Euro-Krise Regierung kürzt Jobprogramm für junge EU-Arbeitslose

Die Bundesregierung versprach jungen Arbeitslosen in der EU Förderung und neue Jobs. Doch die Nachfrage ist offenbar zu hoch. Arbeitsministerin Andrea Nahles streicht das Angebot massiv zusammen, wegen Überlastung und Finanzierungslücken.

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Jugendliche in Athen: Besseres Leben in Deutschland
REUTERS

Jugendliche in Athen: Besseres Leben in Deutschland


Hamburg - Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen in den kommenden vier Jahren pro Jahr maximal 2000 junge Menschen durch das unter dem Namen "Job of my Life" beworbene Programm "MobiPro EU" gefördert werden. Bundesarbeitsministerium Andrea Nahles (SPD) unterrichtete am Mittwochmorgen die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales über diese Entscheidung.

Das Ministerium wollte sich zu den Informationen auf Anfrage nicht konkret äußern. Man befinde sich in Abstimmungsgesprächen. Ein Sprecher betonte aber, die weitere Planung orientiere sich "vorrangig nicht an einem Bedarf bezüglich der ausbildungsinteressierten Menschen", sondern "an den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln".

Die Kürzung ist ein fatales Signal an Europas Jugend: Ex-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte das Programm erst Ende 2012 mit viel Tamtam gestartet. Deutschland wolle mit "MobiProEU" "jungen, arbeitslosen Europäern auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine Perspektive" geben, versprach von der Leyen damals. Auch Kanzlerin Angela Merkel beteuerte, dass es in Europa angesichts von Arbeitslosenquoten junger Menschen von zum Teil mehr als 50 Prozent keine verlorene Generation geben dürfe.

Und so schlug das Programm auch mit voller Wucht ein: Allein in den ersten 17 Monaten kamen insgesamt etwa 9000 junge Menschen aus ganz Europa nach Deutschland. Doch der Erfolg überforderte die Behörden, in finanzieller und bürokratischer Hinsicht. Ihnen fehlt genug qualifiziertes Personal, das mit der Antragsflut fertig wird.

Am 8. April zog das Arbeitsministerium die Notbremse und legte das Programm fürs Erste auf Eis. Nun glaubt Arbeitsministerin Nahles, mit der Deckelung auf 2000 Plätze pro Jahr eine Lösung gefunden zu haben. Die Opposition jedoch ist erbost. "Dieses Programm wird gerade für viele Jugendliche in Südeuropa von der Verheißung zur bitteren Enttäuschung", kritisiert die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer. Die Regierung habe das Programm "ins Schaufenster gestellt und gehofft, dass es niemand kauft", so ihr Vorwurf. Tatsache sei, dass die Deckelung auf 2000 Teilnehmer weder ein ernsthafter Betrag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa noch zur Linderung des Fachkräftemangels in Deutschland sei.

In der Praxis zeigt sich schon jetzt, wozu das Hin und Her der vergangenen Wochen geführt hat. Wie beispielweise die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) berichtet, gibt es in Hannover und Göttingen 77 junge Spanier, die seit Monaten auf Leistungen aus dem Programm warten. Dabei handelt es sich um dreimonatige Probepraktika, für die es die Förderung gibt. Doch die lässt teilweise oder ganz auf sich warten.

"Man kann nicht einfach Jugendliche nach Deutschland holen und dann mal schauen, was daraus wird", sagt Günter Hirth, Leiter Berufsbildung bei der IHK Hannover. "Diese Menschen vertrauen Deutschland." Die Mittel, die zugesagt wurden, müssten jetzt fließen.



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Seite 1
Egbert.Quirl 07.05.2014
1. ...heisse "Berliner Luft"
Zitat von sysopREUTERSDie Bundesregierung versprach jungen Arbeitslosen in der EU Förderung und neue Jobs. Doch die Nachfrage ist offenbar zu hoch. Arbeitsministerin Andrea Nahles streicht das Angebot massiv zusammen, wegen Überlastung und Finanzierungslücken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jobprogramm-fuer-jugendliche-regierung-kuerzt-programm-mobiproeu-a-968074.html
.....diese totale Fehleinschätzung seitens der Arbeitsbehörden zeigt, wie weit wir teilweise in Europa (...noch) voneinander entfernt sind. Deutsche Betriebe fahren beispielsweise auf die Kanaren (Arbeitslosenq. = 33%, unter jungen Leuten deutlich höher), um junge Spanier (zumeist bis 30 Jahre) zu engagieren, und wenn es wirklich auf die zu leistende Hilfe ankommt, werden Betriebe und ausbildungwillige Leute richtig im Regen stehen gelassen. Sonst lese ich immer vom riesigen Fachkräftemangel vor Ort, wie passt dies zusammen?¿
cvdheyden 07.05.2014
2. Mal wieder nicht weit genug gedacht....
Es ist immer das selbe mit diesen sogenannten Führungskräften die sich Minister nennen. Immer wieder werden Programme nicht zu ende gedacht und wieder werden Menschen davon direkt betroffen. So auch die jetzige Entscheidung, einfach mal zusammen streichen und junge Leute dann auf dem Trockenen sitzen lassen. Geld verteilen und dann immer mal wieder streichen. Welch ein gewaltiges Repertoire dieser Steuerleute. Frau Nahles wird sich damit sicher weiter empfehlen.
LeBigMacke 07.05.2014
3.
Zitat von sysopREUTERSDie Bundesregierung versprach jungen Arbeitslosen in der EU Förderung und neue Jobs. Doch die Nachfrage ist offenbar zu hoch. Arbeitsministerin Andrea Nahles streicht das Angebot massiv zusammen, wegen Überlastung und Finanzierungslücken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jobprogramm-fuer-jugendliche-regierung-kuerzt-programm-mobiproeu-a-968074.html
Das Geld wird ja schließlich für Mütter und v.a. Rentner ab 63 gebraucht, zwei große Wählergruppen, die man sich mit dieser massiven Mehrbelastung geangelt hat und halten will, auf Kosten aller. Dieser Geldmangel ist, wie so oft, der unsäglichen Ausnahmeregelungswut unserer Politik (und natürlich auch ihrer Wähler) zu verdanken, denn was das angeht, sind die Deutschen die wahren Weltmeister.
Forist2 07.05.2014
4. Bleiben die in Deutschland nach der Ausbildung ?
Oder gehen die dann zurück in ihre Heimat ? Ich hoffe doch, daß die wenigstens was unterschreiben müssen, daß sie mindestens 5 Jahre in Deutschland dann arbeiten müssen. Sicher geht das wieder mal nach EU-Recht nicht. Es ist eben leichter den Deutschen Dackeln die Rente zu kürzen als Gegenleistungen von anderen zu fordern.
Finsternis 07.05.2014
5. Die Mittel, die zugesagt wurden, müssten jetzt fließen.
Und damit wäre alles gesagt. Das Problem, die Jugend und ihre Probleme zu ignorieren weil sie einen nicht selbst betreffen, wird sich dann im Alter rächen und zwar gewaltig. Zum Thema Fachkräftemängel, erst kürzlich Stellenausschreibungen gesehen wo einige Firmen einen Realabschluss erwarten und andere ein Abitur mit 10 oder mehr Punkten in allen Hauptfächen und das man mit einem solchen Abitur auf allen Unis angenommen wird, der Beruf aber weniger als 1.500€ (nach der Ausbildung) einbringt, dann frage ich mich wonach es hier ernsthaft mangelt und warum diese Unterschiede zwischen Firmen so gravierend sind.
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