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Europas Krise: Forscher sehen strukturelle Gründe für Jugendarbeitslosigkeit

Von , Berlin

Spanische Arbeitslose vor einem Jobcenter (Archiv): "Verlorene Generation" Zur Großansicht
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Spanische Arbeitslose vor einem Jobcenter (Archiv): "Verlorene Generation"

7,5 Millionen junge Europäer haben weder einen Job noch eine Ausbildung. Eine Studie macht dafür strukturelle Gründe verantwortlich. Doch auch die Forscher selbst werden kritisiert.

Die Euro-Krise scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben, doch noch immer sind Millionen Jugendliche in Südeuropa ohne Arbeitsplatz. "Das ist ein unhaltbarer Zustand", sagt der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, Clemens Fuest. Sein Haus hat am Dienstag eine im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung durchgeführte Studie vorgestellt, die Gründe für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, Italien und Portugal nennt.

Rund 7,5 Millionen junge Europäer gehen den Forschern zufolge derzeit weder einer Beschäftigung noch einer Ausbildung nach. Die Gründe dafür sind laut der Studie struktureller Natur: Strikte Arbeitsgesetze, falsche Schwerpunkte im Bildungssystem sowie kontraproduktive Maßnahmen auf Landes- und EU-Ebene sind nur einige der Aspekte, die das vorgestellte Papier aufzeigt.

Für ihre Erkenntnisse haben die Forscher zahlreiche bereits vorhandene Studien von 1990 bis heute ausgewertet, zudem wurden Interviews mit Arbeitsmarktexperten geführt. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass das Problem der Jugendarbeitslosigkeit auch schon vor der Finanzkrise bestand, es aber durch diese extrem verstärkt wurde. Die Jugendlichen leiden demnach besonders unter der schwachen Wirtschaftslage.

Spanien

Hier stecken besonders viele junge Menschen in befristeten Verhältnissen. Während der Kündigungsschutz bei diesen Verträgen äußerst liberal gehandhabt werde, sei er bei unbefristeten Anstellungsverhältnissen sehr streng, urteilen die Forscher. Es ist also einfacher, junge Menschen auf die Straße zu setzen. Hier seien zwar Reformen auf den Weg gebracht worden, allerdings noch nicht ausreichend.

Ein weiteres Problem in Spanien ist nach Meinung der Autoren das Bildungssystem. Zwar habe fast jeder zweite junge Spanier einen Hochschulabschluss, doch die praktische Erfahrung komme zu kurz. Arbeitgeber beklagten den Mangel an praktischen Kompetenzen. Stiftungschefin Ingrid Hamm spricht von einem "Mismatch in der Ausbildung".

Italien

Hier sind viermal so viele Jugendliche wie ältere Menschen ohne Job. Die Verfasser der Studie sehen die Ursachen hierfür vor allem in der niedrigen Qualität des Bildungssystems: Italien sei demnach das einzige Land in Europa, das seine Ausgaben für das Grund- und Sekundarschulwesen im Verhältnis zu den Schülern seit 1995 nicht erhöht habe. Zudem seien die Heranwachsenden nur eingeschränkt mobil.

Portugal

Die Forscher bemängeln, dass es den Jugendlichen ebenfalls an praktischer Erfahrung in den Betrieben fehle, von Arbeitgeberseite seien die Investitionen in die Ausbildung zu gering. Zudem sorge die Lohnstruktur dafür, dass auch Lehrlingen ein verhältnismäßig hohes Gehalt zustehe - ein Hemmnis für Einstellungen.

Kritik übten die Verfasser der Studie auch an den EU-Bemühungen, etwa der beschlossenen "Jugendgarantie": "Der derzeitige Ansatz der EU, jedem Jugendlichen innerhalb von vier Monaten mit öffentlichen Mitteln irgendein Angebot zu machen, ist daher problematisch", sagte ZEW-Chef Fuest. Staatliche Ausbildungsplätze und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien meist keine starke Brücke in den Arbeitsmarkt.

Gewerkschaften üben Kritik an Studie

Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Sontowski, der die Studie in Berlin in Empfang nahm, sprach sich für ein Engagement von Politik und Wirtschaft bei der Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit aus: "Die Probleme der Nachbarstaaten dürfen uns nicht kaltlassen", sagte der SPD-Politiker. Die Jugendlichen könnten diese Situation als "Fehlstart ins Leben" begreifen.

Gegenwind bekamen die Forscher allerdings von den Gewerkschaften. "Die Empfehlungen der Bosch-Stiftung gehen in die falsche Richtung. Mit der Lockerung des Kündigungsschutzes und der Aufweichung der Tarifvertragsrechte werden keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern Arbeitnehmerrechte abgebaut", sagte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

