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Job-Boom: Zahl der Arbeitslosen sinkt um 67.000

Euro-Krise, hoher Ölpreis, schwächelnde Weltkonjunktur - der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich von solchen Problemen ungerührt. Die Zahl der Erwerbslosen ist im Juni erneut gesunken, auf 2,89 Millionen. Allerdings verlangsamt sich das Tempo des Rückgangs.

Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland sorgt für Jobs in Deutschland Zur Großansicht
REUTERS

Hamburger Hafen: Die Nachfrage aus dem Ausland sorgt für Jobs in Deutschland

Nürnberg - Mag die wirtschaftliche Lage im Rest der Welt sich auch verdüstern - in Deutschland setzt sich das kleine Arbeitsmarktwunder fort. Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen erneut gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, waren 2,89 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 67.000 weniger als im Mai und 255.000 weniger als vor einem Jahr. "Die gute Entwicklung hat sich fortgesetzt", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

Allerdings ist das Tempo des Rückgangs zuletzt gesunken. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen nahm die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Mai nur noch um 8000 ab. Volkswirte hatten einen saisonbereinigten Rückgang um 17.000 erwartet.

"Die Zeiten der starken Rückgänge liegen hinter uns", sagte Marco Bargel von der Postbank. "Das ist normal nach dem starken Abbau der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten. Die Arbeitslosigkeit wird aber weiter sinken, wenn auch in kleineren Schritten."

40,8 Millionen Menschen sind erwerbstätig

Tatsächlich herrschen für Arbeitssuchende derzeit gute Zeiten. Die Unternehmen stellen ein wie seit Jahren nicht mehr. Bereits am Mittwoch hatte die BA mitgeteilt, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften im Juni auf einen Rekordwert gestiegen sei. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen stellen die Unternehmen neue Mitarbeiter ein, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten. Zum anderen nutzen viele Arbeitnehmer die günstige Konjunkturphase, um den Job zu wechseln. Etliche Stellen bleiben derzeit laut BA unbesetzt, weil die Betriebe Probleme haben, entsprechende Fachkräfte zu finden.

Auch die Erwerbstätigkeit in Deutschland hat sich zuletzt positiv entwickelt. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am Donnerstag die jüngsten Zahlen: Demnach hatten im Mai 40,8 Millionen Menschen einen Job - das sind fast eine halbe Million mehr als vor einem Jahr. Einen höheren Stand hat es seit der Wiedervereinigung noch nie gegeben.

Der deutsche Arbeitsmarkt profitiert vor allem von der starken Konjunktur. Zuletzt hatten sich allerdings die Anzeichen gehäuft, dass der Boom zu Ende gehen könnte. Vor allem die leicht sinkende Nachfrage aus den Schwellenländern bereitet den Konjunkturexperten Sorgen. "Die nachlassende Weltkonjunktur wird den deutschen Aufschwung, zumindest vorübergehend, abschwächen", sagte Jörg Zeuner von der VP Bank. "Anlass zur Sorge besteht vorerst jedoch nicht, die Auftragslage der Unternehmen ist nach wie vor gut."

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 164 Beiträge
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1. Ich glaubs net
NormanR, 30.06.2011
und wöchentlich grüßt das Murmeltier der Regierung.
2. Ja super und nun?
aristo32 30.06.2011
Es gibt trotzdem 5 Millionen Erwachsene die Hartz4 empfangen!! (Plus 1,7 Mil. Kinder) Die Statistik zeigt einfach nur, dass die Menschen arbeiten wollen, es gibt einfach keine würdevolle Arbeit mehr!! Die Menschen in diesem Land werden nur noch ausgebeutet!! Was soll der ganze Quatsch?? von der Leyen und Merkel sind unser Untergang!! Von wegen christlich!
3. Und die Umstände?
tomex030 30.06.2011
Leider gehen aus solchen berichten niemals die Umstände hervor, unter denen die Menschen zukünftig ihr Brot verdienen. Boomen tut offensichtlich nur noch der Billiglohnsektor.
4.
propaganda, 30.06.2011
spon entwickelt sich langsam aber sicher zum verlautbarungsorgan der ba. für arbeit. der boom am arbeitsmarkt ist leiharbeit und prekären verhältnissen geschuldet. vielleicht mag der eine oder andere ja kein moralisches problem mit ausbeutung haben, aber diese jobs sind halt auch volkswirtschaftlich völlig wertlos.
5. Zahl der Arbeitslosen sinkt um 67.000
GSYBE 30.06.2011
Richtige Überschrift? Oder sollte es heißen: Zahl der Erwerbstätigen zu Sklavenlöhnen steigt um 67.000?
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Was ist Hartz IV?
Die Reform
Hartz IV ist die größte und umstrittenste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Benannt ist sie nach dem damaligen Volkswagen-Personalchef Peter Hartz, der als Leiter einer Regierungskommission die Grundlagen der Reform vorgeschlagen hatte. Am 1. Januar 2005 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.
Fördern und Fordern
Kernpunkt der vieldiskutierten Gesetze ist die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu einer einheitlichen Grundsicherung. Davor hatten sich die bundeseigenen Arbeitsagenturen und die kommunalen Sozialämter die Betreuung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern geteilt. Das Nebeneinander von zwei unterschiedlichen Systemen wurde abgeschafft, erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger sollten nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" in die aktive Arbeitsvermittlung eingebunden werden.
Die Höhe der Leistung
Empfänger der früheren Arbeitslosenhilfe erhalten ebenso wie arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger die gleichen Bezüge: das sogenannte Arbeitslosengeld II. Vereinfachend wird das Arbeitslosengeld II oft auch als "Hartz IV" bezeichnet. Die Bezüge orientieren sich an der früheren Höhe der Sozialhilfe. Pro Monat beträgt die Leistung 359 Euro - Unterkunft, Heizung und sonstige Zulagen nicht eingeschlossen.
Strenge Regeln
Mit Hartz IV soll eine intensivere Betreuung bei der Suche nach einem neuen Job verbunden sein. Zugleich wurden aber auch die Zumutbarkeitskriterien verschärft. Prinzipiell gilt jede legale Arbeit als zumutbar, auch wenn sie deutlich unter Tarif bezahlt wird. Wer Jobangebote ausschlägt, muss erhebliche finanzielle Kürzungen in Kauf nehmen.

Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.


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