Jobmarkt im Februar: Arbeitslosenzahl fällt auf 21-Jahres-Tief

Eis und Schnee haben die Arbeitslosenzahl zwar leicht ansteigen lassen, doch selten zuvor waren so wenige Menschen im Februar auf Jobsuche. Die Arbeitslosigkeit im vergangenen Wintermonat ist saisonbereinigt die niedrigste seit 21 Jahren - trotz Euro-Krise.

Bauarbeiter in Frankfurt am Main: Februarkälte lässt Arbeitslosenzahlen steigen Zur Großansicht
DPA

Bauarbeiter in Frankfurt am Main: Februarkälte lässt Arbeitslosenzahlen steigen

Nürnberg - Klirrender Frost in der ersten Februarhälfte hat die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Januar noch einmal um rund 26.000 steigen lassen. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte, waren 3,11 Millionen Frauen und Männer arbeitslos. 203.000 weniger als im Februar 2011 und so wenige wie seit 21 Jahren nicht. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich um 0,1 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent.

Wegen der extremen Kälte hatte Anfang des Monats die Arbeit auf vielen Baustellen geruht - trotz der dämpfenden Wirkung des sogenannten Saisonkurzarbeitergeldes hat das den einen oder anderen Bauarbeiter vorübergehend den Job gekostet. "Die Arbeitslosigkeit ist allein aufgrund des frostigen Winterwetters gestiegen", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Der Arbeitsmarkt zeigt sich in der aktuellen konjunkturellen Schwächephase robust." Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen blieb die Arbeitslosenzahl nach BA-Berechnungen unverändert.

Nach Abzug dieser saisonalen Faktoren überwiegt bei Fachleuten der Optimismus. "Viele Indikatoren deuten auf eine weitere Expansion am Arbeitsmarkt hin. Das zeigte beispielsweise die weiterhin wachsende Zahl bei den offenen Stellen im Januar", sagt Konjunkturforscher Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut. Vor allem Dienstleistungsunternehmen aber auch viele Baufirmen planten dem Ifo-Beschäftigungsbarometer zufolge weiterhin Neueinstellungen.

Arbeitskräftenachfrage sinkt

Allerdings war die Lage für Jobsuchende im Februar nicht mehr ganz so rosig wie in den Monaten zuvor. Erstmals seit dem Ende der Finanzkrise ist die Arbeitskräftenachfrage nach Feststellungen der Bundesagentur wieder etwas stärker geschrumpft.

Den Arbeitsagenturen seien weniger neue Stellen als in den Vormonaten gemeldet worden. Abgesehen von einer Delle im Sommer 2011 war die Nachfrage nach Arbeitskräften seit Juni 2009 kontinuierlich gestiegen und hatte zuletzt ein Rekordniveau erreicht.

Zahl der Erwerbstätigen auf Rekordstand

Gleichzeitig stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auch im Januar weiter. Im Vergleich zum Vorjahr legte sie um 577.000 oder 1,4 Prozent auf 41,06 Millionen zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Damit sei erstmals in einem Januar die Marke von 41 Millionen Erwerbstätigen übertroffen worden.

Im Januar sei die Jahreszuwachsrate höher gewesen als in den Vormonaten Dezember und November 2011, in denen die Erwerbstätigkeit um jeweils 1,3 Prozent gestiegen sei. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt habe sich damit zum Jahresbeginn 2012 fortgesetzt, teilten die Statistiker mit.

Gegenüber dem Vormonat Dezember sei die Zahl der Erwerbstätigen im Januar 2012 saisonal bedingt um 353.000 Personen oder 0,9 Prozent gesunken. Saisonbereinigt ergebe sich jedoch ein Zuwachs von 93.000 Personen oder 0,2 Prozent.

nck/dpa/dapd

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insgesamt 194 Beiträge
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1. Zahlen nicht nachvollziebar
hubertrudnick1 29.02.2012
Zitat von sysopDPAEis und Schnee haben die Arbeitslosenzahl zwar leicht ansteigen lassen, doch selten zuvor waren so wenige Menschen im Februar auf Jobsuche. Die Arbeitslosigkeit im letzten Wintermonat ist saisonbereinigt die niedrigste seit 21 Jahren - trotz Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818294,00.html
Geschönte Zahle, sie sind für mich nicht nachvollziehbar. Jeden Monat das gleiche verlogene Spiel.
2.
dandy 29.02.2012
Zitat von hubertrudnick1Geschönte Zahle, sie sind für mich nicht nachvollziehbar. Jeden Monat das gleiche verlogene Spiel.
Wie man die Zahlen so hintrickst wie man Sie haben will, hat das Merkel ja in der DDR gelernt
3. In Wahrheit haben wir....
hesse 29.02.2012
Zitat von sysopDPAEis und Schnee haben die Arbeitslosenzahl zwar leicht ansteigen lassen, doch selten zuvor waren so wenige Menschen im Februar auf Jobsuche. Die Arbeitslosigkeit im letzten Wintermonat ist saisonbereinigt die niedrigste seit 21 Jahren - trotz Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818294,00.html
2 Millio. Arbeitslose mehr als angegeben. Sie sind nur versteckt in Hartz 4, 400 €-Jobs usw usw.
4. Zahl der Erwerbstätigen
dr.hammer 29.02.2012
Zitat von sysopDPAEis und Schnee haben die Arbeitslosenzahl zwar leicht ansteigen lassen, doch selten zuvor waren so wenige Menschen im Februar auf Jobsuche. Die Arbeitslosigkeit im letzten Wintermonat ist saisonbereinigt die niedrigste seit 21 Jahren - trotz Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818294,00.html
wie immer im SPON unerwähnt: "Erwerbstätig im Sinne der ILO-Definition ist jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde lang gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat." Quelle: destatis Statistisches Bundesamt Deutschland - Methodische Hinweise (http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2012__01/Methoden,templateId=renderPrint.psml)
5. 1²³
cp³ 29.02.2012
Zitat von sysopDPAEis und Schnee haben die Arbeitslosenzahl zwar leicht ansteigen lassen, doch selten zuvor waren so wenige Menschen im Februar auf Jobsuche. Die Arbeitslosigkeit im letzten Wintermonat ist saisonbereinigt die niedrigste seit 21 Jahren - trotz Euro-Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818294,00.html
Vielleicht sollten die Zahlen mit der Bemessungsgrundlage von 1991 erhoben werden - das wäre eine Schlagzeile!
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Erwerbstätige in Deutschland in Millionen
Jan 10 39,737
Feb 10 39,753
Mrz 10 39,920
Apr 10 40,167
Mai 10 40,339
Juni 10 40,399
Juli 10 40,354
Aug 10 40,412
Sep 10 40,722
Okt 10 40,905
Nov 10 40,921
Dez 10 40,794
Jan 11 40,203
Quelle: Statistisches Bundesamt / ILO

