Juncker zur Griechenland-Krise "Einige Länder waren viel strenger als die Deutschen"

Die EU hält Griechenland streng auf Sparkurs, vor allem die deutsche Kanzlerin steht deshalb in der Kritik. Jetzt nimmt der EU-Kommissionspräsident sie in Schutz.

Politiker Juncker: Deutschland führt EU nicht mit eiserner Hand
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Politiker Juncker: Deutschland führt EU nicht mit eiserner Hand


Madrid - EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nimmt Deutschland in Schutz. Kanzlerin Angela Merkel führe die Europäische Union nach seiner Ansicht nicht mit eiserner Hand, sagte Juncker der spanischen Zeitung "El País". "Es gab mehrere Länder, die viel strenger waren als die Deutschen", sagte er. Namentlich nannte er die Niederlande, Finnland, die Slowakei, die baltischen Staaten und Österreich.

Auch Spanien und Portugal seien zuletzt "sehr anspruchsvoll" mit Griechenland gewesen, sagte der EU-Kommissionspräsident. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte Madrid und Lissabon beschuldigt, die Verhandlungen über eine Verlängerung der EU-Hilfen für Athen aus innenpolitischem Kalkül torpediert zu haben.

In Spanien und Portugal werden zwar erste Erfolge der Reformen sichtbar - in Form ordentlicher Zuwachsraten der Wirtschaft, sinkender Staatsausgaben und einer Verringerung der Schuldenlast der privaten Haushalte. Doch Spanier und Portugiesen leiden noch immer unter der hohen Arbeitslosigkeit und müssen sich mit geringen Löhnen, Renten und Sozialleistungen bescheiden. Die Regierungen in Spanien und Portugal lehnen einen Schuldenerlass für Griechenland ab, weil sie ihre Landsleute danach kaum noch bewegen könnten, die Entbehrungen weiter zu dulden.

Im Interview mit "El País" räumte Juncker ein, dass die internationalen Geldgeber gegenüber den Krisenstaaten oft nicht genügend Respekt aufgebracht hätten. "Die Länder, die gerettet wurden, verhandelten nicht mit der EU-Kommission oder der Euro-Gruppe, sondern mit Beamten. Und das war unangebracht."

ssu/dpa-AFX



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
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ClausWunderlich 04.03.2015
1.
Mir war und ist Frau Merkel (CDU) nicht streng genug was Griechenland und das Sparen angeht! Bin ich bezogen auf Deutschland da eine Minderheit?
tageskolumne 04.03.2015
2. Letztlich egal, welches Land wie streng mit Griechenland ist...
...Fakt ist in jedem Fall, dass es Griechenland keinem einzigen EU-Land recht machen kann, zumal ja offenbar die Steuereinnahmen seit der Regierungsübernahme durch Tsipras massiv eingebrochen sind. Die Hellenen werden also schon in sehr naher Zeit keine Liquidität mehr besitzen, und dann wird das Gespenst des Staatsbankrotts definitiv hervorplatzen. Und dann, man muß sich das klar machen, ist nicht nur der Euro passé und die Gläubiger geprellt: nein, dann wird in dem kleinen Land Anarchie herrschen, die wahrscheinlich nur durch eine Art Militär-Regierung mühsam wieder geordnet werden kann. Auf das (seit rund 2 Jahrzehnten politisch wie fiskalisch recht verwilderte) Griechenland warten harte Jahre der Disziplinierung. Es wäre ein Freundschaftsdienst für das ganze Land, wenn die EU und die (bisherige) Regierung in Athen jetzt schon die Weichen dafür stellen, dass bei dem bald drohenden Eingriff möglichst Chaos und Blutvergießen vermieden werden können, sondern der drohende Umschwung als konstruktive Chance für einen Neuanfang dargestellt wird.
Atheist_Crusader 04.03.2015
3.
""Es gab mehrere Länder, die viel strenger waren als die Deutschen", sagte er. Namentlich nannte er die Niederlande, Finnland, die Slowakei, die baltischen Staaten und Österreich." Ja, aber die haben nicht so viel Stimmgewicht. Und knicken halt nicht ein wenn man sie Nazis nennt.
Wassup 04.03.2015
4. Agenda 2010 - hatten wir auch!
Je länger Griechenland sich mit echten Reformen zurück hällt, desto teurer, brutaler werden die Einschnitte werden. Selbst Hilfsmilliarden helfen nicht, wenn sie in einem ineffizienten System einfach versickern.
happy2010 04.03.2015
5.
Juncker steht wie KEIN ZWEITER auf diesem Erdball für Abzocke und Gier Während der Rest der Industrienationen in Schulden versinkt, zockt sein Vaterland Luxemburg mit Dumpinsteuer seit 1930 alle Nachbarstaaten ab, (Versicherungsgeschäfte nahezu steuerfrei). Seit wenigen Jahren kommen aus Gier auch noch die Persilsteuerbescheide für Großkonzerne (Amazon Google etc..) hinzu, und alleine diese Gesetzgebungen verichtet in Spanien, Frankreich, Griechenland, Deutschland...HUNDERTE von Milliarden Steuereuroeinnahmen. Und so ein Suppenkasper fordert dann solides Haushalten Da wird einem speiübel
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