Dass es nicht nur ökonomisch wichtig sei, Europas Jugendlichen Zukunftswege aufzuzeigen, sondern auch politisch, wurde bei der Vorstellung ebenfalls deutlich: "Eine solche Entwicklung begünstigt viele Strömungen, die nicht zu begrüßen sind", sagte Hamm: "Dazu gehören etwa Rechtsextremismus und die Abkehr vom europäischen Gedanken."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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1. Markt
CommonSense2006 27.08.2014
Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist kein Gesetz, dass von irgendeinem Gesetzgeber erlassen wurde und das wir mal schnell ändern könnten, wenn es uns nicht gefällt Es ist eher ein Naturgesetz und es gilt auch, wenn wir uns die Augen zuhalten oder uns etwas anderes wünschen. Und so ist es auch auf dem Arbeitsmarkt: Wenn das Angebot groß und die Nachfrage niedrig ist, sinkt der Gleichgewichtspreis. Wenn aber durch gesetzliche Vorschriften (auch wenn diese gut gemeint sind) das Sinken des Preises für Arbeit verhindert wird, dann bleibt eben ein Teil des Angebotes ungenutzt und daraus resultiert eine hohe Arbeitslosigkeit. Da können sich die Gewerkschaften wünschen, was sie wollen, aber dieser grundsätzliche Zusammenhang wird immer so funktionieren.
2. Nein,
nixkapital 27.08.2014
Zitat von CommonSense2006Das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist kein Gesetz, dass von irgendeinem Gesetzgeber erlassen wurde und das wir mal schnell ändern könnten, wenn es uns nicht gefällt Es ist eher ein Naturgesetz und es gilt auch, wenn wir uns die Augen zuhalten oder uns etwas anderes wünschen. Und so ist es auch auf dem Arbeitsmarkt: Wenn das Angebot groß und die Nachfrage niedrig ist, sinkt der Gleichgewichtspreis. Wenn aber durch gesetzliche Vorschriften (auch wenn diese gut gemeint sind) das Sinken des Preises für Arbeit verhindert wird, dann bleibt eben ein Teil des Angebotes ungenutzt und daraus resultiert eine hohe Arbeitslosigkeit. Da können sich die Gewerkschaften wünschen, was sie wollen, aber dieser grundsätzliche Zusammenhang wird immer so funktionieren.
...Wirtschaft ist menschengemacht und mitnichten quasi ein Naturgesetz. Wir haben durchaus die Möglichkeit, die Spielregeln zu ändern. Und das wird in den den nächsten 20 - 30 Jahren auch geschehen, weil immer mehr Leute die Nase voll haben von der derzeitigen Form des Kapitalismus. Die Änderungen werden genau von der Generation kommen, die jetzt wesentlich mehr um gesellschaftliche Teilhabe kämpfen muss als es die bisherigen Nachkriegsgeneration je mußten.
3. Lieber arbeitslos u. jeden Sonntag Paella
dosmex 27.08.2014
Warum ist für die beschäftigungslosen Jugendlichen des Olive Belts die Arbeit im Ausland keine echte Alternative? Ihre Großväter wanderten seinerzeit massenhaft aus in die Nordländer. Heute hört man nur von geringen Zahlen, davon, dass viele sich nicht an das Leben etwa in D gewöhnen können, das Wetter so kalt, die Sprache lernen, oh Gott usw.; manchen werden, wie ich in einem Spon-Artikel las, Psychologen zur Seite gestellt, nur damit sie bleiben. Da wundert man sich dann doch ein wenig: Wenn diese Jugendlichen kaum in signifikanten Mengen ihr Glück in anderen europäischen Ländern suchen, kann die Arbeitslosigkeit und damit verbundene Not daheim dann doch nicht so furchtbar sein. Also lieber arbeitslos daheim und dafür jeden Sonntag Paella.
4. Kündigungsschutz
dasdondel 27.08.2014
für ältere Mitarbeiter lockern damit jüngere eingestellt werden ? Falls das funktioniert, dann werden also ältere Mitarbeiter gekündigt, also Menschen, die Familie haben und ihr Haus abbezahlen. Der jüngere Mitarbeiter bekommt dann natürlich weniger Gehalt. Im Schnitt schwächt das die Kaufkraft. die Folge : mehr Arbeitslose.
5. @2
j.c78. 27.08.2014
Sie haben Recht. Die Leute haben die Schnauze voll. Leider funktioniert das bisherige System nicht. Das liegt unter anderem daran, das Waren und Dienstleistungen in anderen Ländern deutlich billiger produziert werden. Wir sind mit unserem Gehalt schlichtweg zu teuer für den Weltmarkt. Und, wenn ich mir den run auf die Angebote im Dicounter anschaue, gilt das auch für die deutschen Konsumenten. Eine Lösung wäre eine Konzentration auf qualitativ hochwertige , in der EU prodzierte Waren. Das würde jedoch für die Menschen, die derzeit einen vermeintlich sicheren Job innehaben, einen faktischen Konsumverzicht bedeuten. Dazu sind die allerwenigsten bereit. Wir schimpfen immer über "die" in Politik und Wirtschaft. Die waren Verursacher sind jedoch die Bürger mit ihrem Konsumverhalten. Eigenes Fehlverhalten wird durch die Schuldzuweisung auf "die" kompensiert. Wenn jeder seine Brötchen beim Becker und die nächsten drei größeren Anschaffungen im Fach-statt im.Onlinehandell tätigt tut er mehr für die Beschäftigten junger Menschen, als mit gut gemeinten Protestmärschen vor der örtlichen Sparksse. Aber es ist wie immer. Wir Deutschen suchen die Ursache immer bei Umständen außerhalb unseres Einflussbereiches.
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