Job-Markt: Firmen haben über 400.000 Stellen zu vergeben

Bundesregierung und Arbeitsagentur feiern den Aufschwung am Arbeitsmarkt: Weniger als drei Millionen Menschen sind ohne Job - und die Zahl der freien Stellen ist um 100.000 gestiegen. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist nun in Lohn und Brot.

Arbeitsagentur in Hamburg: Nicht mehr Mangel an Arbeit, sondern an Arbeitskräften Zur Großansicht
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Arbeitsagentur in Hamburg: Nicht mehr Mangel an Arbeit, sondern an Arbeitskräften

Nürnberg - Positive Nachrichten überbringen führende Politiker gerne persönlich: Darum verkündeten Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bereits am Mittwoch, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland die Drei-Millionen-Marke unterschritten hat. Saisonbereinigt ist die Zahl in Deutschland allerdings gerade einmal um 3000 auf 3,153 Millionen gesunken.

Für den Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sind es dennoch gute Zeiten. Immerhin war der Stand bei den offiziellen Arbeitslosenzahlen in den Jahren seit 1992 immer höher gewesen. Nach dem großen Auftritt der Politik blieb Weise am Donnerstag aber nur noch, die Ergebnisse ein wenig ausführlicher darzustellen. Unter anderem teilte er mit, dass die Zahl der freien Stellen im Oktober auf 401.000 gestiegen ist. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei dies ein Anstieg um 103.000.

Der Stellenindex der Bundesagentur BA-X lag mit 143 Punkten 32 Punkten über dem Niveau des Vorjahres - und sogar zwei Punkte über dem Niveau vor Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise im September 2008. Der BA-X bildet saisonbereinigt die Nachfrage nach Arbeitskräften ab.

BA-Chef Weise führte den Rückgang der Arbeitslosenzahl auf die anziehende Konjunktur zurück - wie zuvor schon Arbeitsministerin von der Leyen. "Der Arbeitsmarkt profitiert von der guten Konjunktur. Die Arbeitslosigkeit sinkt, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Erwerbstätigkeit wachsen weiter kräftig und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist hoch", sagte Weise.

Knapp 41 Millionen Menschen sind erwerbstätig

Die positive Entwicklung zeigt sich auch im Rückgang bei der Kurzarbeit: Nach den jüngsten Daten vom August wurde nur noch an 173.000 Mitarbeiter konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt - das ist etwa ein Zehntel der Höchstmarke vom Mai 2009.

Auch die Zahl der Erwerbstätigen stieg im September um 325.000 auf 40,9 Millionen an. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies eine Zunahme um 348.000 Menschen. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind nun 27,98 Millionen Menschen - 436.000 mehr als im Vorjahr.

Experten halten es nun für möglich, dass die Arbeitslosenzahl schon 2012 unter die Marke von zwei Millionen fällt. "Wenn der Abbau der Arbeitslosigkeit sich in diesem Tempo fortsetzt, könnte die nächste Millionenmarke schon im Oktober oder November 2012 geknackt sein", sagte Hilmar Schneider, Arbeitsmarktdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn der "Welt". Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht erneut zu einer Wirtschaftskrise komme.

Auch der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, hielt in einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" weniger als zwei Millionen Arbeitslose für möglich. "Die Zwei-Millionen-Marke, also etwa fünf Prozent Arbeitslosenquote, sind erreichbar", sagte er der Zeitung.

cte/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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1. Na toll, ...
llofwyr 28.10.2010
Zitat von sysopBundesregierung und Arbeitsagentur feiern den Aufschwung am Arbeitsmarkt. Dieser zeige sich nicht nur daran, dass weniger als drei Millionen Menschen ohne Job sind. Auch die Zahl der freien Stellen sei im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725822,00.html
... jetzt erwarten die Redakteure schon, dass wir einen Artikel kommentieren, der am Server gar nicht mehr vorhanden ist. Muss ja ein explosives Ding gewesen sein - hat das irgendwer kopiert?
2. Schaaaade!
nahal 28.10.2010
Zitat von sysopBundesregierung und Arbeitsagentur feiern den Aufschwung am Arbeitsmarkt. Dieser zeige sich nicht nur daran, dass weniger als drei Millionen Menschen ohne Job sind. Auch die Zahl der freien Stellen sei im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725822,00.html
Und damit entpuppen sich die Tränen aller Schwarzmalerakrobaten in den anderen Strängen als das was sie sind: Krokodilstränen.
3. Realismus bitte
robiflyer 28.10.2010
Nun , wo sind sie denn die Stellen , die einem zB Familienvater >40J einen adäqauten Vollzeitjob ermöglichen Also - Unbefristet , keine Leiharbeit - 40 Stundenwoche maximal - 3000-6000 Euro pM An dieser Stelle hapert es nämlich ... nicht jeder 400€ Job kann als Vollzeitarbeitsstelle gewertet werden und wieso sind in den letzten paar Monaten rund ne Million entlassen worden ,sprich man kann nicht einfach sagen der hartzo ist zu faul die FlaschBier abzustellen .... Es gibt viel zu viele Ungereimtheiten die der Intelligente sieht und damit nicht auf den Hype den die Regierung da so veranstaltet reinfällt . Im übrigen ist hohe Konsumstimmung nicht mit effektivem Konsum gelichsetzbar -- alles gefaked !
4. Die
SIBO 28.10.2010
Zitat von sysopBundesregierung und Arbeitsagentur feiern den Aufschwung am Arbeitsmarkt. Dieser zeige sich nicht nur daran, dass weniger als drei Millionen Menschen ohne Job sind. Auch die Zahl der freien Stellen sei im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,725822,00.html
Qualität dieser Stellen würde mich mal interessieren. Wetten, alles 400,-- €-Jobs ;-) Von der üblichen Schönfärberei und Zurechtechnerei mal ganz abgesehen.
5. Was soll das Bitte?
marvinw 28.10.2010
Gerade Arbeitsamt vermittel nur noch an die Zeitarbeit. Von diesem 400.000-Anzeigen sind die Hälfte ein Fake der Zeitrabeitsfirmen um die Arbeitskräfte abzugrasen. Die andere Hälfte nur Zeitarbeit. Toller Fortschritt richtig Feudalismus und Mittelalter.
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