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Jobmarkt: Arbeitskosten in Deutschland steigen langsamer als in der EU

Im EU-Vergleich langsam steigende Kosten für Arbeit lassen die deutsche Exportwirtschaft glänzen. Doch der Erfolg hat Schattenseiten: Die Löhne legen kaum zu - die für nachhaltigen Aufschwung wichtige Binnennachfrage auch nicht.

Arbeiter in Augsburg: Aufschwung auf Kosten der Löhne Zur Großansicht
DPA

Arbeiter in Augsburg: Aufschwung auf Kosten der Löhne

Düsseldorf - Die Arbeitskosten in Deutschland steigen in diesem Jahr deutlich langsamer als in anderen europäischen Ländern. 2009 wuchsen die Kosten je geleisteter Arbeitsstunde um 2,3 Prozent, während der Zuwachs in der Eurozone bei 2,9 Prozent lag. Das ergab eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach kostet eine Arbeitsstunde die deutschen Arbeitgeber in der Industrie und im privaten Dienstleistungsbereich durchschnittlich 29 Euro. Deutschland steht damit an siebter Stelle unter den EU-Staaten. Laut IMK-Analyse stiegen die deutschen Arbeitskosten zwischen 2000 und 2009 nominal um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr. Im Euroraum hingegen habe es im Schnitt jährlich ein Plus von 2,9 Prozent gegeben. Die Arbeitskosten setzen sich im Wesentlichen aus Bruttolöhnen und -gehältern sowie den Lohnnebenkosten wie den Arbeitgeberanteilen für die Sozialversicherung zusammen.

Die Folgen des moderaten Arbeitskosten-Anstiegs haben zwei Seiten für die Konjunkturentwicklung: Für die deutschen Exporte, maßgeblich verantwortlich für den Aufschwung, sind die unterdurchschnittlichen Zuwächse vorteilhaft.

Gleichzeitig bremsen Arbeitskosten aber auch das Wachstum. Da die Löhne nur langsam steigen, wird der Konsum nicht gestärkt. Eine stärkere Binnennachfrage würde letztlich deutlich mehr zu Wachstum und Beschäftigung beitragen als der Export. Andere Euroländer mit vergleichbaren Arbeitskostenniveaus, aber höheren Zuwachsraten seien im vergangenen Jahrzehnt stärker gewachsen als Deutschland.

Arbeitslosenquote im Januar so gering wie seit der Wiedervereinigung

Das gilt laut Studie für Frankreich, Belgien, die Niederlande, Finnland oder Österreich. Die Bundesrepublik zählte demnach dagegen zusammen mit Portugal und Italien zu den Schlusslichtern im Euroraum mit einem Wachstum deutlich unterhalb des Durchschnitts.

Für das laufende Jahr prognostiziert die Studie einen Anstieg der deutschen Arbeitskosten um rund zwei Prozent. Die Forscher erwarten aufgrund steigender Energie- und Lebensmittelpreise sowie leicht höherer Sozialabgaben geringere Reallöhne und damit einen geringeren Zuwachs beim privaten Konsum - obwohl die Beschäftigungszahlen wachsen.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Februar um 33.000 auf 3,32 Millionen zurückgegangen. Damit verringerte sich die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Berechnungen des Statistischen Bundesamts zufolge hatten im Januar mehr als 40 Millionen Deutsche einen Arbeitsplatz - der beste Januarwert seit der Wiedervereinigung.

Bosch will 9000 Akademiker einstellen

Im Vergleich zum Februar 2010 verzeichnete die BA im abgelaufenen Monat 326.000 Arbeitslose weniger. Die Erwerbslosenquote hatte vor einem Jahr noch um 0,8 Prozentpunkte höher gelegen, bei 8,7 Prozent. Maßgeblich für die seitdem so gute Entwicklung sei der Konjunkturaufschwung, teilte die Bundesagentur mit. Entlastend wirke außerdem "ein seit mehreren Jahren rückläufiges Arbeitskräfteangebot".

