Britische Überseegebiete Cameron tadelt Steueroasen

Britische Jungferninseln, Kaimaninseln oder Isle of Man: Viele Steueroasen sind britische Überseegebiete oder Kronbesitz. Premier Cameron hat die Regionen jetzt in einem Brief getadelt - und mehr Zusammenarbeit im Kampf gegen die Steuerflüchtlinge verlangt.

Castletown auf der Isle of Man: "Haus in Ordnung bringen"
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Castletown auf der Isle of Man: "Haus in Ordnung bringen"


London - Im Kampf gegen grenzüberschreitende Steuerflucht hat Großbritanniens Premierminister David Cameron die britischen Überseegebiete und Kronbesitzungen zu einer stärkeren Zusammenarbeit mit der Regierung und den Ermittlungsbehörden aufgefordert. Wie die Nachrichtenagentur PA am Montagmorgen berichtete, unterstrich er in einem Brief an die Führungen der Gebiete zwar deren Recht, niedrige Steuersätze festzulegen. Die Regeln müssten jedoch fair festgelegt und durchgesetzt werden. Er rief zu mehr Transparenz bei Steuerdaten und Besitzverhältnissen von Firmen auf.

Viele der international als Steueroasen gebrandmarkten Regionen sind britische Überseegebiete oder britischer Kronbesitz. Im kommenden Monat findet in Nordirland der Gipfel der acht größten Industrienationen statt. Als Hauptziel des britischen G8-Vorsitzes hat Cameron die Trockenlegung der Steueroasen vorgegeben.

"Einen Monat bis dahin, ist dies jetzt der entscheidende Moment, unser eigenes Haus in Ordnung zu bringen", schrieb Cameron an die Führungen der Bermudas, der Britischen Jungferninseln, der Kaimaninseln, Gibraltars, Montserrats, der Turks- und Caicosinseln sowie der Kronbesitzungen Jersey, Guernsey und Isle of Man. Dabei gehe es um zwei entscheidende Fragen: den Austausch von Steuerdaten und die Benennung der wirtschaftlichen Eigentümer der Firmen.

Zwar glaube er, dass niedrige Steuern ein Motor für Wachstum und Wohlstand seien, schrieb Cameron. "Aber niedrige Steuern sind nur dann tragbar, wenn das, was geschuldet ist, auch tatsächlich gezahlt wird." Cameron forderte die Schaffung und Einhaltung weltweiter Standards. "Es hat keinen Sinn, Steuerflucht in einem Land anzugehen, wenn das Problem einfach in ein anderes verlegt wird."

Der Premier begrüßte die von den Überseegebieten bereits angekündigte Offenlegung von Steuerdaten. Es gebe jedoch noch Steigerungsmöglichkeiten hinsichtlich der "Qualität und Exaktheit". "Das bedeutet, dass wir wissen müssen, wer jedes einzelne Unternehmen wirklich besitzt und kontrolliert", erklärte Cameron.

Anfang April hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, wonach ein riesiger Datensatz 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt hatte. Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in Steueroasen gemacht haben. Genannt wurden dabei auch die Britischen Jungferninseln und die Kaimaninseln, die zu den Adressaten von Camerons Brief zählen.

tok/dpa/afp

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
tao chatai 20.05.2013
1. Aber gestern waren doch alle Zeitungen mit dem kommenden
Austrit aus der EU beschaeftigt,mache machten bis zu 50 % der Waehler aus die dafuer aber bitte- soffort- sind....
richardludwig 20.05.2013
2. Unsinn
Die grossen Nutzer solcher Adressen sind alle bekannt, denn diese planen ihre Steuern und legen das alles ganz legal an, die wenigen die das nicht tun und die nicht bekannt werden wollen haben doch alle moeglichen Hintertueren und legale Tricks zur Verfuegung. Was der da schreibt ist doch alles nur Show. Glaubt wirklich einer das dadurch mehr Steuergerechtigkeit entsteht?
doutdes 20.05.2013
3. fuchs du hast die gans gestohlen....
camerons lippenbekenntnis,um die aufmerksamkeit vom fuchsbau in der londoner city wegzulenken.
doc.nemo 20.05.2013
4. Krokodilstränen
Zitat von sysopGetty ImagesBritische Jungferninseln, Kaimaninseln oder Isle of Man: Viele Steueroasen sind britische Überseegebiete oder Kronbesitz. Premier Cameron hat die Regionen jetzt in einem Brief getadelt - und mehr Zusammenarbeit im Kampf gegen die Steuerflüchtlinge verlangt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jungferninseln-kaiman-oder-isle-of-man-cameron-tadelt-steueroasen-a-900778.html
Da vergießt wieder ein Politiker Krokodilstränen. Als ob sich die Steueroasen im Geheimen entwickelt hätten! Sie sind doch unter Anleitung oder zumindest wissentlicher Duldung aller Regierungen der Industrienationen entstanden, um den Reichen, den Mächtigen und der Politelite selbst einen sicheren Hort für ihr Geld zu bieten. Nun zerbrechen sie sich die Köpfe darüber, wie man vor dem wütenden Volk Aktionismus demonstrieren kann, ohne am System selbst etwas zu ändern. Denn eines steht jetzt schon fest: das Große Geld wird weiterhin keine Steuern zahlen.
spmc-135322777912941 20.05.2013
5. Na ja, eine dieser Inseln kenne ich sehr gut
die werden einen Teufel tun und nach der Pfeife des Kolonialherren tanzen.
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