Personalnotstand Spahn fordert bis zu 3000 Euro im Monat für Pflegekräfte

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Personalnot in der Pflege mit kräftigen Gehaltserhöhungen bekämpfen: "Anerkennung drückt sich nicht nur in Worten aus."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften und Milliardeninvestitionen in diesem Bereich ausgesprochen. Gehälter bis zu 3000 Euro im Monat und damit deutlich mehr als derzeit "sollten möglich sein", sagte Spahn am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Anerkennung drückt sich nicht nur in Worten aus. Es geht auch ums Geld."

Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass mehr Beschäftigte wieder Tarifverträgen unterliegen, was derzeit für den Großteil nicht der Fall sei. "Das wollen wir ändern", sagte der Minister. Er machte klar: "Am Ende müssen übrigens auch Milliarden investiert werden."

Die Bundesregierung will in den kommenden zwölf Monaten ein Maßnahmenpaket zur Beseitigung des Pflegenotstands auf den Weg bringen. Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) starteten dafür Anfang Juli die "Konzertierte Aktion Pflege".

Angesichts des Personalmangels soll insbesondere der Beruf des Altenpflegers attraktiver werden. Im vergangenen Monat hatte der Pflegebeauftragte der Bundesregierung bereits dafür geworben, Fachkräfte mit Geldgeschenken in den Beruf zurückzulocken.

Spahn: Leiharbeiter verdienen teilweise besser als Festangestellte

Mit Blick auf den hohen Anteil von Leiharbeitern in der Pflege sagte Spahn, er hätte "lieber weniger Leiharbeit". Allerdings profitierten viele der derzeitigen Leiharbeiter wegen der hohen Nachfrage nach Pflegern von teilweise besseren Arbeitszeiten und Löhnen als Festangestellte. Zugleich verteidigte Spahn private Investitionen in der Branche. "Wir brauchen mehr Trägervielfalt, aber was richtig ist, die Arbeitsbedingungen müssen stimmen."

Es müsse nun darum gehen, über mehr Ausbildung, Umschulung und Anwerbung von Kräften aus dem Ausland dafür zu sorgen, dass die geplanten 13.000 zusätzlichen Stellen besetzt werden können.

Eine Reportage über den Einsatz ausländischer Altenpfleger in deutschen Heimen finden Sie hier.

Video: Pflegenotstand in Deutschland - Wer betreut Sie?

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ans/dpa/AFP



insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
willi.thom 16.07.2018
1.
Der Ansatz ist richtig, denn man muß das Gehalt der Pflegekräfte mit den Gehältern anderer Berufsgruppen und deren Verantwortung für andere Menschen vergleichen. Von den exorbitanten Managergehältern ganz zu schweigen. In diesem Falle gilt: es gibt nichts gutes, außer man tut es. Das Merkel´sche Aussitzen und die Lobhudelei bei Besuchen von Pflegeheimen führt hier nicht zum Ziel.
fleischwurstfachvorleger 16.07.2018
2. Ein weiterer Beitrag
wäre es, Flüchtlinge, die eine Ausnildung in einem Pflegeberuf begonnen haben, nicht mehr abzuschieben und sich parallel über zu wenig Pflegekräfte bedauernd zu äußern. Was ist mit dem Versprechen passiert 3 + 2 Drei Jahre Ausbildung plus zwei Jahre Bleiberecht? Warum kann die Politik nicht mal anfangen ihre Versprechen auch einzulösen?
eulenspiegel2k17 16.07.2018
3. Verrückte Welt
Da braucht es einen CDU‘ler, um die Neoliberale Wendepolitik eines SPD‘lers zu korrigieren. Sicherlich wird die SPD davon nicht begeistert sein.
Ralf1234 16.07.2018
4. Neue Sterbekultur
Meines Erachtens brauchen wir wieder eine neue bzw. in Wahrheit sehr alte Sterbekultur. Es wird viel zu lange gepflegt. Wenn der Mensch nicht mehr in der Lage ist selbstständig zu essen, trinken, seine Notdurft zu verrichten, und seine Umgebung gar nicht mehr wahr nimmt, dann ist der Zeitpunkt für das Sterben gekommen. Hier noch auf Teufel komm raus wochenlang oder im Extremfall noch Jahre jemanden mit riesigem Aufwand am Leben zu erhalten finde ich gelinde gesagt unmenschlich. Auch wenn ich mir den Unmut vieler Kommentatoren zu ziehen werde, so sehe ich dass.
muchacho80 16.07.2018
5. 3000 Brutto
sind dem Großteil der kommenden Generation wirklich gut ausgebilder Krankenpfleger, meiner Erfahrung nach, noch zu wenig! In der Altenpflege und Ambulanten Betreuung derzeit nicht umsetzbar, ohne Beiträge zu erhöhen und Mindestlohngrenze in diesen Bereichen gesetzlich zu regeln. Andernfalls wird alles auf den Klienten abgewälzt werden müssen. Und wer kann sich das aus der breiten Bevölkerung noch leisten?
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