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch kündigte an, in diesem Jahr weltweit mehr als 9000 Akademiker einstellen zu wollen. 1.200 der neuen Stellen sollen in Deutschland entstehen, sagte Bosch-Personalchef Wolfgang Malchow in Stuttgart. Gefragt seien vor allem Elektrotechniker, Physiker, Chemiker, Informatiker und Maschinenbauer, aber auch Absolventen mit kaufmännischem Hintergrund in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Einkauf und Controlling. Bosch hatte bereits im Januar angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter um rund 16.500 auf insgesamt rund 300.000 zu erhöhen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte, die Wirtschaft habe nach der Krise wieder ihre Normalauslastung erreicht. "Dies wirkt sich positiv auf die Investitions- und Einstellungsbereitschaft der Unternehmen aus." Die Grünen und die Linke kritisierten, dass der Aufschwung der vergangenen Monate vor allem mit einem Anstieg bei der Leiharbeit einhergehe.

lgr/AFP/Reuters/dpa

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1. Leben von der Substanz
felixcm 01.03.2011
Diese Fixierung auf Exporterfolge und "wettbewerbsfähige" Arbeitskosten ist auf die Dauer schlecht für unseren WOhlstand. Das aktuelle Wachstum wird nur vorübergehend davon ablenken, dass wir von der Substanz leben und langfristig ärmer werden. Wir brauchen eine ausgeglichene Handelsbilanz und massive (monetäre und politische) Investitionen in zwei Dinge: Bildung für alle und Ressourcen- und Energieeffizienz. Mit der Kombination können wir unseren Wohlstand halten oder sogar irgendwann wieder ausbauen.
2. gut !
frank_lloyd_right 01.03.2011
mal wieder ein sachlicher artikel, der gesunden, neutralen stoff zum ueberlegen liefert. das hier war ja mal ein (mit)denkermagazin, aber es kommt mehr und mehr panorama - kriegt ihr das auch mit, dass die denker ne plattform brauchen ? dass es immer so 15% denker gibt und 70% prekarionten ? weitere 15% sind schlicht nicht relevant in dieser gleichung. dass ihr immer noch (!) die besten voraussetzungen bietet in deutschland ? aber wie lange ? viele fragen sich das derzeit. eure internetabbonnenten der zulunft wollen qualitaet und keine (auch keine linke) meinungsmache. leider bewegt ihr euch stark in dieser ganz und gar bescheuerten, populistischen richtung. haben die springer-leute euch einen "schlaefer" untergejubelt ??? das habe ich mich schon mehrmals gefragt... versaut es nicht.
3. Nix Neues unter der Sonne
Krolog 01.03.2011
Es fehlt der Zusatz "immer noch..." Unsere Arbeitskosten (auch Löhne genannt) steigen nämlich seit 1991 real fast gar nicht mehr. Gemessen an der Arbeitsproduktivität fallen sie sogar beständig, was wiederum unsere Wettbewerbsfähigkeit nach oben treibt. Hohe Wettbewerbsfähigkeit klingt eigentlich ganz toll, aber der Gegenwert dafür sind vor allem faule Kredite aus dem Ausland. Und der Preis, den wir dafür zahlen ist ein scheintoter Binnenmarkt (GfK-Propaganda zum Trotz). Keine wirklich guten Nachrichten... Recht aufschlussreich dazu: http://www.querschuesse.de/schwache-private-konsumausgaben-statt-xxl-konsum/
4. Sprache ist verräterisch
debreczen 01.03.2011
Zitat von sysopIm EU-Vergleich langsam steigende Kosten für Arbeit lassen die deutsche Exportwirtschaft glänzen. Doch der Erfolg hat Schattenseiten: Die Löhne legen kaum zu - die für nachhaltigen Aufschwung wichtige Binnennachfrage auch nicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,748425,00.html
1) "Jobmarkt" hört sich schon nach billig beliebig Resterampe an! Anständige Arbeit müßte womöglich anständig bezahlt werden. 2) "Arbeitskosten" dieses McKinseydeutsch sollte der Autor für das Spezialpublikum leistungsfreier Geldempfänger oder seine INSM-Kollegen aufheben. Für die Mehrheit der Menschen ist das der Arbeitslohn einschließlich Sozialversicherung. Und daß die - bereinigt um die Realkostensteigerung im Sektor "notwendiger Lebensunterhalt" stetig sinken, das kann Ihnen a) jeder Facharbeiter erzählen und sollte b) nicht in dieser einseitigen Wortwahl geschildert werden
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