Justizpanne Maulwurf warnte vor Razzia bei Deutscher Bank

Es sollte ein schwerer Schlag gegen einen der größten Steuerbetrügerringe in der Geschichte der Republik werden - doch die Razzia geriet außer Kontrolle. Ein Maulwurf warnte die Verdächtigen offenbar rechtzeitig vor dem Besuch der Fahnder.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Anruf am Vorabend
DDP

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Anruf am Vorabend


München - Diese Panne wird die hessische Justiz noch eine ganze Weile beschäftigen. Mit großer Sorgfalt hatten die Ermittlungsabteilungen die Aktion vorbereitet, alles koordiniert. Strikte Geheimhaltung war das oberste Gebot, schließlich betrafen die Ermittlungen das derzeit größte Wirtschaftsstrafverfahren in Deutschland. Doch angesichts des Umfangs der Razzia war der Kreis der Eingeweihten zwangsläufig recht groß - und am Ende wohl zu groß.

Am 27. April, dem Abend, bevor die Steuerfahnder unter anderem Büros der Deutschen Bank Chart zeigen durchsuchen wollten, setzte ein Behördenmitarbeiter eine Warnmeldung ab. Das geht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aus abgehörten Telefongesprächen zwischen Angestellten des Finanzinstituts hervor. Mehrere Bankbeschäftigte, gegen die wegen Steuerhinterziehung in großem Stil ermittelt wird, informierten einander demnach an dem Abend über die Razzia.

Aus welcher Sicherheitsbehörde der Hinweis kam, sei bislang nicht bekannt, berichtet die Zeitung weiter. Das hessische Justizministerium bestätigte auf Anfrage, die Justiz habe bereits ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher "Verletzung des Dienstgeheimnisses" eingeleitet. Die Deutsche Bank äußerte sich zunächst nicht zu dem Thema.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main hatte am 28. April bundesweit 230 Firmen, Banken und Wohnungen durchsuchen lassen, darunter Büros der Deutschen Bank. Ein internationaler Betrügerring, der rund 150 Beschuldigte umfasst, soll beim Handel mit Emissionsrechten, an dem die Bank beteiligt war, Umsatzsteuern hinterzogen haben. Allein bei den Emissionsrechten zum Ausstoß von Kohlendioxid, mit denen die Deutsche Bank gehandelt hat, soll der Fiskus um 160 Millionen Euro betrogen worden sein.

mik/AFP/ddp/dpa

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