Juncker-Nachfolge: Niederländer könnte Chef der Euro-Gruppe werden

Wer wird der nächste Chef der Euro-Zone? Jeroen Dijsselbloem gilt als neuer Favorit für den einflussreichen Posten. Dabei ist seine Berufserfahrung als niederländischer Finanzminister noch sehr begrenzt.

Vorgänger und Nachfolger? Jeroen Dijsselbloem (l.) im Gespräch mit Jean-Claude Juncker Zur Großansicht
AFP

Vorgänger und Nachfolger? Jeroen Dijsselbloem (l.) im Gespräch mit Jean-Claude Juncker

Hamburg - Der nächste Chef der Euro-Gruppe könnte ein Niederländer sein. Die Staats- und Regierungschefs der Währungszone hätten sich auf den niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem geeinigt, berichteten verschiedene Medien am Montag. Der 46-Jährige würde Nachfolger des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, der das einflussreiche Amt seit 2005 innehat und es spätestens Ende Januar niederlegen will. Endgültig entscheiden wollten die 17 Euro-Finanzminister über die Personalie Anfang nächsten Jahres.

Zuvor waren auch die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, Wolfgang Schäuble (CDU) und Pierre Moscovici, als Favoriten für die Juncker-Nachfolge gehandelt worden. Für seinen Amtskollegen Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich Juncker bei einer Veranstaltung des SPIEGEL sogar persönlich ausgesprochen. Schäubles hartes Auftreten gegenüber Schuldenländern und seine unsichere berufliche Zukunft nach der Bundestagswahl 2013 dürften seine Chancen jedoch deutlich schmälern.

Auch Dijsselbloem gilt bereits seit längerem als möglicher Kandidat, gegen den allerdings seine geringe Erfahrung sprach: Er ist erst seit dem 5. November 2012 Finanzminister und hat bislang nur an einem formellen Ratstreffen mit seinen europäischen Ressortkollegen teilgenommen. Davor war Dijsselbloem eher ein Mann der zweiten Reihe. Als seine Partei 2010 eine schwere Führungskrise erlebte und in den Umfragen in den freien Fall geriet, übernahm er kommissarisch den Fraktionsvorsitz. Doch ins Rennen um die Parteispitze wollte der Politiker aus Eindhoven sich nicht begeben.

Der Agrarökonom Dijsselbloem ist einer der "roten Ingenieure" hinter der Erneuerung der niederländischen Sozialdemokraten. Er schrieb mit am neuen Parteiprogramm und war auch einer der Architekten des Wahlkampfes, in dem der Partei der Arbeit unter dem Spitzenkandidaten Diederik Samsom ein überraschendes Comeback gelang. Bei der Wahl im September lag sie am Ende knapp hinter der rechtsliberalen VVD von Premier Mark Rutte.

"Knallhart" in Sachen Haushaltsdisziplin

Für Dijsselbloem könnte sprechen, dass er ein stabilitätsorientiertes Land vertritt, das als einer von nur noch vier Staaten in Europa die Top-Bonitätsnote AAA hat. Auch als "roter" Finanzminister unterstützt Dijsselbloem die rigorose Spar- und Reformpolitik im eigenen Land und in Europa. Er werde die "bisherige konsistente Linie fortsetzen", hatte der frischgebackene Finanzminister angekündigt. "Vielleicht werde ich einen etwas anderen Ton anschlagen." Doch wenn es um die Sache gehe, etwa strikte Haushaltsdisziplin, bleibe er "knallhart".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte die Personalie nach dem EU-Gipfel am Freitag ebenso wenig kommentieren wie Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte am Montag, das Thema werde "dann entschieden, wenn es nötig ist, entschieden zu werden".

In der Krise hat die Euro-Gruppe zunehmend an politischem Einfluss gewonnen. Sie koordiniert die Wirtschafts- und Finanzpolitik der 17 Mitgliedstaaten und berät auch über Hilfsanträge von Euro-Sorgenkindern wie Griechenland und Spanien.

Das offizielle Nachfolgeverfahren für Juncker muss erst noch eröffnet werden. Dabei sollen die 17 Länder der Euro-Zone gebeten werden, Kandidaten zu benennen. Auch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter sowie der finnische Regierungschef Jyrki Katainen wurden zwischenzeitlich als Anwärter gehandelt.

dab/dpa/dapd

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Hauptsache, er lügt nicht!
gruenbonz 17.12.2012
denn mit der wahrheit hatte Juncker so seine Probleme.
2. Hauptsache, er gibts nicht zu!
axt119 17.12.2012
@gruenbonz Lügen tun doch alle Politiker. Juncker war nur so blöd es zuzugeben.
3. Hauptsache er legt sich nicht mit den Großbanken an
Gebr.Engels 17.12.2012
Sonst könnte das ein sehr kurzer Auftritt werden !
4. Grossbanken
Velbert2 23.12.2012
Zitat von Gebr.EngelsSonst könnte das ein sehr kurzer Auftritt werden !
Er wird sich sicherlich nicht mit den Grossbanken anlegen. Schliesslich wollen er und seine Parteifreunde weiterhin Kredite von den Grossbanken haben, um Wahlgeschenke bezahlen zu können. Wer einen füttert, den beisst man nicht.
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