Was ist Hartz IV?
Die Reform
Hartz IV ist die größte und umstrittenste Arbeitsmarktreform in der Geschichte der Bundesrepublik. Benannt ist sie nach dem damaligen Volkswagen-Personalchef Peter Hartz, der als Leiter einer Regierungskommission die Grundlagen der Reform vorgeschlagen hatte. Am 1. Januar 2005 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.
Fördern und Fordern
Kernpunkt der vieldiskutierten Gesetze ist die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu einer einheitlichen Grundsicherung. Davor hatten sich die bundeseigenen Arbeitsagenturen und die kommunalen Sozialämter die Betreuung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern geteilt. Das Nebeneinander von zwei unterschiedlichen Systemen wurde abgeschafft, erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger sollten nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" in die aktive Arbeitsvermittlung eingebunden werden.
Die Höhe der Leistung
Empfänger der früheren Arbeitslosenhilfe erhalten ebenso wie arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger die gleichen Bezüge: das sogenannte Arbeitslosengeld II. Vereinfachend wird das Arbeitslosengeld II oft auch als "Hartz IV" bezeichnet. Die Bezüge orientieren sich an der früheren Höhe der Sozialhilfe. Pro Monat beträgt die Leistung 359 Euro - Unterkunft, Heizung und sonstige Zulagen nicht eingeschlossen.
Strenge Regeln
Mit Hartz IV soll eine intensivere Betreuung bei der Suche nach einem neuen Job verbunden sein. Zugleich wurden aber auch die Zumutbarkeitskriterien verschärft. Prinzipiell gilt jede legale Arbeit als zumutbar, auch wenn sie deutlich unter Tarif bezahlt wird. Wer Jobangebote ausschlägt, muss erhebliche finanzielle Kürzungen in Kauf nehmen.
Wer bekommt Hartz IV?
Die Politik führt eine heftige Debatte über die Weiterentwicklung von Hartz IV - doch wer bezieht die Arbeitslosenhilfe eigentlich? SPIEGEL ONLINE hat demografische Merkmale zusammengetragen.
Schulbildung
Schulabschluss Anteil in Prozent
Noch Schüler 4,2
Schule beendet ohne Abschluss 8,4
Sonder-/ Förderschule 1,2
Hauptschule 47,2
Realschule 29
Fachhochschule 1,9
Abitur 7,5
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"
Berufsbildung
Berufsbildung Anteil in Prozent
Schüler an allgemeinbildender Schule 4,4
Kein beruflicher Abschluss 37,5
Anlernausbildung, Hilfsjob 4,3
Lehre, betriebliche Ausbildung 36,6
Berufsfachschule 6,4
Meister, Techniker 3,2
Berufsakademie 0,8
Diplom (FH), Bachelor 2,2
Diplom (Uni) oder BA 3,0
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"
Migrationshintergrund
Migrationshintergrund Anteil in Prozent
Kein Migrationshintergrund 60
Selbst zugezogen 29,8
Mindestens ein Elternteil zugezogen 6,1
Mindestens ein Großelternteil zugezogen 2,2
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"
Behinderung
Behinderung Anteil in Prozent
Amtlich festgestellt 10,3
Nicht amtlich festgestellt 86,7
Antrag gestellt 2,9
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"
Schwerwiegende gesundheitliche Einschränkung
Schwerwiegende gesundheitliche Einschränkung Anteil in Prozent
Ja 27,8
Nein 71,9
Werte gerundet, fehlende Anteile zu 100 Prozent: keine oder falsche Angaben; Quelle: IAB "Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"
Verweildauer
Viele Arbeitslose beziehen laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung über einen längeren Zeitraum Hartz IV. Im Dezember 2007 waren demnach 78 Prozent der Leistungsempfänger mindestens zwölf Monate ununterbrochen im Leistungsbezug. Bei rückläufigen Empfängerzahlen sank die Zahl der Langzeitbezieher kaum. ssu

Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.