch den Arbeitnehmer, dem durch die hohen Abgaben immer weniger Geld übrig bleibt.
FilmCity 22.11.2016
2. Armutschaffer A-Argentur
"Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt" - das ist nur zum Teil richtig. Sobald man in die Hartz-IV Strömung geraten ist, sorgt diese Argentur mit ihren besonders motivierten Mitarbeitern dafür, dass man arm wird. Die Grenzen dessen, was man als Sicherheit noch behalten darf, ohne darauf zurückgreifen zu können, sind schon fast banal. Auch wenn man endlich einen unterbezahlten Job bekommen sollte, der vielleicht die 60% Marke überspringen sollte, so befindet man sich in einem Loch, aus dem man schwer wieder herauskommen kann. Wenn dann noch der Job befristet ist, dann ist fast ausweglos. Schade, dass man den Politikern nicht dieselben Kontrollen zumutet und die noch nebenbei dazuverdienen dürfen, wie sie wollen, zusammen mit den jährlich steigenden Diäten!
cosifantutte 22.11.2016
3. Manch einer fühlt sich mit 1000 Euro im Monat
nicht arm. Würde mich ja als Betroffener über solche Berichterstattung genervt fühlen.
accessfreeze 22.11.2016
4.
was ich mich immer frage.... Es soll doch unendliches Wachstum geben, es müssen mehr Menschen her die Dinge kaufen die sie nicht brauchen. Es gibt aber, auch aufgrund des Fortschritts in der Automatisierung immer weniger Arbeitsplätze. Die vorhandenen Arbeitsplätzen werden zu großen Teilen mehr als schlecht bezahlt. Woher soll jetzt das Geld dieser ganze Leute kommen um zu konsumieren, Wachstum zu generieren??? Wie stellen sich das unsere Lobby Politiker und allgemein die Wirtschaftsbosse vor? Ja, natürlich, es sollen Kredite aufgenommen werden. Nur bekommt man die nicht so einfach, oder eher gar nicht wenn man nicht solvent ist. Wie soll das funktionieren???? Oder ist das ebenfalls eine Art Subventionierung durch den Staat, die sozial Schwachen werden aus Steuergelder bezahlt (Hartz4), die dieses Geld natürlich in die Wirtschaft pumpen, weil ja auch den nicht so gut dagestellten Leuten erzählt wird das sie Dinge kaufen müssen die kein Mensch braucht? Dieses ganze "System" kann doch nur gegen die Wand fahren?! Oder habe ich heute einen schlechten Tag und sehen einfach alles zu pessimistisch????
mettwurstlolli 22.11.2016
5. Mann beisst Hund, Statistik und Nachrichten
Wenn als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60% des Durchsnittes (!) verdient, ist wohl logisch, dass 10% weniger als 60% des Durchschnittes verdienen. Wieso ist das eine Nachricht wert?
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