Washington - Die Weltbank hat den US-Kandidaten Jim Yong Kim zum neuen Präsidenten ernannt. Der 52-Jährige soll die Nachfolge von Robert Zoellick antreten, der sein Amt im Sommer nach fünf Jahren abgibt. Kim wurde in Korea geboren, ist inzwischen aber amerikanischer Staatsbürger.
Die Entscheidung war zwar erwartet worden, ist aber trotzdem umstritten. Erstmals seit der Weltbank-Gründung gab es diesmal Konkurrenz für den US-Kandidaten. Die hatte allerdings wenig Chancen. Der frühere kolumbianische Finanzminister José Antonio Ocampo hatte sich schon am Freitag aus dem Rennen zurückgezogen.
Und auch die letzte verbliebene Gegenkandidatin, die Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala, gab sich bereits vor der offiziellen Entscheidung ihrem Konkurrenten aus den USA geschlagen. "Wissen Sie, diese Entscheidung beruht nicht wirklich auf Verdiensten", sagte die Finanzministerin in der Hauptstadt Abuja. "Es ist eine Wahl mit politischen Gewichten, und daher werden die USA gewinnen."
Die Weltbank wird traditionell von einem Amerikaner geführt, während der Internationale Währungsfonds (IWF) stets eine europäische Spitze bekommt. Diese Absprache wurde auch diesmal eingehalten. Sie steht aber zunehmend in der Kritik. Weil die asiatischen und südamerikanischen Schwellenländer in der Weltwirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinnen, fordern sie auch einen größeren Einfluss in den internationalen Organisationen.
Kritiker ziehen zudem den Auswahlprozess für den Spitzenposten in Zweifel. "Ich höre ernsthafte Bedenken zur Transparenz", hatte der südafrikanische Finanzminister Pravin Gordhan vor der Entscheidung gesagt.
Die Weltbank ist wie der Internationale Währungsfonds eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Beide wurden bei der Währungskonferenz in Bretton Woods im Juli 1944 gegründet. Der Entwicklungsorganisation mit Sitz in Washington gehören heute 187 Staaten an.
Die Weltbank ist weltweit an Projekten zur Armuts- und Korruptionsbekämpfung beteiligt. Sie vergibt Mikrokredite, fördert Projekte zur Verbesserung der Schulbildung und der Krankenversorgung und leistet Hilfe beim Wiederaufbau nach Naturkatastrophen. Seit 2007 ist Robert Zoellick Präsident der Weltbank. Seine Amtszeit endet im Juni.
Zwei Doktortitel und ein Rap-Video
Zoellicks Nachfolger Kim ist ein wahres Multitalent: Er hat zwei Doktortitel, einen in Medizin und einen in Anthropologie. Zudem soll er ein sehr guter Sportler sein - und rappen kann er auch noch. Das beweist ein Video, das er mit seinen Studenten am Dartmouth College aufgenommen hat. Darin führt er in weißer Lederjacke einer roboterartigen Stroboskoptanz auf.
Kim hat ein bewegtes Leben. Als er fünf Jahre alt war, siedelte seine Familie in die USA über. Sein Vater war Zahnarzt und lehrte an der Universität von Iowa, seine Mutter machte ihren Doktor an derselben Hochschule im Fach Philosophie.
Ihr Sohn lehrte nach seiner Promotion in Harvard am Lehrstuhl für Soziale Medizin, wo er sich im Jahr 2000 zum Professor habilitierte. Kims Forschungsschwerpunkt war die Behandlung der multiresistenten Tuberkulose, die mit normalen Antibiotika nicht mehr zu therapieren ist.
Er war Mitbegründer der in Boston ansässigen Hilfsorganisation Partners in Health (PIH), die Behandlungen für Tuberkulosepatienten in verarmten Gemeinden in Peru, Haiti, Russland, Ruanda, Lesotho und Malawi finanziert. Zudem bekleidete er als Fachmann für Aids-Bekämpfung wichtige Positionen in der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
2009 folgte Kim dem Ruf als Dekan des Dartmouth College in New Hampshire. Er ist damit der erste Amerikaner mit asiatischen Wurzeln, der einer der Elite-Universitäten an der US-Ostküste vorsteht.
Kim kann vieles, doch in einem Punkt fehlt ihm die Erfahrung: Der Arzt ist kein Finanzfachmann. Dass US-Präsident Barack Obama ihn dennoch für den wichtigen Wirtschaftsposten nominierte, muss andere Gründe haben. "Jims persönliche Erfahrung und sein jahrelanger Dienst machen ihn zum idealen Kandidaten für den Job", hatte der Präsident bei der Nominierung gesagt.
stk/Reuters/dapd/dpa/AFP
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