Bundesbankchef warnt vor Konjunkturrisiken Weidmann hält EZB bei Abschwung für hilflos

Der Chef der Bundesbank hat die Regierung laut "Handelsblatt" vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage gewarnt. Europas Zentralbank könne im nächsten Abschwung kaum reagieren.

Jens Weidmann
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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die Regierung offenbar vor gestiegenen Konjunkturrisiken gewarnt. Zwar sei das Wirtschaftswachstum in Deutschland derzeit noch "intakt", die politischen Risiken für eine Konjunkturabkühlung würden aber "zunehmen", sagte Weidmann laut "Handelsblatt" in einer Sitzung des Bundeskabinetts am 6. Juli, in der er zu Gast war.

Schon seit dem Frühjahr trübt sich die gute konjunkturelle Lage in Deutschland immer weiter ein. Die Exporte sind immer wieder rückläufig, ebenso die Auftragseingänge der Industrie. Die Bundesbank senkte ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,5 auf 2,0 Prozent.

Die konjunkturelle Eintrübung falle stärker aus als zunächst erwartet, habe Weidmann vor dem Kabinett noch einmal betont, hieß es. Die neueren Zahlen belegten, dass die gute Wirtschaftsentwicklung in Deutschland nicht ewig so weiterlaufen könne. Als ein Risiko gilt die zunehmende protektionistische Handelspolitik der US-Regierung.

EZB kann im nächsten Abschwung kaum reagieren

Die Bundesregierung müsse sich auf schlechtere Zeiten vorbereiten, wird Weidmann von Teilnehmern der Kabinettssitzung zitiert. Dies gelte insbesondere, weil es noch längere Zeit dauern werde, bis sich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder normalisiere. Die Notenbank könne im nächsten Abschwung also kaum reagieren.

Diese Aufgabe müsse nun vor allem die Finanzpolitik übernehmen, wird Weidmann weiter zitiert. Allerdings haben auch viele Eurostaaten aufgrund ihrer hohen Verschuldung nur sehr begrenzte Möglichkeiten, um einen Abschwung über höhere Ausgaben abzufedern, ohne dabei Vertrauen an den Finanzmärkten zu verspielen.

Deshalb fordert auch der Internationale Währungsfonds (IWF) von den Eurostaaten, die Haushalte in den jetzigen guten Zeiten zu konsolidieren.

ssu

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insgesamt 59 Beiträge
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halihalo52 15.07.2018
1.
Überall nur Schönwetterkapitäne unterwegs. Sowohl bei den Politikern, Managern und Politikern. Sobald es anfängt zu kiseln, dann wissen sie nicht mehr, was sie tun sollen.
micromiller 15.07.2018
2. Weidemann hat den Klarblick
unsere Traumtänzer der GROKO trotten leider im Nebel im Kreise. WIr haben bereits Minus Zinsen und der Rest der EU schuldet uns fast eine Billion .... und irgendwann kommt die neue Technische Revolution mit voller Gewalt über uns und Millionen gut bezahlte Jobs verschwinden. Unsere GROKO wird dann sicherlich wieder irgendwas vom Netzausbau sagen, aber nicht klar ob es um Strom oder Internet geht.... Uns fehlt es an intelligenten Politikern aus der REALEN WELT, die mit etwas praktischer Weitsicht ausgestattet sind und begreifen welche Herausforderungen auf unsere Gesellschaft zukommen... Wir schaffen das nicht! WIr werden im Strudel der Unfähigkeit und der falschen Massnahmen ... (Massenzuwanderung aus der Dritten Welt um unseren Geburtenrückgang zu korrigieren???) auf den Boden klatschen, hoffentlich helfen uns, die von unserer Politkaste verteufelten Amerikaner wieder auf die Beine.
adam01 15.07.2018
3. Immer langsam
Wie haben genug Reiche. Eine Sondersteuer für diese Bürger und damit die Schulden abbauen. Eigentum verpflichtet.
sven2016 15.07.2018
4.
Weidmann will einfach nur verhindern, dass die Regierung die Überschüsse in den Staatseinnahmen für z.B. soziale Zwecke einplant. Der ganze Zaster muss für Banken- und Großkonzernsanierung zusammengehalten werden. Zinsmäßig kann die EZB nicht weiter runter, also soll der Staat direkt Geld locker machen, wenn angefragt. Nicht neu und nicht besonders subtil.
willibaldus 15.07.2018
5.
Er hat recht. Bei einer Krise hat die EZB keine Munition mehr und die EU Staaten müssen mehr ausgeben bzw Schulden machen. DAs letztere ist normale antizyklische Politik. Immerhin sinkt die Verschuldung der EU Staaten seit JAhren wieder, wenn auch weit von den Werten von 2007 entfernt. Wer glaubt, die EU schuldet uns Geld, der irrt. Das Geld ist längst in unseren Taschen. Die BUBA hat ein Guthaben bei der EZB. Ein Verrechnungskonto. Sollte Italien aus dem Euro ausscheiden und das Konto Italiens bei der EZB würde eingefroren, was würde passieren? - Gar nichts. Die Verwerfungen durch das Ausscheiden selber wären allerdings desaströs.
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