Politiker-Investment Jens Spahn fand die Idee "pfiffig" - jetzt ist sein früheres Steuer-Start-up pleite

Mit 15.000 Euro stieg Jens Spahn einst bei einem Start-up für Steuererklärungssoftware ein - und erntete viel Kritik. Nun ist die Firma nach SPIEGEL-Informationen insolvent.

Jens Spahn
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2017 machte das schwäbische Start-up Pareton zuletzt Schlagzeilen: Damals war bekannt geworden, dass die Firma finanzielle Anschubhilfe durch den CDU-Politiker Jens Spahn erhalten hatte. Jetzt ist der Anbieter der Steuersoftware "Taxbutler" pleite. Ende Juni beantragte das Unternehmen beim Amtsgericht Ludwigsburg nach SPIEGEL-Informationen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

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Heft 28/2018
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"Für die Skalierung des Geschäftsmodells und die Weiterentwicklung der Software hätten wir mehr Geld gebraucht. Eine neue Finanzierungsrunde ist aber leider nicht zustande gekommen", sagte Gründer Matthias Raisch. Noch im vergangenen Jahr hatte Pareton per Crowdfunding 300.000 Euro bei Anlegern eingesammelt; die Bewertung des Unternehmens belief sich auf 1,2 Millionen Euro. (Lesen Sie außerdem im neuen SPIEGEL, wie Spahn mit SPD-Abgeordneten die Zukunft der Koalition ohne Angela Merkel erörterte.)

Mit der Software sollten Kunden ihre fotografierten Belege hochladen und dann ihre Steuererklärung erstellen können. Spahn, der die Geschäftsidee "pfiffig" nannte, steuerte 15.000 Euro aus eigener Tasche bei und hielt damit 1,25 Prozent an Pareton.

Das Investment brachte ihn mitten im Bundestagswahlkampf allerdings in Bedrängnis; als Finanzstaatssekretär war er seinerzeit auch Beauftragter für Fintech-Unternehmen wie Pareton. Die Opposition witterte einen Interessenkonflikt - zumal Spahn zunächst von staatlichen Zuschüssen für private Start-up-Investoren profitierte: Sogenannten Business Angels werden 20 Prozent ihrer Investments erstattet, in Spahns Fall waren es demnach 3000 Euro.

Wegen des öffentlichen Drucks trat Spahn, heute Gesundheitsminister, seinen Pareton-Anteil später ab. Für den Crowdinvestment-Experten Stefan Loipfinger bleibt ein Nachgeschmack: "Schwarmfinanzierer wurden mit dem Namen Jens Spahn geködert, der anders als normale Kleinanleger als Gesellschafter Kontroll- und Mitspracherechte erhielt und sein Geld rechtzeitig in Sicherheit brachte."

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
isegrim der erste 06.07.2018
1. Herrn Spahn würde ich nicht einmal nach der Uhrzeit fragen
weil ich kein Vertrauen hätte, dass seine Antwort stimmt.
celebraler_kortex 06.07.2018
2. Offensichtlich kann man es keinem Recht machen
Spahn wurde also kritisiert und gab daraufhin seine Anteile ab. Jetzt ist der Laden pleite und ihm wird zur Last gelegt "sein Geld rechtzeitig in Sicherheit" gebracht zu haben. Manchmal kann man nicht gewinnen.
larsmach 06.07.2018
3. Softwarevertrieb skalieren!? Wie wäre es mit mehr verkaufen?
Die Venture Capital Branche mit ihren eigenen Ritualen, ihrer eigenen Sprache und ihrer eigenen Logik amüsiert mich immer wieder. Früher haben Unternehmer ihre Produkte verkauft und damit Geld verdient - heute ist "erfolgreich", wer seine Firma in Teilen verkauft und für die verkauften Anteile die höchsten Preise erhält. "Erfolg" ist in dieser Branche, wenn ein Investor seinen Anteil teurer weiterverkauft. Gesteuert von Maßnahmen, die die Bewertung in die Höhe jagen sollen, werden teilweise absurde Dinge unternommen statt sich auf die alte Regel aus der Bronzezeit zu besinnen, die noch heute bestimmt, wie (echte) Unternehmen funktionieren: "Tausche Bronze-Sicheln gegen Fisch" mit Gewinnmarge.
dasfred 06.07.2018
4. In Anlehnung an Bert Brecht
Erst kommt der Spahn und dann kommt die Moral. Als zwischenzeitlicher Finanzpolitiker hätte im klar sein müssen, dass man sich nicht selbst offen privatwirtschaftlich in der Steuerberatung engagiert. Aber Interessenkonflikt kommt in seiner Welt und seinem Freundeskreis als Begriff nicht vor.
sanfernando 06.07.2018
5. An was...
... erinnert mich diese Formulierung "pfiffige Idee" blos nur? War da nicht mal die Rede vom "pfiffigen Produkt", auf Amtspapier, und ein Minister war seinen Job los?
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