Kaiman-Inseln Paradies droht die Pleite

Die Kaiman-Inseln dienen Steuerhinterziehern als Rückzugsort, doch das Paradies ist akut bedroht: Der Karibik-Regierung geht das Geld aus. Jetzt drohen drastische Umwälzungen - etwa die Einführung von Steuern.

Küstenabschnitt vor den Kaiman-Inseln: Vermögenswerte von 3,2 Billionen Dollar
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Küstenabschnitt vor den Kaiman-Inseln: Vermögenswerte von 3,2 Billionen Dollar


Hamburg - Die Kaiman-Inseln stehen vor dem finanziellen Bankrott. Seit Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise bleiben viele Touristen weg, die die größte Einnahmequelle der Inselgruppe sind. Auch das Geschäft mit Finanzdienstleistungen hat im Steuerparadies spürbar nachgelassen.

Wie ernst es inzwischen um die Lage der Kaiman-Inseln steht, belegt ein Brief aus dem britischen Außenministerium. In dem Schreiben rät Staatsminister Chris Bryant der Inselregierung, künftig Steuern zu erheben - sonst drohe ihr das Geld auszugehen: "Ich fürchte, es wird Ihnen nichts anderes übrigbleiben", schrieb Bryant. Obwohl die Inselgruppe unabhängig ist, unterstehen die Überseegebiete der Kontrolle der Regierung in London.

Auf den Kaiman-Inseln schlägt der Brief inzwischen hohe Wellen. Ausgerechnet im Steuerparadies sollen Steuern erhoben werden? Unmöglich, findet so mancher Einwohner. "Zuerst kommt die Einkommensteuer, dann eine Grundsteuer, und am am Ende sind wir wie die Vereinigten Staaten und haben jede Menge Probleme mit inkompetenten Leuten, die unser Geld verwalten", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Leserbrief an die Cayman Island Net News Online.

Bisher zahlen die rund 52.000 Einwohner umfassende Inselgruppe nur indirekte Steuern, aber weder Einkommen- noch Unternehmensteuer. Dank dieser Bedingungen haben in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 80.000 Firmen ihren formalen Sitz auf die Insel verlegt - obwohl sie von woanders aus operieren. Nach Angaben der Finanzaufsicht Cima werden so 3,2 Billionen Dollar auf der Insel umgeschlagen, schreibt die "FAZ". Ein Grund, warum sich Staatsmänner wie US-Präsident Barack Obama öffentlich ein Ende des Steuerparadieses gewünscht haben.

Trotz seiner laxen Regeln steht das karibische Steuerparadies unmittelbar vor dem Bankrott. Der Schuldenstand liegt inzwischen bei 590 Millionen Dollar - und damit auf einem Rekordniveau. Inzwischen ist die Finanznot so groß, dass die Regierung sogar die Pensionszahlungen an die Behördenmitarbeiter verschieben musste.

Zwar will ein Bankenkonsortium der Inselgruppe einen Notkredit von rund 370 Millionen Dollar gewähren. Doch das britische Außenministerium stemmt sich bislang dagegen. "Ich muss absolut sicher sein, dass es einen tragfähigen mittelfristigen Finanzplan gibt", schrieb Staatsminister Bryant.

Von anderen Industriestaaten können die Kaiman-Inseln ebenfalls keine Hilfe erwarten. Den OECD-Staaten sind die sogenannten Offshore-Zentren wie die Kaiman-Inseln schon lange lästig - auch wenn die Regierung in George Town inzwischen zugestimmt hat, Steuerdaten unter bestimmten Bedingungen mit den Behörden anderer Länder auszutauschen.

yes/AP

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