Mindestsicherung Jeder Zehnte lebt von staatlichen Transferleistungen

Fast siebeneinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind mittlerweile auf Geld vom Staat angewiesen. Besonders die Ausgaben für Leistungen an Asylbewerber stiegen laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr stark.

Bettler in der Hamburger Innenstadt: Zahl der Leistungsempfänger steigt
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Bettler in der Hamburger Innenstadt: Zahl der Leistungsempfänger steigt


Wiesbaden - In Deutschland muss fast jeder Zehnte vom Staat unterstützt werden. Ende 2013 erhielten 7,38 Millionen Menschen sogenannte Mindestsicherungsleistungen. Das waren 9,1 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden berichtete. 2012 hatte die Mindestsicherungsquote 9,0 Prozent betragen. Deutschland musste dafür im vergangenen Jahr 40,8 Milliarden Euro ausgeben - 4,6 Prozent mehr als 2012. Darunter fielen Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung oder Leistungen für Asylbewerber. Letztere stiegen mit 36,2 Prozent am stärksten an.

Die Zahl der auf Hartz-IV-Leistungen angewiesenen Kinder ist unverändert hoch. Mehr als 600.000 von ihnen sind bereits seit vier und mehr Jahren davon abhängig. Die Zahl der bis zu 15-Jährigen, die wegen der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern Hilfe vom Jobcenter beziehen, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 9100 oder 1,4 Prozent auf knapp 646.000, wie aus Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Juni 2014 hervorgeht. Die Zahlen werden nur zweimal jährlich ermittelt. Über die Entwicklung hatte zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet.

Den Löwenanteil der betroffenen Kinder machen die 7- bis 15-Jährigen aus. Mit knapp 465.000 nahm ihre Zahl zwischen Juni 2013 und Juni 2014 um mehr als 8600 zu. In einigen Städten und Regionen ist der Anteil der Langzeitbezieher von Hartz IV unter den 7- bis 15-Jährigen extrem hoch. In Berlin erhielten 70 Prozent dieser Altersgruppe mit Hartz-Bezug die Leistungen schon länger als vier Jahre.

Eine BA-Sprecherin wies am Sonntag darauf hin, dass unter den Kindern mit Hartz-Bezug auch viele unter Dreijährige seien, deren alleinerziehende Mütter wegen der Betreuung ihres Kindes nicht arbeiten könnten. Auch Kinder aus "Aufstocker-Familien" zählten dazu.

Im kommenden Jahr steigen die Regelsätze für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen um gut zwei Prozent. Alleinstehende erhalten somit nun einen Betrag von 399 Euro - das sind acht Euro mehr als bisher.

mik/dpa

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